Wortfetzen aus dem Off

Heidelbeerzeit vorbei, vorbei,
im nächsten Jahr
vielleicht
wieder
Brombeerzeit gerade ja, gerade ja,
täglich ein Büchse voll
schmeckt wundervoll
schmeckt wundervoll
dabei gehen viele direkt in den Mund
direkt in den Mund
volle Büsche, schwarze Beeren,
Vorsicht Wepsen möchte auch
den Saft
Allerlei, Allerlei, überall, überall
volle Frucht, volle Frucht
fruchtbarer Boden, fruchtbares Land,
nur nächstes Jahr

dort wo der Pflaumenbaum neckisch mit Früchten lockend stand
ein Industriegebiet entstand

man muss jetzt nicht mehr sammeln – nein
man darf jetzt in den Hallen rammeln – Arbeit rammeln
ficken, in Kartons ficken, auf Tasten ficken, mit Geräten ficken,
von der Direktion wird der Samenerguss angewiesen,
oder die Sekretion damit das Geld fließt und man
seine Konsumkraft genießt

Noch finde ich den Pflaumenbaum
auch eine Walnuß stolz steht da
noch wachsen im Wald die Beeren
noch die Pilze
wenn auch verstrahlt und so schon dosiert…………

Noch gibt es die Chance für jeden,
statt ein Konsumtrottelleben für das System zu geben,
sich aus dem Kreislauf der Vernichtung zu verdrücken,
Leben zu erleben, ohne Euros dafür abzudrücken……

Flieht! Menschen flieht!

Doch, ach, was sehen meine Augen —–
die Flucht geht in die Hallen,
von überall her kommen neue Opfer,
nirgends auf der Welt schein man noch zu verstehen,
schein man zu sehen,
wie wunderbar die Kraft des Geistes wär,
würd sie sich nicht in Vernichtung und Krieg entfalten,
sondern mit Vernunft und Klugheit walten!

Doch die Millionen rennen direkt,
dorthin wo die Seele verreckt,
das guseligste an diesem Tanz,
ein jeder gibt sein letztes an Würde und Kraft,
zu erhaschen die Hand jener gimmigen Maid,
die einen verschlingt bei lebendigem Leib.

So wird das Gedränge im Tanzsaal,
ein klein wenig drängender,
doch diese kleine Schar, diese armseelige, hoffnungslose Schar,
für viele schon genug war,
ihre letzte menschliche Kraft zu verlieren,
sich wie eine Meute von primitivsten Hordenviechern zu gerieren…..

….. was habe ich für ein Glück

der Pflaumenbaum wartet nur auf mich
die Heidelbeersträucher konnte ich nicht abernten…
zu viele
die Brombeersträucher – Überfluss wohin man blickt
der Walnussbaum
zu mühsam die Nüsse aufzuleesen
so bin es noch jedes Jahr ich gewesen

einzig die Pilze scheinen noch zu locken

im Herbst wimmelt es gar von Artgenossen
die verstohlen im Unterholz hocken

….. was habe ich für ein Glück

da Pilze nicht das ganze Jahr wachsen

…. und es scheint solang ich leb,
entsteht auch kein Industriegebiet mehr, dort
wo ich herumstreife

wenn sie nur nicht die Welt verbrennen
in einem letzten wütenden Tanz
es scheint die Wut wächst
es scheint es bedarf nur mehr
eines melancholischen Psychopathen
der drückt zuerst

die Finger – fett und schwülstig

die klare Luft …….
die klare Luft……

noch tauch ich durch die klare Luft!

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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6 Antworten zu Wortfetzen aus dem Off

  1. susihornig schreibt:

    Selbstgepflückte Früchte sind das Allerbeste, neulich hatte ich auch Brombeeren…. In Berlin und Umland ist es jetzt schon wieder „in“, selbst zu pflücken, es gibt zum Beispiel die Webseite mundraub.org mit Hinweisen, wo wann was reif ist. Ist bestimmt (zu) viel Andrang bei solchen „Geheimtipps“. Da hast dus schon besser…;-) ..

    • oberham schreibt:

      … nicht neulich, derzeit täglich – bis wohl Anfang September – dann kommen Äpfel satt und Walnüsse, Haselnüsse sind jetzt schon teilweise ok….
      Übrigens – das Springkraut hat ganz hervorragend schmeckende Samen – so kann man einer inversiven Art auch noch was positives abgewinnen (ist etwas mühsam die Samen ergiebig zu sammeln, es sei denn man geht mit der Gespenstermethode vor – d.h. großes Tuch, die Teile damit überwältigen, Tuch schnell unten zusammenführen, die Samen rieseln herab…… )….. – Beinwell gibt’s auch noch – Brennnesseln sowieso praktisch immer – Löwenzahn, Thymian, diverse Kräuter…. – wer will kann fliehen!
      Will nur kaum einer – zu bequem lebt es sich im Destruktivenhort – blöd bloß, dass man ein Monstrum darin sein muss!
      (… und in einer Großstadt zu leben, ist schlicht Kapitulation pur – sorry – so seh ich das – alleine schon wegen der vielen Artgenossen, der versiegelten Fläche, der Hektik, …- man kann die Großstadt manchmal besuchen, wenn man besonders zynisch drauf ist – und die Artgenossen dort beobachten – es ist ein immer wieder faszinierendes Schauspiel – mach ich manchmal in München – dürfte in Berlin kaum anders sein…..)

      Danke fürs Lesen und sich regen……..

      • susihornig schreibt:

        Ja, das Leben in der Großstadt ist gelegentlich anstrengend und übervölkert. Wann immer möglich, mache ich Ausflüge in die Natur…zum Auftanken. Anyway, ich bin ja ein Teil dieser „Überbevölkerung“ und noch (!) halte ich es aus. Viele Grüße!

      • oberham schreibt:

        In einem solidarischem Kontext, könnten „Großstädte“ eine völlig andere Ausprägung erhalten, man könnte daraus Zonen – in denen Harmonie eine wesentliche Eigenschaft wäre – des völligen Friedens machen.
        Ein Ameisenhaufen der klugen Art, real sind Ameisenhaufen der wahnhaften, destruktiven, völlig debilen Art, in denen sich wohl Nischen von Klugheit verstecken, die jedoch schlicht der Katalysator sind, der die Reaktion des Wahns bremst.

        Nur – solange werden jene die die Nischen finden glücklich sein, der Rest hat sein graues Los zu tragen, die Masse vernichtet weiter, in den Nischen bleibt die Melancholie bestimmend, da der kluge Geist nicht wahrhaft glücklich wird, sieht er das Elend seiner Art und damit der ganzen Erde.

        Insofern – die Stadt ist der Ort der vollkommenen Ambivalenz – von Arm und Reich, von klug und dumm, das bipolare Epizentrum unserer Erscheinung.
        Viel Glück – und möge die Trauer nicht zu viel vom Tag beanspruchen – ich hab da für mich ein ganz gutes Level erreicht – wenn auch viel Zynismus in der Tünche steckt.

  2. Der Nachdenker schreibt:

    Geschafft! Angekommen bist Du, Oberham, im Leben. Im Gegensatz zu den verfickten Werkshallen und Büros, in denen wir darinvegetieren, noch, umgeben von Monstern, die sich die Dreistigkeit herausnehmen, über unser Leben bestimmen zu wollen. Die perfekt scheinende Matrix bekommt Löcher. Leben bricht hervor wie Gras durch Beton, Leben lässt sich nicht aufhalten, von nichts, von niemandem.

  3. fini09 schreibt:

    …..’was hab ich fuer ein Glueck‘ :-))) da lacht das Herz…..ein Mensch ist weise – weiss was Freiheit wahrlich ist..und die schwulstigen Finger bleiben noch l a n g e weg vom „Trigger“.
    Poesie/Prosa poignant geschrieben. Danke!

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