Allee

Jagen die Blätter getrieben vom Wind
frägt sich doch ein jedes Kind

dort wo die Alleen aus ausgebrannten Stahlskeletten
die sich an Rändern reihen
gleich des Irrsinns schmucke Ketten
der menschlichen Dummheit die Krone verleihen

wo die Väter und die Mütter dienen in Armeen
die Kinder im Keller das Brot zahlt der Sold
in den Palästen glänzt das fette Gold
nichtsnutzig ist das Friedensflehen

wenn doch immer in den Hirnen die Fahnen wehen
der Schwärme Dummheit bestimmt das Geschehen
für wenige Menschen sind die Massen Ihr Lehen
sie sind die Herren die würdig und glänzend
mit fettem Schritt über all die Verkohlten gehen

Reste von Vätern
Reste von Müttern
getroffen von Raketen
Stückpreis 50 Millionen
gebaut von braven Arbeitssklaven
geworfen von braven Soldaten
gezahlt von braven Bürgern

Hauptsache die Bilanz stimmt
auch wenn es der Menschheit Menschlichkeit
zu einer bizarren Farce trimmt
so würdevoll die Requien sie singen
mit Inbrunst ja Brünstigkeit die Stimmbänder schwingen
derweil emsig die Massen kriechen
auf, auf, sie möchten versiechen

Hunger und Krieg sind die schönsten Geschäfte,
danach kommt der hirnlose Massenkonsum
im Penthouse auf 1000 Metern Höhe
planscht die Kröte, mit den meisten Kröten
und all die elenden Massenselbstmörder
glotzen nach „Oben“

glotzen keinen fliegenden Blättern nach

Anmerkung:
Die Natur mag ein grausames Spiel vom Fressen und gefressen werden aufführen, vom ewigem Kampf um die Existenz des einen oder anderen Elementekonglomerats.
Betrachtet man das Spiel, findet es auf einer wundervollen, erhabenen Bühne statt, von der Tiefsee hinauf über die Kontinente zu luftigen Höhen.
In diesem Spiel ist der Mensch in der Tat der Gipfel an Grausamkeit, an Facettenreichtum, an Witz und Schauspielkunst.
Einzig, der Mensch ist schlicht nichts weiter, als ein Darsteller und die meisten Menschen nutzen ihre Gehirne nicht, um Frieden und Liebe zu finden, sondern sie nutzen sie, um in diesem grausamen Spiel ihre kümmerlichen, jedoch destruktiven und erbärmlich hemmungslosen, primitiven Erfolge zu feiern.
Dabei ist der Mensch das einzige Wesen, das seine Artgleichen großzieht, nur um sie anschließend möglichst variantenreich im Spiel verbrennen zu können, der Mensch frisst nicht nur sich selbst, er frisst in diesem Spiel solange, alles, bis für ihn nichts Fressbares mehr übrig ist, dann geht das Spiel ohne ihn weiter, so als wäre nichts gewesen, und in der Tat, da ist nichts gewesen.
Dem Schauspiel wohnt ja inne, dass es im Grunde nichts weiter als eine Posse ist, die Pose unserer Art, sie ist wahrlich unterhaltsam, für all die sardonischen Wesen, die im Publikum hocken und sich vor Lachen kaum mehr halten können.

Wenn im Kosmos Teufel hocken, dann haben sie hier tatsächlich ein veritables Stück für sich am Laufen.

Jeder spielt sein Spiel – wie lautet ein Slogan:

Mach dein Glück!

Bau Panzer bei Kraus Maffei, spiel Börse bei der Deutschen Bank, spiel Menschbelügen in der Politik, sei ein kleiner Tyrann im Amt, oder gerier dich sanft im Kindergarten, sei gütig bei der Müllabfuhr, besser schreite würdevoll im Kostüm durch die Judikative, oder schwing den Knüppel in der Exekutive, sei ein edler Bürokratiesoldat oder ein angemalter Feldsoldat, sei ein leistungsfähiger Kampfpilot oder bring als kleiner Selbstmordbomber den Tod, transportiere die Massen mit der U-Bahn, dem Bus oder dem Luftbus, bau Belchbüchsen die schwimmen, fliegen oder fahren, manage den ganzen Truppenhaufen, egal ob als General behangen mit Orden oder als Vorstandsvorsitzender überschüttet mit Bonifikationen, putze das Klo auf der Autobahnraststelle, verkaufe die Wust an die hungrigen Pendler, hock an der Kasse und verzichte auf Geprasse, studier die Medizinwirtschaft oder die Programmiersprachen, Hauptsache du bist im Heer der Täter!

Bist du ein Milliardär, bitte sehr, seht her, Jack Pot – verdient und erwiesen bist du eben hocheffizient.

Den jeder der mitspielt ist ein Täter – wer sich verweigert ist ein Verräter!

(Ich denke durchaus, die meisten Menschen träumen von Frieden, Gerechtigkeit und hätten lieber eine völlig andere Gesellschaft, einzig sie tauchen ein ins Spiel und verlieren dort ihre Freiheit, ihren Geist, ihre Selbstbestimmungskraft, sie werden – schlicht gesagt von der Schwarmdummheit dahingerafft.)

Man sollte es nicht so negativ sehen – sehe ich nicht so, aber kann ich verstehen,

wer will schon wandeln durch Panzerschrottalleen,
lieber im Frühling durch blühende Obsthaine gehen!

Nur niemals vergessen, wenn du Pech hast, ………
aber das wissen ja ohnehin alle.

Die meisten Menschen denken eben positiv.
Die meisten Menschen spielen emsig mit.

Mal sehen, derzeit riecht es verdammt nach Spielverderber.

(ok die zig Tausend Toten täglich, krepieren jenseits unserer Gartenwallanlagen – noch gilt es hierzulande das Risiko auf dem Rennmotorad oder dem Wingsuitflug zu suchen….. – Hunger und Bomben haben wir derzeit exportiert.)

Was bleibt? Na – wir sterben eben, so oder so, kein Thema.

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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Eine Antwort zu Allee

  1. alphachamber schreibt:

    Wunderbar! Wertvolle Gedanken.

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