Biedermeier, Biedermänner und der Weltenbrand

Max Frisch ist nun schon seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr aktiv, doch seine Werke sind aktueller den je und seine Warnungen blieben ungehört, sind ungehörter den je.

Die Brandstifter haben längst das Benzin ausgeschüttet, der Funken es zu entzünden glomm wohl schon vor über einem Jahrhundert und seither brennt es lichterloh auf unserer Welt.

Doch weder die explodierenden Gasometer im letzten Jahrhundert, noch die verkohlten Leichen und der Gestank bewegen die Biedermenschen zum Handeln, nein, sie bleiben devot, passiv und jene die noch in Zimmern hausen, deren Wände nicht vor Flammen lodern, wähnen sich in behaglicher Bequemlichkeit, fristen ihre kümmerlichen, feigen Existenzen und zeugen gar weiter unschuldiges Leben, um es alsdann in das Kabinett dieser lodernden Welt von Dummheit und Idiotie zu treiben.

Das Salongeplapper der „Bildungsbiedertrottel“ tönt monoton aus den Lautsprechern und die vermeintlich mutigen Kämpfer für die Menschlichkeit schwanken zwischen Kerkerzelle und Preisverleihung, je nach der Laune des Schicksals, doch sollten sie das „Glück“ haben, zu jenen zu zählen, die ihre Preise in Empfang nehmen und alsdann in der Luxussuite fröhlich feiern, assimilieren sie in Windeseile in die klebrigen Zellen des Establishments, welches sie als „Attraktionen“ von Empfang zu Empfang weiterbefördert.

Die Bitterkeit in mir spiegelt nur das allumfassende Bild einer horriblen Realität, welche uns täglich den Wahnsinn unserer Taten vorspiegelt, doch wir gehen mit geschlossenen Augen, verstopften Ohren und vollgefressenen Mäulern durch unsere kurze Zeitspanne.

Das Leben ist eine hässliche Burleske, der Mensch die widerliche Pointe davon!

Wer es erträgt, der sollte sich den guten Max mal wieder zu Gemüte führen, er hat uns wahrlich vortrefflich skizziert!

Vielleicht könnte man immer noch den Brand löschen, doch mit jedem Tag brennen mehr Zimmer ab und jeden Tag werden Biedermänner von der Realität eines Besseren belehrt, werden die feigen Menschen für ihre Feigheit bestraft, verbrennen sie bei lebendigem Leib im Feuer der Gleichgültigkeit und der Würdelosigkeit, mit der sie täglich willig und anbiedernd, dem Moloch dienen, der sein flammendes Maul gierig mit ihnen füllt.

Dieser grenzenlose Masochismus der Masse, er kann nicht mehr faszinieren, er kann nur noch wütend und zornig machen!

Die jungen Leben, für sie dürfte ein Szenario wie es die Transhumanisten ersehenen, letztlich das geringere Übel sein, den im Augenblick, da unsere Gedanken völlig abgestorben und das reine Nutzdenken, dazu determiniert ins Nervennetz gebrannt, wirksam werden, erlöst von der Schande der Feigheit und macht den Menschen endlich zu dem was er schon seit Jahrtausenden ist, einer willenlosen Kreatur, die sich dem gröbsten Gestank hingibt und ihm kriechend folgt.

Wer seinen Kopf erhebt, dem wird er schlichtweg abgerissen!

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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7 Antworten zu Biedermeier, Biedermänner und der Weltenbrand

  1. Sotchin schreibt:

    „Gasometer“

    Vor wenigen Tagen habe ich in einem Vortrag Herrn Harald Lesch* sagen hören, dass Gazprom mitlerweile weit über 25 % seines „eigenen“ Gases, das es aus dem Sibirischen Boden „fördert“, technisch dazu verwenden muss, die dort tauenden Permafrostböden künstlich zu kühlen (=einzufrieren), damit dieses Monstrum an Rohrnetz und Raffinerieanlagen nicht im Sumpf dort einfach versinkt.

    Mit seinem Film Gas Monopoly wollte Martin Leidenfrost mit seinen Kollegen schon vor vielen Jahren jensesits dieses Faktes schon einmal aufzeigen, wie die Menschen dort in Sibirien bestohlen werden und wie die Granden aus Politik und Wirtschaft (Gerd Schröder, Joschka Fischer, Vladimir Putin…) ihre eigenes dreckiges Süppchen – wie die Alchemisten – in ihr Gold verwandeln.
    http://www.srf.ch/sendungen/myschool/gas-monopoly

    Die Erde hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.
    (Mahtma Gandhi)
    und
    Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein.
    (angeblich Jiddu Krishnamurti)
    und
    „bleiben wir einmal in der Illusion, Universität sei eine Bildungseinrichtung“
    (Harald Lesch, um die 47/48. Minute im oben verlinkten Video)

    * Wo steht Hr. Lesch?: „Das Salongeplapper der „Bildungsbiedertrottel“ tönt monoton aus den Lautsprechern und die vermeintlich mutigen Kämpfer für die Menschlichkeit schwanken zwischen Kerkerzelle und Preisverleihung, je nach der Laune des Schicksals, doch sollten sie das „Glück“ haben, zu jenen zu zählen, die ihre Preise in Empfang nehmen und alsdann in der Luxussuite fröhlich feiern, assimilieren sie in Windeseile in die klebrigen Zellen des Establishments, welches sie als „Attraktionen“ von Empfang zu Empfang weiterbefördert.“ ?!?

    • oberham schreibt:

      Nun, das Establishment liebt den erfrischenden, liebt den spröden und liebt im Grunde jeden „Experten“, der plastisch den Wahnsinn schildert, da alleine schon die Tatsache, dass der Schildernde sich munter inmitten des Systems bewegt, suggeriert, man könne alleine durch kritisches Denken, aus dem Kreis der Verbrecher treten und sich als „bewusst“ lebender, sozialer Mensch betrachten.
      Würde ein Lesch nicht nur kritisch analysieren, sondern auch kritisch handeln, wäre er untragbar für die Öffentlichkeit!
      (…. er hätte keine Kaufkraft und würde nicht von A nach B kommen, so B mehr als 100 km von A entfernt ist… – vor allem, niemand würde Ihm Aufmerksamkeit schenken – meinen Blog lesen vielleicht 50 Menschen – Menschen die ähnlich wie ich empfinden – der „relevante“ Mensch, ist im System bestens integriert und wird von diesem vollständig vereinnahmt.
      Lesch ist ein sicherlich sehr „guter“ Konsument, mit viel Kaufkraft, vor allem, er insinuiert ständig, die Probleme sind nicht unlösbar, künftig wird es schon besser werden – dass Universitäten und Schulden Konditionierungsanstalten und keine Bildungseinrichtungen sind, das ist wohl unbestreitbar – …… wo kämen wir hin, würden 14 jährige nicht abgeschliffen, sondern weiter angeregt tiefer und selbstständig zu denken, eigene Wege zu finden, ……

      Der Mensch hätte es gekonnt, leider haben sich die kranken Geister durchgesetzt – und die geben das Steuer nicht mehr aus der Hand, vor allem sie haben es geschafft, dass sich die gesunden von ihnen fahren lassen!

      • Sotchin schreibt:

        Danke der Antwort!

        Frage:
        „dass der Schildernde sich munter inmitten des Systems bewegt, suggeriert, man könne alleine durch kritisches Denken, aus dem Kreis der Verbrecher treten und sich als „bewusst“ lebender, sozialer Mensch betrachten.“

        Welcher „Schildernde“ bewegt sich denn wirklich gesichert „außerhalb“ des Systems? Welcher „Schildernde“, gerade auch im www, der nicht auch (nur) den Versuch unternimmt, (zunächst?) durch bloßes Schildern aus diesem Kreis zu treten?

  2. oberham schreibt:

    ich würde mal behaupten, ich bewege mich außerhalb des Systems, die Nutzung von Elektrizität und des WWW, zwecks rudimentärem Austausch und Informationshunger macht mich noch nicht zum sozialen Teilhaber.
    Lesch antwortete selbst – (ich nutze auch ein Auto, ich fliege auch ab und an……. – und sorry, genau das ist die Krux! Grotendieck oder Perleman sind bekannte Aussteiger….- bzw. waren es.)

    Es geht darum praktisch keinen Beitrag zum BIP zu leisten, maximal autark zu leben, seiner Eitelkeit nicht nachzugeben, Mut zu haben, Verzicht zu üben.

    Ich behaupte Lesch hat auf diesem Vortrag kaum einen Zuhörer gehabt, dem er wirklich Neues zu erzählen hatte – er kaut immer wieder Fakten wieder, eine Sprechblase auf Reisen.
    Unterhaltsam, ja, er bemüht sich offensichtlich darum!

    Es ist eine Art von akademischem Kabarett……… – wie lächerlich die Antwort doch war – auf Bologna – hat er selber auch Verdauungsprobleme, wo er doch nun im Bolognaprozess so brav mitschwimmt? Ich verachte Kritiker, die im kritisierten Betrieb ihre Brötchen verdienen, ihre Karriere zielorientiert vorantreiben und letztlich nicht ihren Worten gegenüber loyal sind, sondern jenen gegenüber, die sie als untragbar entlarven. (Doch wissen wir das nicht alle?)

    • Sotchin schreibt:

      Ich denk darüber nach, weiß aber jetzt schon soviel: Ihre Antworten drücken sich nicht um die Fragen & ich mag es sehr, wenn man nicht nur ein (das?!?) Ziel vorgezeigt bekommt, sondern mitgenommen wird, auf die Reise.

      • kahalla schreibt:

        ich sehe das Dilemma in dem sich jeder Kritiker befindet. . Einerseits kann er nur gezielt sinnvolle Kritik äußern, wenn er das zu kritisierende System zumindest in Einzelaspekten kennt, andererseits kann man dieses System nur kennen lernen, indem man es zumindest in einzelnen Aspekten ausprobiert. Ich will den Vorwurf der Unlauterkeit nicht entkräften, der den Menschen gegenüber gefallen ist, die gut und gerne vom und im System leben. Allerdings sind wir Menschen deshalb soziale Wesen, weil wir in unsere Umgebung quasi hineinwachsen. Wir und unsere direkte Umgebung sind kaum voneinander zu trennen. Die meisten Bemühungen eines restriktiven Systems gelten der Schaffung von Unterschieden zwischen den Menschen. Alle Kriege, alle Bildung soll letztlich nur die Siegergruppe von den Verlieren trennen. Unsere gesellschaftliche Organisation ist nicht nur eine konkurrierende, sondern auch eine elitäre.

        Und das große Problem ist, dass diese elitäre Organisation in all ihren Facetten weltweit die Menschheit verseucht hat. Zwischen dem IS und den USA, der Bundesregierung und radikalen Parteien bestehen nur Unterschiede in der Wahl der Mittel, aber alle haben eine Weltdeutungs- und Herrschaftsanspruch. Selbst Eltern versuchen immer noch über ihre Kinder zu herrschen, Schüler über ihre Mitschüler, Lehrer über die Schüler (als gesellschaftlicher Auftrag).

        Ein kooperative Gesellschaft ist für uns kaum vorstellbar. Sie entsteht heutzutage nicht einmal mehr in Extremsituationen. Die Demokultur der Endsechziger bis Endachtziger hierzulande hat sich zur Bühne für Selbstinszenierer entwickelt und konterkariert jeden kooperativen Ansatz.
        Nicht nur Linke und Rechte sind doktrinär und antikooperativ eingestellt, sondern auch sämtliche gesellschaftlich relevanten Gruppen. Die Politik verteilt Geld von Unten nach oben und beschimpft diejenigen ,die kein Geld mehr haben, als Schmarotzer. Reuige Steuersünder ( die es bei gutem Gehalt wirklich nicht nötig hatten, den Staat zu bescheißen ) werden hofiert, während Menschen, die zu arm zum bezahlen sind, von Polizei und Justiz demontiert werden.
        Das ist keine Demokratie, sondern der von unseren „Eliten“ herbeigesehnte Obrigkeitsstaat, der
        ein Sklavenheer zum Bedarf dummer Luxusschranzen hält und dabei, so ganz nebenher, jegliche Menschlichkeit abschafft. Das erinnert an das „gute alte “ Römerreich, an die Hybris ägyptischer Gottkönige und anderer Monster in Menschengestalt. Solche Gesellschaften sind die Krebsgeschwüre dieses Planeten. Sie saugen ihn aus für ihre persönliche Fettlebe.
        Und das schlimme ist, jeder von Uns kann dem anderen vorwerfen, dass er selbst Teil dieser Fettlebe ist. Immerhin kann man sich hierzulande mit dem Erwerb privaten Bodens ein großes Stück Freiheit zur Gestaltung seines eigenen Lebens erkaufen. Hat man das nicht, muss jeder Schritt den der Nichtgrundbesitzer macht, bezahlt werden. Landlose zahlen jetzt schon lebenslang fü+r ihr Existenzrecht. Und so ist das Privateigentum an Boden, an Wasser, an Luft und Sonnenlicht, die Grundlage für diesen Schlag ins Gesicht des Lebens.
        Wenn wir eine kooperative Gesellschaft aufbauen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Unzulänglichkeit unserer Kollegen und Mitstreiter zu akzeptieren. Niemand ist perfekt und keiner ist unangreifbar, der hierzulande in der Lage ist, im Internet auch nur seine Meinung zu äußern.
        Als erstes sollten wir Kooperation üben, das wäre ein Anfang. Und da fällt mir noch so ein Spruch ein, der passt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Mehrere Anläufe und Versuche haben mir gezeigt, dass das nicht einfach ist, aber ich habe in meinem Leben nichts besseres zu tun , als es zu versuchen. Also mach ich weiter.

  3. oberham schreibt:

    Danke für Deine Sichtweise – die wirklich sehr gut nachvollziehbar ist!
    Mein Anläufe sind alle gescheitert und ich bin eben an dem Punkt angelangt, wo nur noch das Lamento ab und an erschallt, ich ansonsten aber nicht mehr aktiv auf meine Artgenossen zugehe.
    Ja, im Gegenteil, versuche sie zu meiden – das ist sicher nicht zielführend, doch mir fehlt schlicht die Kraft mein Überleben zu organisieren und dazu weiter gegen Wälle aus Ignoranz und vor allem verschlagener Gier anzurennen (den jene die am Ende bestimmen, sind diejenigen, die bewusst destruktiv handeln, um Ihrer ganz persönlichen Interessen Willen, die eben asozial und konfliktstiftend sind. Der lokale Friede ruht auf der Einsicht der Schwachen, dass sie sich besser fügen, als sich zu zerreiben – doch das Ergebnis ist die tagtäglich herrschende Dummheit, der Sieg über die Vernunft – ich wünsche Dir weiter viel Kraft, und weiter hoffte ich sehr einen unerwarteten Durchbruch Deiner Ideen zu erleben. Dein 10 TD€ Haus wäre so dermaßen passend in dieser Zeit, doch was kommt sind Luxuswaben für 100.000 Euro – dafür darf sich derjenige der Kaufkraft hat in jeder gewünschten Metropole eine vorhalten, die Verlierer bekommen Pappkartons…… und Sammelkeller im Kältefall.

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