Es gab nie eine Dreigroschenoper!

„Sie werden jetzt eine Oper hören. Weil diese Oper so prunkvoll gedacht war, wie nur Bettler sie erträumen, und weil sie so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen können, heißt sie ‚Die Dreigroschenoper‘“.
(B. Brecht)

So ein Zitat, darf man – hoffe ich – noch kostenfrei in einen kaum verbreiteten Blog einfügen.

Den Eintritt zur Uraufführung und für jede folgende Aufführung hätte sich kein wirklich armer Mensch je leisten können.
Brecht kassierte, seine Erben kassieren, wohl bis ins Jahr 2030 hinein, sie halten die „Rechte“.

Wohl wahr, Brecht schrieb manch Brillantes, doch ebenso wohl wahr, im Slum von Mumumbam denken viele brillante menschliche Hirne ebenso geniale Satzstrukturen, gedankliche Wortbilder, gebildete Formen – nur ihre Werke bleiben im Slum, sie sind Geschenke für die Elenden, die in ihrem Elend trotz bodenloser Not überleben, da sie träumen vom Sein im Sein.

Jeder Mensch ist nicht minder ein Held, als die die auf den Tempelstufen kauern und ihre Philosophie unter die Massen tragen lassen, mit würdigen Gesten und vollen Taschen.

Es gibt wenige die auf den Stufen ihre Notdurft verrichten und den Ort verlassen, sich in die Zonen flüchtend, wo der Mainstream keine Kenntnis mehr von ihnen nimmt.

Die Eitelkeit der Kritikaster macht jede Kritik zum würdelosen Ornament einer verfluchten Gesellschaft. Selbst Brecht war ein schnöder eitler Geck und er war der Reiche in dem Dialog mit dem Armen!

Für mich ist kein Autor, der seine Tantiemen in persönlichen Überfluss ummünzt, einer dem ich auch nur einen Cent zubilligen würde.

Ich lese, da man Bücher auch gratis erhalten kann, jedoch einer hat sie vor mir bezahlt – ich ginge gerne ins Theater, gäbe es eine Dreigroschen Oper! – nur es gibt sie nicht!

Ich liebte die Kultur, liebte die Museen, manchmal kann man in München (Sonntags) für einen Euro eintreten, dann trete ich wohl auch ein und in der Tat, dort hängt manches was ich als großartig und mich mit in seinen Strudel ziehend, empfinde!

Nur – solange die Kultur nichts weiter als ein käufliches und vor allem verkäufliches Gut, behandelt wird, solange kotzt mich der ganze Betrieb an.

Wann werden die begabten endlich erkennen, dass sie ihre Kraft nutzen könnten, als Asketen den ganzen materiellen Zustrom abzulehnen und ihn umzuleiten, zu jenen die leiden, zu jenen, die sie als Stoff nutzen, die sie benutzen, über die sie jammern und klagen, deren „Stimme“ sie zu sein, vorgeben, wo sie doch nur eines sind, Nutznießer des Elends und das gute Gewissen der Verbrecher!

Ich kann leider nicht das Exempel statuieren, meine Talente sind zu bescheiden, meine Zeit ist wertlos, da ich eben kein Teil des Betriebs bin, auch nicht mehr sein kann, hätte ich in meiner Jugend schon konsequenter reflektiert, …. doch müßig, es ist zu spät.

Ich kann nur einen jeden Menschen bitten – schau nicht weg und gib jenen, die leiden Deine Hand, ohne ein berechnendes, ätzendes Monster in deinen Hintergedanken, gib sie ihnen offenen Herzens und hilf, wo du helfen kannst!

Der Worte sind genug getippt, der Werke sind genug verkauft, die originellen Ideen sind platt, da sie tausendmal gewalzt und wiedergekäut wurden!

Die Originalität ist längst mausetod!

Das die Welt ein Irrenhaus ist, dass haben nun wahrlich schon Millionen „Großgeister“ formuliert, nur leider, diese „Großgeister“ schwimmen wie große Fische im Teich dieses Irrsinns und schlagen keinen Euro aus, den man ihnen für diese Feststellung überweist!

Würden sie das Drecksgeld dann verwenden um Elend zu lindern, geschenkt – doch sie nehmen vielleicht einen Cent von Hundert und geben ihn tatsächlich, doch kaum einer geht nicht verkleidet durch die Salons der Zombiebälle, lächelt verzückt und ist selbst dabei völlig verrückt!

Die Dreigroschenoper am Volkstheater München

Wer zu 100% Behindert ist – darf sie „gratis“ sehen (so er sehen kann, sehen, so er hören kann hören, so er beides kann – sehen und hören… so er kommen kann, so er kommen kann, dürfte er zahlungskräftig sein….. – obschon körperlich arm)

Ansonsten mindestens 8,50 (dabei werden die Karten schon kräftig subventioniert)

Maximal 34,– Euro – was für einen Highperformer tatsächlich nur ein paar Groschen sind – wie es immer war – für die Besitzenden ist alles viel zu günstig, es könnte beliebig teurer sein, sie würden es nicht bemerken, da sie täglich reicher werden, dank der armen Teufel, die sie nähren!

… ach ja – Politiker gehen natürlich auch umsonst rein- die werden eingeladen – meist zur Premiere. (Ich beneide niemand! Ich verachte viele!)

Nein, es gab niemals eine Dreigroschenoper.

Es gibt nur ungezählte Werke die die Dummheit unserer Art anprangern, die Grausamkeit unserer Art anprangern, die alles offen zu Schau stellen, die jedoch kräftig daran verdienen, dass die Welt ein Irrenhaus ist.

….. und die diesen Verdienst genauso in die kleine ganz persönliche Tasche stecken, wie der Waffenproduzent seinen Gewinn in seine ganz persönliche kleine Tasche steckt.

War Brecht nun der bessere Autor – oder doch Hitler – schließlich fanden beide ihre Verleger!

Adolf und Bertolt stehen so direkt nebeneinander auf die Bühne, beide erfolgreich als Autoren, im selben Geschäft!

Der eine schreibt vom Massenmorden, der andere klagt vom Massenmorden.

Der eine jagt seine Fans mit dem Panzer durch die Lande, der andere träumt vom gerechten, friedlichen Artgenossen, nur bitte, nicht an seinem edlen Tisch, sofern er nicht ein interessanter, brillanter, ebenso kluger Zeitgenosse ist.

Ach hätt der Brecht doch die Bettler an seinen Tisch geholt, hätt er seine Eitelkeit in die Tonne gekippt und wär er nicht so furchtbar überheblich gewesen, vielleicht wäre die Welt an seinen Worten genesen.

Er steht hier nur als Beispiel, auf dem Plan, mit ihm stellen sich zig tausend Namen an!

Gerne hätt ich Brecht getroffen, wir hätten sicher gestritten und er hätte mich hinausgeworfen, aus seiner Villa!

Interessant wäre es auch, Hitler getroffen zu haben, allerdings hätte ich das wohl kaum überlebt.

Der eine entblößt geschäftsmäßig den Irrsinn, der andere produziert geschäftsmäßig den Irrsinn – beide sind ein Rad im gleichen Apparat!

Solange wir geschäftsmäßig leben, werden wir nie eine gerechte Welt erleben!

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Einsiedler in Hinterwald
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4 Antworten zu Es gab nie eine Dreigroschenoper!

  1. …. und nun, was tun?

    Was bringt es mir, den Zustand der Welt, den Zustand der Illusionen, in denen sich die meisten Menschen befinden, noch und noch zur enthüllen, wenn es mich dann letztlich doch nur zum NEIN des Lebens, zum Nein, weil ich nur ein Mensch bin verführt und ich im Nihilismus ende?

    Nein, das Leben ist Gut, Jeder Mensch ist eine daraus geborene Gute Erscheinung des Guten-Seins, die eben an Gutem zunimmt oder durch das, was wir „böse“ nennen, vermindert – also verdorben – wird.

    Dein Glück ist meine Seligkeit
    Dein Vorteil ist mein Gewinn
    Dein Gewinn ist mein Vorteil
    Deine Seligkeit ist mein Glück
    Dei Heil MACHT mich gesund
    Deine Gesundheit ist mein Heil

    Das „Böse“ wird durch das Gute überwunden, aber nicht dadurch, dass man in der Scheiße
    herumrührt und mir diese in den Einzelheiten darlegt und beschreibt. Im Grunde genommen reicht es, wenn ich weiß, dass Scheiße Scheiße ist. Muss ich ständig daran riechen, daran schmecken, sie von einer Hand in die andere nehmen, um sie abzuwiegen, damit ich selber irgendwann darauf komme, sie mal los-zu-lassen und endlich JA-ZUM-LEBEN SAGE?

    Fang endlich damit an das GUTE im Menschen erkennen zu lernen, weil der Mensch ein Gutes-Sein ist. Für seine Absonderung gibt es Klos oder ein Loch im Boden, das man nach der Notdurft tunlichst mit der Erde bedecken muss, die man vorher entnommen hatte, um dieses Loch zu machen. Denn der Tod lauert in jeder Scheiße. Mann soll darauf acht haben, dass der Nächste nicht da hinein tappen tut, vor allem nicht in einer Welt von Menschen, die ihren Geruchssinn nahezu nicht mehr erlernen tun.

  2. oberham schreibt:

    Gerade an den in der Reflektion als Partei der sozialen Gerechtigkeit erscheinenden Artgenossen, kann man erkennen, die Geschäftsmäßigkeit pulverisiert jeglichen Anspruch an eben jene Gerechtigkeit!

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