Letzter Julitag 2013

Die warme Luft drückt uns hier in Bayern in den Schatten, in klimatisierte Zonen, dorthin, wo wir etwas Linderung finden. Sie nimmt uns in die Arme, die Atmosphäre, das Atmen fällt manchen schwer, wenige setzen sich der prallen Sonne aus, genießen gar die Hitze, dieses kurze Flirren, baden sich darin.

Dabei suchen verlorene lebendige Augen nach einem Zeichen, einem Geist, der aus der kalten Masse von längst toten oder gerade noch absterbenden Zellen kriecht, um irgend eine Regung in Zwiesprache zu zeugen. Biederes Ambiente in biedere Musik getaucht, in professionelle Freundlichkeit und pietätvolles Modelleisenbahnareal, an einem Ort irgendwo, wo man noch niemals vorher stand, niemals mehr in seinem Leben stehen wird, umrahmt diesen Abschied der Hoffnungslosigkeit, es wird keine Worte mehr geben, niemals mehr, hier, noch andernorts, vorbei.

Die Engramme erweitern sich um gierig, kümmerliche Überlegungen, die widerwärtig und verachtenswert aus dem Konditionierungsprogramm einer kleinen selbstverliebten Säugetierkultur triefen, schmatzende, klebrige Laute patschen in die Fäkaliendissonanz den kalten Haufen erinnernder Bewußtseinsreste.

Ist es dieses verwirrende Stück an Liebe und Einsamkeit, das man aus der Zeit herausgerissen und zwischen seinen Kiefern ein Leben lang gekaut und gewürgt, verdaut und ausgeworfen hat?

Und dann? Dann folgt was? Da bleibt nur noch der Weg zum Übergang, wer es sich leisten kann, der bettet sich demnächst selbst in so einer Wiege, brav und still, kein Babyphone steht auf dem Kästchen am Rand, was war da gleich nochmal, keine Ahnung, Blumen?

Noch brennt der Wasserstoff, fließendes Feuer bricht strahlend durch die Finsternis die uns umgibt und leuchtet den Wahnsinn unseres Seins aus, als würden ein Master of Light brav seinen Auftrag erledigen, das Diorama einer festgeschmolzenen Sehnsucht die sich niemals erfüllt, ein hingeklebter Traum, flackernd im Dunstkreis längst verschlungener Galaxien.

Es ist ohnehin alles längst vorbei, wurde längst alles in unendlich viele Geschichten gepackt, verkleidet wie Kinder im Fasching hüpfen die Wahrheiten durch die virtuellen Bilder ungezählter Leser und Reflektoren, so als bräche sich der Schrei eines Kindes an der Wand einer hochragenden Wand aus versteinertem Leid, vom Zwang zu leben befreit, fliegen die Echolaute über deren Köpfe hinweg ins unendliche Nichts.

Es ist Trauer, es ist schlicht die Trauer im schwarzen Kleid, Trauer, sich auf den Seziertisch legen zu müssen, damit die Sadisten dich erforschen, dich aufmachen, dich quälen, ausbluten und an dir spielen können, du erträgst es geduldig, da dein Herz in der ewigen Dunkelheit geduldig weiterpumpt, pumpt bis die Kälte durch die Sommertage bricht und deine Augen nicht nur den Schlaf suchen sondern mit dem Tod davon tanzen.

Wir sprechen von Liebe, da wir die Wahrheit niemals ertragen könnten, da die Wahrheit unaussprechlich unter der Epidermis wandert und im Stechschritt marschiert, sobald wir zu denken beginnen.

Wir schalten sie aus, die Gedanken, den dieser Marsch zertritt alles, was uns ein Lächeln und etwas Freude entlockt, dieser Marsch läßt nichts am Leben, verschont keine Zärtlichkeit, schreit wie eine Furie ins Mark hinein, mit seinem monotonem Stakatto.

So bleiben wir blind ob lebendig oder tod, bleibt am Ende die Frage, was das sein soll, außer ein seltsamer rollender, sich durch unbekannte Dimensionen trollender Ball?

Im Hintergrund plätschert Wasser, am Fußende putzt sich ein Kätzchen, den kleinen Hang hinauf hockt ein Haus, dahinter ein zweites, drinnen fragen sich geschäftige Artgenossen wo er wo wieder hockt, der faule Idiot, dabei möchte er, so gerne einfach, wie ein alter Elefant, hinter den Vorhang eines laut brüllenden Wasserfalls trotten, in dieser kühlen Grotte sich hinkauern und die traurigen Augen schließen, seine letzte Idiotie, die Hoffnung, es möge ihn jemand vermissen hat er längst ausgezogen wie eine nasse Hose, wo würde aber je ein Elefant eine nasse Hose tragen?

Ein grauer Atta Troll vielleicht? Mit einem Rüssel und zwei klaffenden Wunden, der nicht seinen Jäger erwartet sondern eben diesen verborgenen Ort gefunden hat.

Warum finde ich die Ohren von Meister Pelz so putzig?

„Die Haare wachsen gar nicht mehr so schlimm aus seinem external acoustic Meatus, auch die Auricula auris scheint frisiert zu sein, ober er wohl noch schwingt, der Malleus?“

Doch Danke!! Da irgendwie ein unschuldiger Freudentaumel irgendwann durch alles drang, egal was sonst noch war und wird, dies Geschenk verdank ich Dir!

Es ist und bleibt beim Wir!

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