Warum bin ich – ein Huhn?

Manch ein Bauer wurde schon von einer Kuh erdrückt. Manch ein Reiter fiel vom Pferd, brach sich das Genick. Selten, dass eine Hühnerfarm abbrennt, dabei neben den 30.000 Vögeln jedoch auch der Vogelhalter dabei mit verbrennt.

Vom Verbrennen sprach man oft in den 60er Jahren, davon, dass der ganze globale Stall binnen Sekunden zu einem strahlenden Glutofen werden könne.

Die Vogelbesitzer bauten sich tief in der Erde Notwohnungen, doch sie stellten sich die Frage: „Was sollen wir danach, ohne Vögel noch machen?“

Der Brand blieb aus, die Brandsätze liegen immer noch bereit.

Doch die Farm muss wohl gar nicht verbrennen, da der Kot sich schon jetzt dermaßen türmt, hoch türmt, alles überdeck, da wird wohl bald auch ohne Feuer, massenhaft im Dreck verreckt!

Jene Hühner mögen mir verzeihen, als mitteleuropäisches Durchschnittsgefieder vergesse ich doch zu oft, dass dies ja schon seit langem in vielen Farmen der Fall ist – ganz ohne Feuer und Krieg der Fall ist – und wo es ohne nicht geht, legt man doch auch gerne man ein kleines Feuerchen, wir Wohlstandsgefieder machen uns ohnehin immer solche Sorgen über die Populationszahlen, manche hier wären froh, es würde etwas zahlreicher krepiert!

Aber das blendet das gebildete Huhn schlicht aus! (Nur im Unterbewußtsein macht sich doch eine gewisse Wohligkeit breit, ahh, wieder mal eine Million unnützer Hühner verhungert – welch Glück, welch glücklicher Umstand – ach – was hab ich da eben gedacht? – wie schrecklich, ach wie schrecklich – all das Leid und das Elend – nein – da kann man aber auch gar nichts machen, die Hühner dort sind einfach zu – äh- gacker gacker – ungeschickt?!)

 

Wir leben in herrlichen Zeiten, wir, die wir premium Vögel sind, praktisch in Freilandhaltung mehr oder weniger schöne Plätze auf der Farm uns in der Hackordnung erobert haben, die wir teils sogar so unglaublich vermessen empfinden, frei zu sein.

Wir können sogar fliegen! Mit der kleinen Einschränkung, dass wir uns in Aluminiumdosen quetschen lassen und im Grund so stundenlang Fastfood und gepflegte Langeweile genießen, das Fliegen nur empfinden, sollte die Büchse in der Luft mal auseinanderbrechen, wobei wir erkennen, wir sind keine Vögel sondern Menschen. Menschen können nicht wirklich fliegen – nur fallen.

Wir befinden uns geistig im freien Fall! Intellektuell im freien Fall! Gefühlsmäßig im freien Fall!

Nun dieser freie Fall, bezieht sich auf uns als Spezies schlechthin, auf das Individuum bezogen, blicken wir zurück in unsere nette große Farm.

Dort hat jeder Vogel letztlich nur die Wahl freiwillig in den elektrischen Zaun zu flattern, frei zu verbrennen vor seiner Zeit, oder brav sich den Regeln im Stall zu fügen.

Die Regeln sind in manchen Farmen sehr komfortabel. Ja, es gibt Vögel, die leben ihre Zeit ab, als seien sie selbst schon zu Farmern geworden, die Hackordnung kennt ein Spiel, das sich Karriereplanung nennt.

Die Vögel sprechen mancherorts, oder besser gackern, vom HRM, soll heißen Human ist gleich Vogel, Henne, Nutzvieh Quellen Bewirtschaftung.

Ja manche der armen nackten Viecher denken sogar ernsthaft darüber nach, wie sie sich selber am besten bewirtschaften – haben sie Erfolg, vergessen sie den Wahnsinn im Konsumrausch, sie sind glücklich und genießen ihre Kaufkraft, sowie den Neid und die Bewunderung ihrer Mitinsassen.

Diese Hühner besuchen Seminare, dort gackern dozierend andere Artgenossen von Self-Management, Resilienz und raten zu regelmäßiger Entspannung.

Es gibt dafür inzwischen hunderte von Methoden, das Ziel von allen lautet, mehr Eier legen falls möglich – oder – so man in einer Mastfarm hockt, schneller die Schenkel aufbauen. Ups, es gibt keine Mastfarmen für Menschen, Menschen legen auch keine Eier, zumindest keine die man essen kann.

Dabei fällt mir ein, die Allegorie mit den Hühnern ist ja schon uralt – es gibt das Bild mit den Schweinen, den Ratten, den Ameisen, den Rindern, andere Kulturkreise haben sicher schon hunderte Geschichten ähnlicher Provenienz hervorgebracht, nur der wahre Nutzmensch ist gegen dergleichen immun.

Der perfekte Leistungsträger glaubt an sich, er fühlt sich nicht perfekt, nein, diese Hybris bleibt nur sehr wenigen vorbehalten, diese Mitlebewesen landen meistens in geschlossenen Abteilungen – sozusagen überkonditioniert, gefährlich überkonditioniert, manchmal schaffen sie es allerdings doch an die Spitze einer Farmpopulation, meist mit fatalem Ergebnis, er fühlt sich jedoch überlegen, mehrwertig, in allen relevanten Bereichen zumindest.

Diese relevanten Bereiche sind meist sehr subjektiv, schwer messbar, nur in einigen Nischenbereichen ist das Wirken in der Tat physikalischer Natur und bezaubert die anderen Tierchen durch wirklich außergewöhnliche Erscheinungsformen – im Bereich des Schalls oder der Biomechanik.

Das sind jedoch keine, die Haltung der Population relevanten Eigenschaften, die sich an anderen, sehr subjektiven, ja geradezu grotesken Merkmalen orientiert.

Waren es vielleicht in grauer Vorzeit tatsächlich die biomechanisch herausragenden Tierchen, die Clans um sich scharten und nahrungssuchend durch die Steppe trotteten, so sind es heute undefinierbare, geradezu unauffindbare, im Verborgenen hockende, den meisten unbekannte Wesen, die über Wohl und Wehe der Massen bestimmen.

Dabei glauben manche sogar ernsthaft, sie wären in der Lage mit ihren Clanführern zu kommunizieren, manche glauben dies vielleicht sogar bis an ihr Ende.

Meiner Meinung nach ein Trugschluss, letztlich hat sich dieser ganze Menschenhaufen zu einer Schicksalsgemeinschaft entwickelt, die als ein gigantisches Kollektiv dem Wahnsinn verfallen ist, ein Wahnsinn, in dem Lebenszeit entweder, was die Mehrheit dieser Tiere betrifft, als endlose Kette von Erniedrigungen und Anpassungsritualen verlebte wird, um an so etwas wie Konsumkraft zu gelangen, oder, was eine winzige Minderheit dieser Tiere betrifft, als eine – als viel zu kurz empfundene, Periode von Glück, Erfolg und möglichst auch Macht.

Diese winzige Minderheit könnte man sehr vereinfacht, als die Nutztierhalter bezeichnen, wobei – wo hier die Grenze zu ziehen ist – das bleibt wohl jedem selbst überlassen.

Das mitteleuropäische Durchschnittsvieh, ist wohl auch Nutzervieh, betrachtet man die armen Hühner in den Schwellen- und Entwicklungsländern die ihre Leben teils völlig ohne jede längerfristige Überlebenchancen aushauchen, damit die vorgenannten sich auch ein klein wenig überlegen fühlen können, somit ein akzeptables Legeverhalten vorweisen.

Ob man die Politokratenhühner noch als Nutzvieh oder schon reines Nutzervieh betrachtet – das hängt wohl von der Stellung in ihren Legebatterien ab.

Es dürfte auch auf das subjektive Empfinden ankommen, in diesen Teilen des Stalls wird jedenfalls ziemlich rüde miteinander umgegangen, vielleicht ein Grund dafür, dass die ganzen Hühnerpopulation letztlich als völlig zerrupfter Haufen über sich selbst herfällt, bis auch das letzte Huhn das letzte Ei gelegt hat.

Bleiben die Oligarchen oder Plutokraten, Magnaten oder wie immer man diese mit zig milliardenfacher Fresskraft ausgestatteten sonderbaren, abgeschotteten, von den anderen Hühnern mit teils ehrlicher Bewunderung, teils apathischer Gleichgültigkeit, teils verabscheuendem Widerwillen bedachten Monsterglucken, die zwar keine Eier legen, aber dafür mit ihrem Raffwahn die Lebenschancen von Milliarden Vögeln minimieren.

Vom Normalhuhn habe ich noch kaum getippt, warum auch, jeder weiß doch wie er tickt – wie er gackert, wie er flattert, ober er genügend Eier legt, ob er überhaupt Eier legt und was er so in seinem kleinen Hühnerkopf alles an Dingen überlegt – oder?

Nun, jedenfalls möchten bestimmte – wohl die Oligarchenglucken – am liebsten alles wissen, alles kontrollieren und wenn ihre Geduld am Ende ist, werden sie es nicht nur „heimlich“ tun, sie werden es auf jede mögliche Art und Weise tun.

In manchen Regionen der Welt – ist dies schon der Fall gewesen, in manchen ist es jetzt der Fall, in manchen läuft es mit roher Gewalt in anderen mit subtileren Mitteln.

Mitteln, die ein Normalhuhn immer wieder konsterniert vor der Farm stehen lassen und sich in ihr Gefieder picken lassen, damit es sich spürt, damit es sein Leben spürt, damit es weiß, ja, ich bin, nur warum?, warum bin ich? …. Ein Huhn?

 

 

Anmerkung: Wären wir keine Hühner sondern Menschen, vernunftbegabte Menschen, würden wir dann solche Regierungen wählen, würden wir Massenvernichtungswaffen vorhalten, würden wir uns gegenseitig ständig erschlagen, erstechen, erschießen, vergasen, vertreiben?

Bedeutet Vernunft nicht, den bestmöglichen Kompromiss zu finden? Jene Ideale und Moralvorstellungen zu leben, die wir in zigtausenden von Jahren niedergeschrieben haben, wohlformuliert, wohl reflektiert, mit milliardenfachem Kopfnicken als wünschenswert bedacht?

Warum also tun wir das exakte Gegenteil von dem, was wir als Richtig empfinden? Warum beherrschen Lügen, Betrügen, Gewalt und Verrat, Vernichtung und Verwüstung, Ignoranz und bodenlose, skrupellose Dummheit unsere Welt?

So grausam die Mechanismen der Natur auch sein mögen, sie sind in allen Belangen vernünftiger und nachvollziehbarer als jene Facetten, die der Mensch in sie mit eingebracht hat.

Der Mensch könnte die Grausamkeit der Natur durchbrechen, könnte das Fressen und Gefressen werden überwinden, doch stattdessen treibt er die Vernichtung auf die Spitze und all die Empathie, die Kultur, die Sanftmut mancher Artgenossen, erweist sich letztlich als sentimentaler Spuk, der wie ein buntes Ornament den Rahmen für ein Bild des Grauens bildet.

Wenn wir nicht aufhören Hühner zu sein, wird es bald nicht mehr die Möglichkeit geben, dass Menschen diese Erde beleben.

Wohin man auch blickt, die Dummheit und Gier überrollt die Vernunft, mit einer Vehemenz, die uns wohl bald auch hierzulande den Horror in die Augen treiben dürfte – wieder einmal!

Ja, es bedarf keiner Apologeten des Grauens, da die Realität für sich selbst spricht, dennoch tippe ich dies, einfach um es mir von der Seele zu heben, ich kann nur jedem empfehlen sich zu ändern, jedem empfehlen, zu überdenken, ob seine Kompromisse wirklich vernünftig sind – wir können die Welt für den Menschen nur bewahren, wenn wir uns ändern, jeder für sich, wir bedürfen keiner Glucken, da wir keine Küken sind – sondern Menschen, nur – Menschen sind wir ausschließlich dann, wenn wir anfangen die Dinge zu Ende zu denken und nicht bei der ersten „Belohnung“ das Denken einstellen!

 

Jeder hat die Wahl, entweder er empfindet Glück, indem er als soziales Wesen im Kontext mit der Natur und damit auch den Mitmenschen friedlich und harmonisch existiert, oder indem er versucht für sich selbst das maximal Mögliche an vermeintlichem Bedarf zu befriedigen.

Letzteres ist Mainstream, letzteres ist Wahnsinn, letzteres wird uns bald die schönste Phase unseres Seins verwehren, nämlich liebevolle, verantwortungsvolle und optimistische Eltern für unsere Kinder sein zu dürfen!

Doch schon heute sind ja für viele Menschen fahrbare Blechbüchsen wichtiger – als Kinder, Liebe und all die anderen Gefühle, die unser Leben für uns vorhält.

Gefühle, die manche ihr Leben lang nicht mehr entdecken werden, Gefühle, die aus uns erst Menschen machen!

Vielleicht ist es ja schon zu spät, doch trotzdem nur einmal dieser kleine Ansatz – stehst du heute im Beruf vor der Wahl – Schlechtes für die Rendite zu tun, oder Gutes für die Menschen, wo du überhaupt noch verstehst, was den Unterschied macht, entscheide dich für den Menschen und gegen die Rendite.

Wer jetzt glaubt, Rendite sei gleich wirtschaftliches Überleben, sei gleich sein Arbeitsplatz, der hat das Prinzip des Gewinnens und des Verlierens schon völlig verinnerlicht, dem empfehle ich, für einige Minuten an die Verlierer zu denken!

 

Doch vor allem, sollten wir nach vorne denken, wir sollten nicht verzweifeln, nicht die Hoffnung aufgeben, allerdings – solange Utopien nur als Ornament des Selbstbetrugs gelten, wir vom Pragmatismus sprechen und dabei an die täglichen, vermeintlichen Zwänge denken, solange, wird jeder von Euch, der so empfindet, weiter als Sargnagel und Totengräber der Zukunft wirken –

Ändert Euch – oder es wird sich nichts ändern!

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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6 Antworten zu Warum bin ich – ein Huhn?

  1. kahalla schreibt:

    Gut gekräht, oberhahn… und ich werde als Sargnagel der Mastfarmen und Folterkeller gerne wirken, zumindest versuche ich das… vielleicht bekommt man in dieser für den Käfig gezüchteten Menschheit das unterdrückte Freiheitsgen ja wieder aktiviert.

  2. oberham schreibt:

    …. 😉 – der Oberhahn ist aber jetzt nicht besonders putzig…. – vielleicht hab ich es hinter vor den Zaun geschafft – ohne zu verbruzzeln – ich hab mir jetzt eine Allegorie pro Monat vorgenommen.
    Die Tagesthemen öden mich an, es ist doch immer das gleiche irre Geschehen. Tausendfach beschrieben in jeder Sekunde………………….. – und nichts ändert sich!

    • powercaptor schreibt:

      schöner und zutreffender Text – da kann ich nur beipflichten, ganz besonders dem letzten Absatz, zeitraubend, nervtötend und ermüdend.
      liebe Grüße aus dem Odenwald
      powercaptor
      aka H-IV 54

      • schön Sie hier zu lesen – und – ich hoffe wir können uns irgendwie – nicht „nervtötend“ über die 89er Revolution austauschen – …. (ich bin aus Bayern, sprich ich habe da im Grunde nur völlig subjektive Gefühle – sowie Eindrücke aus den Kurzbesuchen in den 70ern – frühen 80ern als Schüler der zwei Berlinfahrten – und natürlich Tagensbesuche in Ostberlin – absolvierte)….

  3. oberham schreibt:

    89er -Revolution? – in Deutschland? ….
    Bezüglich des Sargnagels gestern in der NYT einen Bericht gelesen – 5 Jahre – ist eine Menge!
    http://www.nytimes.com/2013/07/09/world/asia/pollution-leads-to-drop-in-life-span-in-northern-china-study-finds.html?partner=rss&emc=rss&smid=tw-nytimes&_r=0

  4. DDR Bürger schreibt:

    glück auf
    1989 gab es weder eine revolution noch wurde irgendwas gewendet.
    tore wurden geöffnet
    dem glanz des goldnen kalbes folgend sind durchaus gebildtet massen, mit falschen versprechen, halb wahrheiten und schamlosen lügen, in die falsche richtung gedängt worden

    die angebliche demokratie wird
    wie diverse vorgänger von planten beseitigt werden , diesmal durch die revolution der naturgewalten .
    da könnt ihr sicher sein.
    mfg DDR Bürger

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