Zum Atavismus

Wohin sollte man mit seinen Gedanken flüchten?

Wo doch die Gedanken bis zum Ende fluten, durch unsere Sinne und Bilder malen.

Verglichen mit unseren Taten, haben wir uns doch ein Leben lang verraten, meist – wer konnte wirklich den Trieb  der Blätter meiden?

Die Lebenshaufen dunsten, verdunsten, der Tod steigt dampfend auf.

Oder betrachte ich mit euphorischen Worten die grandiosen, die epochalen, die virtuosen, die existenziellen, die originellen, die genialen, hyperintelligenten Schöpfungen von herausragenden Talenten. Die Leuchttürme des Geistes, die Großgeister, die Gebirge des Intellekts!

Als würde man eine Blume, die noch lange blühte, morden indem man sie pflückt, auf den Haufen wirft, dort wo der Moder auf den betörenden Duft trifft, dort wo sie eingeht in die Masse, die sie sich aneignet und ihr für den Tod ein Vermögen an Gestank schenkt.

Wie dreckig doch das Geld, das ein Talent in Massen in seinen Händen hält, sobald es sich an die Masse verkauft hat!

Wie dreckig jedes Geld, das nur entsteht, da der Mensch sich selbst verdaut und seinen Kot aus Druckerpressen schleudert bunt auf Papier gewirkt.

Die Ökonomie des Kannibalen wurde ins weltvernichtende aufgeblasen, als hätte eine Ameise sich in einen Kontinent verwandelt, eine einzige Zelle sich zu Milliarden von billionenzählenden Zellklumpen verklebt, der lebt.

Abstrahiert rotiert diese Masse in einem Kreislauf der einer Häckselmaschine gleicht, ein Schredderwerk, das sich durch den Planeten frisst und eine gigantische tote Masse hinter sich lässt. Die Messer erneuern sich, das lärmende M ordwerk jault immer greller, ein schirrendes, wirres, schmerzhaftes Kreischen!

Wo kann ein hungersterbendes Wesen, das nichts anders war, als eines das auf dem Milk-Run auf Teakplanken schlürft genüsslich an seinem Verwesen, jegliche optimistischen Kommentare lesen?

Kennt ihr diesen Platz? Wenn ja, was hätt es wohl gedacht, es würd ja nicht plötzlich genesen, selbst die schönste Lyrik an Deck einer Superyacht, in der Bucht von Bellmorte,

erbaulich, zart berührt, vom mystischen Hauch, der in der menschlichen Schaffenskraft wäre gewesen.

Es wäre – den es ist nur eine zynische Folter für die Milliarden gewesen, die nichts als das Elend geleckt und die haben mit ihrem Tod, die Tafeln für die wenigen Menschgötter gedeckt, die doch am Ende nicht minder im Dreck verwesen, am Ende sind die Zellen nichts weiter als immer nur Zellen gewesen!

Wir sind erbärmliche, feige Kreaturen, da wir einigen wenigen nachkriechen, ein klein wenig von deren Schleim auflecken zu dürfen und dabei willentlich und billigend, jeden niederstrecken, der noch ein wenig unter uns zu kriechen versucht!“

Wir sind nichts weiter als die oben beschriebenen, dampfenden Zellhaufen, und ganz Unten verwest der Kompost am raschesten – ganz oben, mag er im Licht der Sonne glänzen, doch jegliches Erhabene, das wir uns da anheften, ist schlicht nur eine täuschende Reflektion der Sonnenstrahlen, ein Moment der Schönheit, der die hässliche Fratze des stinkenden Kots überblendet!

Doch was soll es, anscheinend sind wir determiniert, wie jegliche andere Materie auch, anscheinend bestimmt einzig der Trieb unsere Systemabläufe, hat der individuelle Geist keinerlei Einfluss und nur die im Intellekt geschliffene Gier bestimmt, wer letztlich am Licht verreckt und wer mitten im Kot ein kurzes Leben in Gestank und Moder zu leben hat.

Dabei spielt dann noch der Zufall mit, der überall im Universum wie ein sardonischer Geist, mit seinen Fingern schnippt.

Nun, spielt eure Leben ab, hechelt weiter, oder sucht aus dem Dreck zu fliehen und in einsamen Winkeln in absurden Träumen von Liebe und Güte, euch nach einer anderen Gesellschaft zu sehnen, es ist einerlei, es ist schlicht einerlei –

bleibt die Frage, fühlt das Eine – oder ist es das absolute Nichts?

Mit jedem Tag den ich bin, wird meine Welt absurder, kann ich nirgends auch nur den Hauch von Sinn erkennen, bleibt mir nur mit meinen Gedanken in die Welt der Zellstrukturen zu rennen, dort zu flennen und zu lächeln, im Irrsinn den Irrsinn meiner Art sanft und nicht mörderisch dem Wind zuzufächeln.

Mir fehlen die Worte, andere als Blätter und Bäume, die wehrlos sie ertragen, (vielleicht fällt mir mal ein morscher Ast auf den Kopf, das war dann ein wehrhafter Baum :-)…..) damit berühren zu können.

Ohne Kraft blicke ich in die Gesichter jener, die mir noch begegnen und leise hoffe ich, es möge rasch wieder vorbei sein!

Sollte der Mensch tatsächlich die Fähigkeit zur Güte und zur Vernunft haben, die Fähigkeit ein symbiotisches Wesen zu sein, dabei die Kraft zur Selbstreflexion in sich tragend, eine Zukunft haben?

Meine besten Wünsche dazu soll er haben!

In meinen Augen hab ich eine Zeit erlebt, in der es absurder kaum mehr geht, meine Phantasie straft die Realität Lügen, sobald ich logisch denke, war der Mensch niemals mehr als eine Zellakkumulation, die in ihrem Reagens wie eine Wucherung auftrat und nach dem Ende des Wirts schlicht mit ihm wieder zum Ursprung zurück, sich wandelte.

Die Erde als kurzes Rülpsen im Universum, der Mensch nur ein galliger Dunsthauch dabei.

Wie lächerlich jene, die sich dabei wichtig nehmen!

Lachen wir ihnen zu!

 

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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11 Antworten zu Zum Atavismus

  1. alphachamber schreibt:

    Ich schätze Ihre besonderen Gedanken und Ausdrucksform.
    Fühlen Sie, dass Sie genügend Sprache haben, um alles auszudrücken, oder bleibt da viel im Geist zurück – unformuliert. So geht es mir oft.

    • oberham schreibt:

      Ja, es fehlen in der Tat die Worte… – daher die Flucht in die Mathematik – oder die Musik – was ja schon viele vor uns so empfanden….
      Sie kennen sicher das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte – für mich war damit schon diese Absurdität vermeintlicher Geschwindigkeit und die Relation zur „Größe“ formuliert – vor nun zweieinhalb Jahrtausenden – womit übrigens auch das Paradoxon der Zeit aufscheint – haben Sie das damals formuliert 😉 – sprich gerade jetzt.
      Das Wort Atavismus und seine Bedeutung habe ich hier einer ebensolchen dimensionslosen Verwandlung unterzogen.
      Doch ich bin nicht alleine – und vor allem, ich weiß eben nun wirklich gar nichts.

      • alphachamber schreibt:

        Ja, und das Pfeil-Paradoxon, ebenfalls von Zenon hat mich besonders gefangen. Aber Zeit ist ja nur ein menschlicher Begriff.
        Es gibt Völker, wie die Hopi, oder Phnong in Kambodscha, welche total andere Vorstellungen davon haben, die sich in ihrer Sprache wiederfinden, auch für Bezeichnungen in der Topographie. Z.B. kann für die Phnong „gestern“ auch die Zukunft beinhalten, usw.
        HG

      • kahalla schreibt:

        Kleiner westlicher Abgesang davon: Yesterday, / ….love was such an easy game toplay…..)
        Auch unsere Sprachen sagen oft mehr, als wir bewusst wahr nehmen.
        Die Zukunft von gestern war ein anderer Strauß von Möglichkeiten, als das Sträußchen von heute. Und jede Sekunde strömt sie wieder an uns vorbei, ihre Möglichkeiten ändernd…
        Nur weil unser Bewusstsein sich an einen Strohhalm klammert, denkt es, es habe sicheren Boden unter den Füßen. Dabei fließt alles.

  2. kahalla schreibt:

    So wie das Auge ein zielend suchendes, scharf stellendes, auf den Punkt konzentrierendes Organ ist, ist das Bewusstsein ein Instrument zur Detailanalyse, eingebettet in das größere ganze, das Unterbewusstsein. Genauso wenig wie das Auge eine Botschaft hören kann, kann das Bewusstsein einen Sinn finden.
    Die Verbindung zwischen dem Bewusstsein und dem Unterbewusstsein wird , – mit einem lateinischen Wort – religio genannt. Das hat aber kaum noch mit dem zu tun was wir Religion nennen.
    Unser Bewusstsein ist in einem geistigen Entwicklungsstadium, das dem der Amphibien gleicht
    Es kommt aus dem Meer ( oder Teich) des Unbewussten und muss immer wieder dort hin zurück, wenn es nicht austrocknen oder aussterben will.

    Welch große Taten sollte ein Mensch leisten die über das Menschliche hinausgehen. Ist es groß, tausende tot zu schlagen? Da fällt im Universum nicht mal ein Sack Reis um. Die Dummheiten unserer „Eliten“ unterscheiden sich kaum von den Dummheiten von ALG 2 Empfängern. Wie Pflanzen wuchern sie nur stärker, weil ihre Vorfahren mehr Mist produziert haben.

  3. Rüdiger schreibt:

    Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand sein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die den Diener verehrt und das Geschenk vergessen hat.“

    Albert Einstein

    • oberham schreibt:

      Wohl gewählt – nur – was tat Einstein?
      Würden wir all die klugen Worte, die wohlgenährte, wohlspielende, Ihre Gedankenbilder dem System andienende Artgenossen, über die Jahrtausende uns vermachten, aneinanderreihen, es wäre wohl ein Reigen der unsere Erde wie ein ewiges Band umrankte, ein Band das just in jenem Augenblick wohl sein Ende findet, da nicht mehr gedacht, was möglich hätte sein können.

      Es klingt hier einsam und es ist letztlich gut so, denn ein jeder von uns, besitzt dieses Geschenk, es sollte es nur auspacken, bevor sein Sein erloschen.

  4. Rudi schreibt:

    Zur Entlastung dieses einen Artgenossen hier kann man vielleicht mildernd anmerken, dass seine tiefe Gesinnung doch pazifistisch und auch eher systemkritisch war. Leider kann man sich diesem System Konstrukt aus verschiedensten Gründen ja auch nicht komplett entziehen, selbst wenn man es wollte. Ich bin jetzt seit 2 Jahren soweit ausgestiegen wie möglich. Ich kann nur bestätigen, dass eine gewisse Einsamkeit, die dann unweigerlich zu einem gewissen Grade damit einher geht, eine gute Eigenschaft des Aussteigens ist. Über vermeintlich zufällige Querverweise, in von mir in dieser Zeit förmlich verschlungenen Büchern, fällt mir als eine mögliche Befreiung ein gewisser Terence Grey alias Wei Wu Wei ein.
    Der schwerverdaulichen Kost folgt dann unter Umständen eine tiefe Erleichterung oder Befreiung. Doch hierfür Worte zu finden ist eher problematisch und die Art von Grey liegt nicht unbedingt jedermann. Gruß

    • oberham schreibt:

      Why are you unhappy?
      Because…….. (dies Zitat ist ein guter Hinweis…. – finde ich.)

      Die glücklichsten Augenblicke sind jene, da du eins bist mit Deiner Umgebung, eins in Harmonie und zärtlicher Betrachtung……..

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