Blaubeeren im August

Berlusconi erhielt einen blauen Brief, einen Brief, den er hätte vor wohl vierzig Jahren erhalten müssen, wollten wir tatsächlich unsere Zeitkonten mit Hoffnung füllen.

Stattdessen ist es in meinen Augen ratsamer sich den Dingen mit Gleichmut und Resignation zu entziehen, Blaubeeren in lichten Wäldern zu pflücken und sich dem plätschern eines Bachlaufs zuzuwenden, sind die Blaubeeren verspeist, wendet man sich den Brombeeren zu, anschließend wandelt man in herbstlichen Wäldern, verzichtet auf den Hausbau, auf die Rituale der Mitmenschen, auf die Emsigkeit und den Fleiß, setzt sich in sein persönliches Diorama und verharrt hinter Büchern und in Klangwolken hinter dem wärmenden Ofen, bis sich der Frühling wieder meldet und man die ockerfarbene Pracht des Herbstwalds, mit der knallbunten Welt der Blumen tauscht.

Dazwischen mag der Winter mit kristallglitzerndem Epos manch theatralische Regung in uns zum Leben erwecken, dürften die Wintersonnenstrahlen unsere Lider küssen und keine kleinen Vampire stören mit ihrem Gepikse und Gelage die grandiose Inszenierung.

Mich widert alles andere nur noch an, mag sein, ich sollte mich gleich austreten, doch ich entschied mich, zu leben.

Die Possen unterscheiden sich doch nur marginal in Stil und Dramaturgie – die Possen einer scheinbaren demokratischen Kultur entlarven sich mit jeder Sekunde des Schauspiels doch deutlicher, nicht nur in Italien – wir wählen im September einen Hosenanzug mit Fleischfüllung der wie eine gruselige Kreatur aus Frankensteins Kabinett die Mehrheit mit debil anmutenden Wortreihen einlullt, das grellbunte Gruselvieh aus Italien gegen das monotone Volksvalium, die hyperaktiven Zwerge im Élysée, die sinistren Alkalden Madrids, das zynische Kapital-Sklaven-Gesindel Londons, Europa ist das Panoptikum pervertierter Ideale und leibhaftigen Popanzentums.

Es ist ein Spiegel seiner Bürger, der Mehrheit seiner Menschen!

Wer von uns verweigert sich diesem Spiel, wer sagt – Nein! -, wer?

Statisten sind wir, und die kleine Gage der Statisten erbetteln wir uns, entweder durch willfährige Arbeit, durch clevere Betrügerei, durch selbstverlogene bezahlte Leistungen oder durch entwürdigende Bettelei.

Wir spielen mit, ich spiele mit, in diesem Augenblick, da ich dies tippe und – ja – ich werde es sogar ins Netznirwana entlassen, damit irgendwo ein Augenpaar, im Wortbrei rührt und so sich Zeit fand unsere Gedanken aneinander zu reiben.

Was kann man treiben? Meine Antwort lautet nach wie vor – sich am Leben halten, möglichst ohne einen Cent Konsum zu gestalten.

Die Blaubeeren waren heute noch lecker, aromatisch und wohl immer noch sehr cäsiumreich, doch diese letztgenannte Würze vergällt mir nicht ihren Geschmack, da – sollte es zur Belastung meines Zeitkontos führen, diese Belastung wohl mehr als angemessen scheint.

Statt sich vor den anderen Artgenossen zu verbrennen, muss man nur ihrer Dummheit aus dem Weg gehen, ja, sollte man selber der Dumme sein, ist man doch ein höflicher Idiot, man stellt seine Wirrnis nicht den anderen in ihren „vernünftigen“ Weg.

Ich wirrer Wicht bin mir jedoch persönlich sicher, dass jeder der in diesem System arbeitet als Wahnsinnsbrennstoff dient und somit das Feuer, das die Hoffnung verzehrt – egal was er dort treibt – mit seiner Lebenszeit bedient.

Im Licht der Sonne wird sich bald eine Erde ohne uns baden, die Nachgeborenen, was für irrsinnige Sadisten werden sie wohl mit ihren Händen, auf ihren Schultern tragen?

Gern würd ich ihnen ins Gesicht spucken, doch noch lieber seh ich mein Leben lang, keinen von ihnen auch nur auf die weite Distanz, käme einer an mir vorüber, der Speichel blieb mir hoffentlich nicht im Halse stecken vor Ekel und Hass. Nein, ein flotter, fetter, eitriger Batzen sollte sich mitten in seine Visage pflanzen, auf dass er sich vor Ekel noch erbrechen müsste und am Ende gar davon ein Leben lang träumte – so – nun bin ich am Ende selber zum Sadisten geworden.

Wessen Kind ich bin, blieb mir verborgen, zu fragen ist es zu spät, sicher ist, mir ist dieses Spiel zuwider!

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Über oberham

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Eine Antwort zu Blaubeeren im August

  1. AlterKnacker schreibt:

    Bütte … Bütte … Bütte

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