Das Karussell für eitle Trottel!

Oh wie schön
Oh wie bunt
Oder mal nur silber, weiß, schwarz,
dann
oh wie edel, wie smart, wie nobel, wie elegant
oh wie … bitte schlagen sie die Zeitung auf
dort steht geschrieben
welches Automobil wär der beste Kauf

Akt Konsumakt Findungsakt Wohlfühlakt
Trigger im Kinderwagen
für männliche Jungtiere
doch selbst die weiblichen scheinen
später völlig zu verblöden
sprich es geht auch später
dafür schlagen jenen noch andere Kleider-
Wünsche dramatisch ins Gehirn

Das Karussell bietet doch nicht nur Blechbüchsen an,
es gibt auch andere schicke Plätzchen
sich zu drapieren im debilen Mätzchen

Es dreht sich
Mit jeder jeder Runde
Wie ein hässlicher Dorn
In die Erde hinein

Tod fallen die Alten von den Figuren
Die Jungen nehmen die Plätze ein
Kinder die schreien
Werden erzogen
Die Menschen wie gebildet sie doch sind

Im Blechbüchsenmodus sind wir am Ende alle gleich
Gleich blöd
Gleich dumm
Gleich destruktiv
….. und es gibt leider
Nur wenige Menschen
Die sich diesem Irrsinn widersetzen

Das Schönste
Die ganzen Kulturschaffenden
Die ganzen „kritischen“ Geister
…. Kurz das eitle Pack, dass glaubt es wüsste ganz alleine
Und müsste es möglichst täglich für eigene Konsumpower
…. Vermarkten, verkaufen, gegen Spende „verschenken“

Produziert im Konkurrenzbetrieb selbst mehr Zerstörung
– Nur um jeweils an prominenter Stelle
– Aufzutreten
– Anzuklagen
– Offenzulegen
– Darzulegen
– Abzugeben
– Einzunehmen
– Abzutreten
– Abzufliegen
– Einzufliegen
– Auszuchecken
– Einzuchecken
– Was für willige Marionetten

Das Auditorium eins Jean, einer Naomi, eines Albert, einer Zara…..
Ups…. Ich fürchte ich könnte jetzt so an die tausend Namen nennen,
das Heer der Tausend Weltretter, die es in die Profiliga der eingekauften
Figuren „geschafft“ haben.
Kilometer lange Buchregale, gefüllt mit „kritischer“ Konsumware,
die ganzen Work-Shops, Performances, Events, Biennalen, Konferenzen,
…. kurz Zeitvertreibskonsumakte im Dienste der Konsum- und Kapitalismuskritik,
jedoch ganz im Sinne des Konsum- und Kapialismussystems organisiert und orchestriert.
Programm,
Starauftritt
Andächtiges Auditorium
Fancult, Fanshop, Fanmarketing, Fanbedarfsstillung……………………………………..

Im Pavillon am Canale Grande
Dort möchte man doch gerne die Betroffenheit
Über die Zustände der Welt
Kurz – oder vielleicht sogar einige Stunden lang – was seeeeeehr lange wäre…..
Zelebrieren
(der Massenrezipient verdient sein Geld nicht mit Kunst oder Kapitalismuskritik,
sondern mit Kommerz und desto mehr Kapital er hat, desto mehr Events kann er
besuchen, um in Betroffenheit seine Stimmung zu dramatisieren…..)
…. Danach noch Shopping am Sankt Markus Platz
… Minimum Entspannung in der Junior Suite (oder wenn es geht Luxury Suite….)
………… es sind die „gebildeten“ Artgenossen, die sich so gerieren.

….. das ungebildete Pack serviert den Aperol-Spritz (oder das in Ausbildung stehende….. –
Gerne genießt man die elegante Ausstrahlung des angehenden Künstlers, der noch höflich
Das Trinkgeld einkassiert……)

Oh, ja, höfliches Dienstpersonal ist schwer zu finden –
Und jene die sich – noch – sicher sind,
nur für eine kurze Übergangszeit den Lakaien geben zu müssen,
überraschen oft mit angenehmer Devotion und erträglich lässiger Nonchalance….
(immer so am Rande der Impertinenz, jedoch eben nicht über die Stränge schlagend …..
Sonst wären sie ja nicht am Platze…..)

Das Karussell dreht sich,
es dreht sich in die Wunde die wir längst geschlagen haben,
es steckt wohl schon knapp über dem Herzen,……

meine liebe gebildeten Artgenossen
beeilt Euch
rasch noch ein paar Runden zu genießen,
sei es als gewissenlose Geschäftemacher im Waffenhandel
Menschenhandel, Organhandel,
sei es als gewissenhafte Geschäftemacher im Medizinbetrieb
Kulturbetrieb, Politbetrieb
Desto geschäftstüchtiger ihr seid, desto größer ist die Suite,
desto devoter und ergebener das Personal
desto höher wachsen Euch die Eitelkeit und die Einbildung aus Euren Köpfen

es sind die Hörner, die Hörner die die Dummheit euch täglich aufsetzt!

Aber egal, Hauptsache ihr fühlt euch wohl auf Eurem Karussell!

Dreht an den Lenkrädern, diesen völlig wirkungslosen ………………
Ob ein Mensch mit drei Stunden Lebenszeit im Elend verreckt,
oder er mit 99 Jahren Lebenszeit als Großgeist in vollkommener Selbstzufriedenheit
umgeben von den Liebsten im gefühlvollen Kreise würdig seinen letzten Atemzug haucht,

Ersterer geht auf im Denkmal vom nicht existierenden unbekannten Elendssoldaten…..

Letzterer geht auf in Schriften und Werken, Nachrufen und Anthologien……….
beides waren Menschen von völlig gleicher Art, völlig gleicher Bedeutung….
Völlig gleicher Bedeutungslosigkeit!

Nur der eine durfte nicht auf´s Karussell,
na der andere konnte dafür die ein oder andere Runde mehr drehen…..

Macht Spaß, sich auf diesem Karussell drehen lassen zu dürfen,
macht Spaß, an den Rädern zu drehen
den völlig wirkungslosen!

Nur eines wirkt,
der Dorn, den das Karussell in die Erde treibt!

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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3 Antworten zu Das Karussell für eitle Trottel!

  1. @ineitzke schreibt:

    Ich stimme dem teilweise zu und danke, weil mir der Text einen Eindruck bestätigt, der mich seit Monaten zunehmend auf Twitter ängstigt. Mein für mich umsortierter Extrakt daraus, sieht im Moment als Verdichtung wie folgt aus:

    Die Menschen wie gebildet sie doch sind …

    Kilometer lange Buchregale, gefüllt mit „kritischer“ Konsumware
    die ganzen Work-Shops, Performances, Events, Biennalen, Konferenzen,
    …. kurz Zeitvertreibskonsumakte im Dienste der Konsum- und Kapitalismuskritik,
    jedoch ganz im Sinne des Konsum- und Kapialismussystems organisiert und orchestriert.

    ………… es sind die „gebildeten“ Artgenossen, die sich so gerieren. …

    Ob ein Mensch mit drei Stunden Lebenszeit im Elend verreckt,
    oder er mit 99 Jahren Lebenszeit als Großgeist in vollkommener Selbstzufriedenheit
    umgeben von den Liebsten im gefühlvollen Kreise würdig seinen letzten Atemzug haucht,

    Ersterer geht auf im Denkmal vom nicht existierenden unbekannten Elendssoldaten….

    Letzterer geht auf in Schriften und Werken, Nachrufen und Anthologien……….
    beides waren Menschen von völlig gleicher Art, …

    sich diesem Irrsinn widersetzen

    Exemplarisch nenne ich dazu folgenden Tweet, dessen Analyse plus seiner Interaktionen und Interakteure den Rahmen dieses Kommentarplatzes sprengen würde:

  2. dada schreibt:

    Ich glaube es ist ganz simpel….. (ist nicht alles simpel?)

    Man schert sich nicht besonders über die offensichtlichen Probleme…

    die einen, weil sie ohnmächtig sind, bzw. zu sein glauben…..
    die anderen, weil sie alles besitzen und permanent auf den Durchbruch beim Füllen des Jungbrunnens hoffen……………….

    die einen dürfen noch ihre armseligen Leben leben, noch……
    die anderen werden ganz rigoros auf transhumane Wesen setzen, sobald sie endlich ihren Traum realisiert sehen………………..

    … sollte die Erde unserer Spezies nicht ein Ende bereiten, bevor es soweit ist…..
    dürfte es auf einige Tausend „Langleber“ hinauslaufen, die sich von mehr oder weniger biotechnologischen und komplettrobotischen „Wesen“ versorgen lassen werden….

    ich denke die Phantasie der zahlreichen Autoren diverser Zukunkunftsgeschichten ist der Realität sehr nahe gekommen, – wir werden es nicht mehr erleben, doch ich fürchte, wir sind die letzten die diese Entwicklung verhindern hätten können – wir werden sie nicht verhindern.

    Insofern ist wohl Gelassenheit angebracht, letztlich ist es ohnehin völlig irrelevant…….

    Ein Blick nach „Oben“ und jeder sollte ganz ruhig seine Bedeutungslosigkeit erkennen,
    ist er satt, hat er Glück, muss er hungern, hat er Pech – der Mensch als Horde ist schlichte, gnadenlose Rauferei um Fressen – der Rest ist Gefieder.

    • @ineitzke schreibt:

      »ich denke die Phantasie der zahlreichen Autoren diverser Zukunkunftsgeschichten ist der Realität sehr nahe gekommen«

      Wenn man diese Geschichten – beginnend bei Jules Verne über George Orwell bis Ex Machina – mit der Gegenwart vergleicht, ist die Bejahung unvermeidbar.

      »[…] wir werden sie nicht verhindern.«

      Diese Resignation teile ich noch nicht. Ich habe aber nichts, was man für diese Hoffnung eine vernünftige Argumentation nennen könnte.

      »[…] der Mensch als Horde ist schlichte, gnadenlose Rauferei um Fressen – der Rest ist Gefieder.«

      Ja. Aber niemand ist in diesen vom Miteinander faselnden Rudeln bedeutungslos. Jeder Tropfen im Ozean wirkt. Ich benutze selbst gern das Wort relevant, tu mich aber im Moment damit schwer. Wird eine mit Höchstgeschwindigkeit fliegende Fliege von einem mit Höchstgeschwindigkeit rasenden Hochgeschwindigkeitszug eingeholt und von dessen Frontscheibe zermalmt, so darf sich diese Fliege Folgendes auf die Urne schreiben lassen:
      Ich war versehentlich eine unvorsichtige Bremserin. Obwohl die Wirkung vermutlich auch heute noch in einem für Menschen nicht messbaren Bereich liegt, also eine Relevanz nahe Null hat, ist sie größer Null. Daran klammere ich mich. Ich bitte darum gelassen zu lächeln, ohne zu lachen.

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