Das Rauschen im Palast

 

  • Vorab – dies ist eine Therapieeinheit in Frustablassen – ergo – bitte nicht lesen, wenn man zu Depressionen neigt! —

 

Auf krummen Rücken, die Schultern von Schwielen übersäht, tragen junge Menschen, die aussehen wie Greise, Zentnerlasten aus Höhlen, aus Gruben, aus Schluchten noch Oben, von Bergen hinunter ins Tal.

Da macht ich für eine Stunde die Plage, stellte mir nicht lange die Frage, wozu? Für eine Stunde Wärme, trage ich gerne die Stunde im Sommer das gesammelte Holz zu meiner Bleibe, der Lohn ist klar, und nicht zu frieren, ist fürwahr ein lohnender Grund.

Doch schleppen Millionen von geschundenen Kreaturen, Millionen Tonnen Jahr für Jahr, nur damit ein irrsinniger Teil der Lebewesen auf unserem Planeten, seine vermeintlich wichtigen Bedürfnisse befriedigt.

Dort wo noch nicht gigantische Apparaturen, mit gigantischen Feuern in ihren stählernen Herzen, die Pariaarbeit verrichten, wird mehr geschleppt und unter der Last langsam verreckt, als jemals zuvor in unserer abartigen menschlichen Historie.

Es wird auch Holz geschleppt, doch das ist meist ein Überlebenstragen, damit man Feuer für die wenige Nahrung hat, oder ein bisschen Wärme – wo die Winter kalt. Meist ist es dann ein Kreislauf in den Tod hinein, da nur mehr wenig jenen Armen bleibt und sie sich so die letzten Felder schänden, da keine Wurzeln und kein Baum mehr, sich gegen Wind und Wetter wenden.

Einst schlugen die Waldbesitzer auf die alten Frauen ein, mit Pferdepeitschen von den Satteln aus, da sie sich holten aus dem Holz die dürren Zweige dreist heraus.

Heut treiben Angst und Terror ganzer Horden von bewaffneten Treibern, die Menschen in die Gruben, wachen darüber dass sie graben, wühlen, schleppen, sich in Gift und Dampf der realen Höllen suhlen.

Einst ging es gegen Tod und Hunger an, waren die meisten jeden Tag auf ihren Beinen um zu vermeiden abends die Kinder hörn zu weinen, da sie nichts stellten auf den Boden, oder Tisch, das hätte einen Magen füllen können.

Einst war die Angst so groß, das Leid war da, das Leben war grausam und hart – die Nischen des Glücks sie schimmerten zart aus dem Licht das sich in den Blättern der Baumkronen bricht, ein Blinzeln hinauf in den Himmel, ein zartes Wort, eine Berührung – und fort waren die Leiden, vergessen war die Angst, doch die Rückkehr der Nacht und die kalte Macht, drückten den Menschen noch immer nieder ins Grab der verlorenen Kraft.

Doch im Heute ist das Panoptikum dieser stinkenden Gruft, grässlich triefender Eiterkaskaden, hämisch grinsender Plutokratenvisagen und jämmerlich wimmernder Milliarden, monströser, monströser denn jemals zuvor!

Einige hundert Millionen tragen das Leid von Milliarden, an ihren Körpern, wohlwissend, was sie da tragen, luftig leicht und bequem zugleich. In ihren Taschen strahlen die seltenen Erden und das Mikrogramm Gold leitet über Kupfer und Silber, Quecksilber, ein Spektrum der Elemente versammelt, versammelt um ihre Gedanken in Signale zu wandeln, so tauscht man sich aus – rund um die Welt, man bestellt seinen Wünsche ein, desto mehr einer hat, desto größer und perverser dürfen diese sein.

Auch dies Getippe hier erfolgt auf dem gnadenlosen Leiden jener, die die Grundstoffe trugen, bewusst bin ich mir was für ein Schuft und Scharlatan ich bin, zu tippen und auszurufen – möge das Leben ein ewiges Wiederkommen sein, und mir der Sack schon auf den Schultern lasten, auf dass ich zu tragen, geboren ward, zu tragen die Last der Dummheit, die Professoren und das Bildungspack jeden Tag haben aufs Neue geboren.

Nirgends ist mehr Verrücktheit und Arroganz daheim, als in den wohlgepolsterten Sesseln der Alumni-Messen, nirgends kotzt der Geist des Menschen mehr Dreck und Wahnsinn aus, als in den Seminarsälen, nirgends wird die vollkommene Nutzlosigkeit allen Tuns und allen Schaffens deutlicher als in den Palästen, den rauschenden Palästen, in deren klimatisierten Sälen die Elemente, die Metalle, die Erden rauschen, rauschen und mit Impulsen den Untergang unserer verfluchten Spezies im Millisekundentakt orchestrieren –

Milliarden tragen ihre Leben in Leid und Elend durch diese letzten Zeiten, einige tausend dürfen auf goldenen Schwingen über deren Leichen gleiten.

Verflucht ist diese Spezies, ein verfluchtes Monstrum an Zellkomposition, ein genetisches Chaos, eine Ausgeburt dessen, was wir als Hölle so fürchten – dabei sind wir die Hölle und die meisten – ja die meisten lebenden Menschen, sie wissen es genau!

Die Wahrheit liegt vor unseren Füßen, steckt in unseren Taschen, unter den Plastiktasten, in unseren Gedanken – das Rauschen des Windes, es wird sich bald nicht mehr in menschlichen Ohren verlieren, dann werden hoffentlich noch lebendige Wesen, vielleicht gütige und die Spirale von Angst und Leid überwindende Wesen, dies überwindende ohne alles zu vernichtende Wesen, sein.

Der Mensch ist ein furchtbares Kapitel gewesen!

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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2 Antworten zu Das Rauschen im Palast

  1. Joe C. schreibt:

    In der Tat etwas pessimistisch, aber auch sehr poetisch, anrührend, betroffen machend, wohl besonders, wenn man nicht schon ähnliches Gedankengut hegte… Ich find’s genial und stelle mir gerade Klaus Maria Brandauer auf der Bühne vor, mit diesem Text – umwerfend… 🙂

    • oberham schreibt:

      Der Kommentar macht mich eitel – für Sekunden zwar nur – doch die genügen, um zu begreifen, dass ich niemals Texte von mir, von eitlen, exponierten Menschen zitiert hören möchte, ich würde gerne Obdachlose, Slumbewohner, Parias diese in allen Sprachen der Welt vortragen hören – als monotonen Singsang, als Taktgeber ihrer verfluchten Schicksale, die sie uns zu verdanken haben…. – wer sich bedient mag sich bedienen, nur – hat er dann wie ein Brandauer einen Öko Footprint von mehr als 10 (so genial und gut er ist, in seinem Fach, er kann nicht aus seiner Eigennutzenoptimierungshaut, er ist ein Vollgenussmensch, er müsste sich erbrechen (doch wird er es nur tun, gäbe es ihm die Regie vor…), würde er dies laut vortragen, anschließend sein Vermögen in den Dienst einer Armutsregion stellen und die Menschen dort von ihrem Joch befreien, was ihm wohl eine Kugel vom örtlichen Menschennutzer einbrächte, was wiederum ein würdiges Ende für einen aufrechten Zeitgenossen wäre…… – ja so fände ich das auch umwerfend – letztlich sogar im reinsten Sinn des Wortes) – Verzeihung für die Klammer in der Klammer in der Nebenschatelsatzverwirrkonstruktion – wer den Satz nicht dreimal lesen muss, bevor er die ihm innewohnende Semantik – zumindest pragmatisch – aufgenommen hat, der könnte mich vielleicht im Diskurs ertragen, der Rest hält mich für debil, seit ich 15 bin.

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