Moralphilosophie?

Vor Jahren zitierte ich  hier das beliebte Betonmischlastwagendilemma…. (lenkst du nicht – überfährst du fünf – lenkst du – überfährst du nur einen)

Was die klugen Professoren ihren Studenten ersparen ist die Option der persönlichen Konsequenz.

Ich spreche nicht davon, sich opfern zu müssen.

Ich spreche davon, nur ein klein wenig Verzicht zu üben.

Der „erfolgreiche“ Mensch ist dazu nicht bereit.
Der „erfolglose“ Mensch steht nicht vor der Entscheidung.

VdH!

Komisch diese Aufforderung habe ich noch niemals gelesen.
(Ich habe VdH gegoogelt…. nirgends ein Treffer, der
VdH! als Aufforderung die Hälfte des derzeitigen Levels zu verbrauchen…..)

FdH!

Das gibt gleich auf erster Stelle den Treffer. Friss die Hälfte!

Ich behaupte, würden alle Artgenossen welche im Augenblick Verzicht als Dummheit betrachten und den Erfolg im Posten- und Karrierewettkampf vor allem als das Recht mit der gewonnenen Kaufkraft, Privilegien aller Art für sich in Anspruch nehmen zu dürfen, nur auf ein Zehntel ihres Konsums – Verbrauchskonsums – verzichten, hätte die derzeitige Wirtschaftsmaschine ein ernsthaftes Problem.

Sie würde als das entlarvt was sie tatsächlich ist.
Ein Ressourcenfresser und Lebensraumvernichter, ein Menschenschinder und die Ausgeburt primitivster Naturgesetzlichkeit – nämlich jene des ewigen Kreislaufs von Vernichtung und neuer Schöpfung.

Im Grunde ist unsere Art tatsächlich eine Art von Schwarm, der scheinbar völlig sinnlos sich und die Biossphäre in ein Ende führt, aus dem dann wieder Neues entstehen wird.

Unser Verhalten stellt uns bloß und da spreche ich vor allem all jene an, die zwar unsere Lebensgewohnheiten kräftig kritisieren, jedoch selbst das Privileg der Kaufkraft als ein völlig berechtigtes und ohne Hemmungen nutzbares betrachten, ja die letztlich sogar damit argumentieren, dass ansonsten ja das System zusammenbrechen könnte, würden sie nicht durch ihre Verhaltensweisen Beschäftigung schaffen.

So argumentiert wohl auch ein Parasit, der seinen Wirt tötet – wohlwissend, er wird auch mit ihm hinscheiden – wieder in den Kreislauf der Elemente einfließen – als pure Materie – ob nun im Nanokreislauf oder als Bestandteil eines komplexen Gebildes.

Insofern, macht so weiter wie es euch gefällt, den letztlich sind wir in der Regel durch die Gravitation an diesen komplexen Klumpen – den wir Erde nennen – gebunden.
Letztlich macht es eben keinen Unterschied, ob einer sich wie der gräulichste Massenschlächter geriert oder als selbstloser Mensch ein Leben in Not rettet, um das Seine in diesem Augenblick zu verlieren.

Es gibt weder Relationen noch Kathegorien, es gibt nur die Erde und wir alle sind schlichte Materiehaufen.

Warum ich so dunkle Bilder ohne Hoffnung hier male?

Nun, ich beobachte mich und die Welt.

Ich sehe was passiert und ich lebe dabei noch in einer Region, wo wirklich jeder meiner Artgenossen auf sehr, sehr Vieles verzichten könnte, wo jeder sehr, sehr Vieles in einen völlig anderen Kontext stellen könnte, ja – wo jeder sich wie ein vernunftbegabtes Wesen geben könnte.

Ich wähle die Möglichkeitsform, da es kaum einer tut.

Solange mich die Blechbüchsen mit ihrem Lärm an die wahre Denkweise meiner Artgenossen erinnern, solange komme ich nicht umhin, mir das mit der Natur der Dinge zu erklären, in der sich der Mensch in keiner Weise von einer Amöbe unterscheidet – er ist triebgesteuert und was besonders primitiv ist, er ist noch nicht einmal Herr seiner Triebe, nein, im Gegenteil, er wird meist mit Trieben gefüttert, die ihm jene Interessen eingeben, welche die Horde als Alphatiere anführen.

Oder würde ein Mensch der z.B. klug genug ist, ein Physikstudium zu absolvieren und mehrere Sprachen beherrscht, tatsächlich so dumm sein, zu glauben, es sei vertretbar mit Verbrennungsturbinen gemeinsam durch die Atmosphäre transportiert zu werden, sich von hunderten von kW über die Ebene befördern zu lassen, kurz, Ressourcen zu beanspruchen, die niemals nachhaltig zur Verfügung gestellt werden können?

Nein, desto mehr „Erfolg“, desto dümmer das Verhalten, desto „erhabener“ die persönliche Sichtweise, desto selbstverständlicher die Privilegien.

Ich bin von einer Horde umgeben, die sich über das stellt, dessen Teil sie selbst ist.

Nur, diese Horde hat nicht die Fähigkeit „abzuheben“, sie ist nur in ihren Verhaltens- und Denkweisen völlig „abgehoben“, sprich, sie wähnt sich eines Bewusstseins, das ich ihr ganz entschieden abspreche.

Der Mensch scheint sich seiner selbst und seiner Umwelt ganz und gar nicht bewusst zu sein – im Gegenteil, ich fürchte seine Instinkte sind eine fatale Komposition von Größenwahnsinn – täglich müssen es viele Tausend mit elenden Schicksalen am eigenen Sein fühlen – fatal ist, dass jene die sich am irrsinnigsten gebärden, die größte Befriedigung aus ihrem Verhalten ziehen können – so zieht der Wahnsinn neuen Wahnsinn und steigert sich immer weiter, die Horde trottet gierig mit, hoffend endlich auch voll und ganz befriedigt zu werden.

Nein, kaum einer der da ausschert, ausschert um diese Autobahn des kompletten Irrsinns zu verlassen.

VdH! Verbrauch die Hälfte!

Ich werde das wohl nicht mehr schaffen, doch seit ich meinen Verbrauch auf das Sinnvolle beschränke, seit ich um mein Überleben kämpfe und mich von dieser Raserei verabschiedet habe, schenkt mir das Leben täglich viele wundervolle Stunden – vielleicht sind es gerade diese schönen Momente, die mich so verzweifelt hier ins Nichts tippen lassen, wo doch die Energiewandlung wahrscheinlich mehr Schaden anrichtet, als ich mit meinen Worten – in meinen Augen – Hilfreiches (für den lebenswerten Fortbestand unserer Art) erreichte.

So bleibt es beim  Moralphilosophieren – euch allen Glück und Gesundheit –

lest den Herbsttag von Rilke

Nehmt statt dem „Herrn“ die Natur – die Erde ——–
ich denke die Unruhe wird bald noch sehr, sehr heftig ansteigen.

Ich bin glücklich in meiner Hütte und ich freue mich auf meinen Winter des Lebens, da er mich noch gelassener machen wird.

Die Früchte der Erinnerung werden verzehrt und das träge Zerfallen der Körperzellen sehe ich als melancholisches Rondo, welches mich in die nächste Melodie überführt.

Die Musik und die Phantasie – sie sind so wunderbare Begleiter unseres Seins – wie schön es doch wäre, genügten sie uns, dann wären auch die Liebe und die Lust vollkommene Gefährten unseres Weges – so aber wird gerade die Liebe meist im Mahlwerk des Wahns zerrieben und die Lust wird oftmals zu einer Bestie die alle Unschuld und alle Barmherzigkeit in Kerkern hält, sie wie Sklaven in Ketten hält und nach Gutdünken verwendet, neue Opfer zu fressen.

Puhhhhh ich denke ich bin keiner dieser Monster wirklich dienstbar – wohl war ich es in meinen jüngeren Jahren – als Kind gezwungen, als junger Mensch verblendet, in der Mitte meines Daseins entkommen.

Es wird kein Ende geben, es wird nur Neues aus Vergangenem erstehen – na wenn das nicht spannend genug ist?

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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2 Antworten zu Moralphilosophie?

  1. kahalla schreibt:

    Tja, wie klingt das denn? Keine westlich- logisch begründbare verzweifluzng, sondern östliches „Annehmen der Situation? Sich lösen vom Ego ´und hinein ins Selbst? Zen-Gedanken, Buddhistisches wesentlich? Oder der parallel (nicht zeitlich aber von der Idee her) zum östlichen Denken entwickelte Gedanke an eine Matrix, die unser Bewusstsein einhüllt, einlullt und uns zu betäubten Opfern eines schmarotzerischen Überorganismus macht?
    Nun dieser Überorganismus kann uns nie absorbieren. Ein lebender, fühlender und denkender Mensch wird immer Abwehrkräfte haben, gegen die Vereinnahmung durch ein Kontrollmonster, das nur nimmt und nichts gibt. Ja, die Menschheit hat viele von ihr schmarotzende Mitlebewesen besiegt, aber wozu? Dass Mitmenschen sich organisieren um das Blut des Individuums auszusaugen? Dass diese Gierlappen die Existenz des Menschen als autonomes Wesen gefährden, dass sie mit ihrem Raubfrass, nicht nur Mitmenschen, sondern auch sämtliche Tiere, die uns nahe stehen in Lebensweise, Nahrungsauswahl und Habitat ebenfalls ihrer Lebensgrundlage berauben? Selbst wenn ein paar Menschen dieses selbstgemachte Armageddon überleben, werden sie keine Nahrungspflanzen mehr haben, keine „Haustiere“ zum Verspeisen vorfinden, sondern mit dem was sie beim großen Fressen übrig gelassen haben vorlieb nehmen müssen. Ratten, Kakerlaken und Wanzen als „!Eiweißversorgung“ Quallen aus dem Meer. Nur langsam werden sich Wesen aus der Tiefsee die freien oberen Etagen ihres Habitats erobern, langsam im Maßstab zur Lebensspanne der letzten dieser gierigen Wesen. namens Mensch. Die Gewinner dieses tumben Spiels werden ganz klein wieder anfangen müssen.
    Und es wird wesentlich unbequemer sein als bisher. Auch die Echsen waren einmal „Herrscher“ des Tierreichs. Und wo sind sie heute? Säugetiere werden dann nur noch Nischenprodukte der Evolution sein. Vielleicht entwickeln Kraken eine zivilisatorische Intelligenz? Oder vielleicht sind sie für solchen Unfug schon zu intelligent? Vielleicht waren die schon dran, als „Herren der Welt“?
    Na dann werden es wohl Quallen und Kakerlaken werden.

    Schöne neue Welt…..

  2. oberham schreibt:

    Es ist wohl auch anmaßend von mir, das Wort Vernunft zu interpretieren, anmaßend von mir, jegliche Semantik einzuführen.
    Sprache ist alleine schon Überheblichkeit, so sie die kleinste Wertung vornimmt, da schlicht keine „Wertigkeit“ außer jener der Elemente besteht.

    Wir sind ausnahmslos anmaßende und meist uns anbiedernde Wesen – bis auf jene, die an der Spitze des Rudels stehen, jene, die nur anmaßend, sich ihren eigenen Trieben anbiedernd vegetieren.

    Die Zufälle bestimmen über das Schicksal, der Moment der Unachtsamkeit, der den Tod einlädt, die Zellwucherung, welche den Organismus vorzeitig abwürgt, die Stoffwechselanomalie, welche unsere Erinnerungen auslöscht, bei den einen ist der Tod ein Augenblick, bei den anderen ein Siechtum, in der einen Gegend verhungern die Kinder, in der anderen Gegend weidet man die Armen aus, die Reichen noch über das 10. Jahrzehnt zu treiben.

    Die Vielfalt der gräulichen Taten stellt sich gegen jene der wundervollen, überrollt sie in steter Regelmäßigkeit, trägt letztlich immer den Lorbeer im Haupt, mit Stolz und dem Bewusstsein der Unschuld.

    Der arme Mörder wird gehängt, dem reichen trägt man die höchsten Würden an.
    Das grobe, wahrhaftige Wort bleibt stumm, das geschliffene, geheuchelte klingt von den Podien.

    Nur die Kultur erlaubt sich den Schabernack, die Wahrheit aufzuführen und den Menschen zu dem zu machen was er ist – und der Krieg so er wütet im offenen Schlachten.

    Immer wieder – glasklar – der Mensch hätte seit langer Zeit kraft seiner Gedanken die Möglichkeit diese Grausamkeit des Zufalls zu bannen und ebenso die Gier, die Verschlagenheit, die blinde, Egomane Triebhaftigkeit – jedoch nicht indem er sich in jene die alles dürfen und jene die sich in Gebote zu fügen haben spaltet, sondern indem er sich dem wahrhaftigen gemeinsamen Nutzen vorhält, jener der nicht die Völker zu Spielfiguren der Verbrecher macht, sondern jener, der für jeden Menschen eine angstfreie, würdevolle und anregende Lebenszeit ermöglicht.
    Jener Nutzen ist leicht zu realisieren, sobald man die einfachste Regel der Philosophie beherzigt – die da lautet – lebe niemals zu Lasten Deiner Artgenossen und liebe die Erde wie dich selbst.
    Dieses Lebensprinzip ginge auf, da wir soziale Wesen die wir nun einem im Grunde sind, die Grausamkeit des Terrors der „Starken“ über die „Schwachen“ durch die Kraft unseres Geistes besiegen könnten.
    Doch das Gegenteil ist der Fall, der Geist stellt sich in den Dienst der Despoten und gängelt das Volk in immer fortschrittlicherer Manier – wohl bis hin zum vollkommenen Nutzwesen, welches seiner Sinne und seiner natürlichen Möglichkeiten vollkommen beraubt, mehr Maschine den Mensch sein dürfte.

    Was mit dem wütendem Erschlagen begann, wird mit dem passgenauem Algorithmus sein Ende finden – wenn die Biossphäre völlig transformiert und lebensfeindlich sein wird, – sind die Maschinen alleine noch übrig.

    01001100 01101001 01100101 01100010 01100101
    01101001 01110011 01110100
    01110100 01101111 01110100

    Die meisten Menschen biedern sich an, um einiger billiger Bequemlichkeiten willen,
    sie verraten dabei sich selbst, ihre Kinder, Ihre Enkel, die Zukunft
    sie gehen unbeirrt auf Ihr Ende zu
    fast so als freuten sie sich über den Sieg der Tyrannei

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