Noch ein Tröpfchen ins Gröpfchen

Wem würden Sie ein Glas Wasser reichen, dem Scheich der seit Wochen ein Fest in seinem Oasendomizil feiert, um die letzten Happen besser schlucken zu können, oder dem Kameltreiber, der gerade mit seiner Karavane auf seiner Wüstendurchquerung Station macht?

Eine dämliche Frage?

Nun, ich fürchte diese Frage drängt sich derzeit auf. Die Notenbanken überschwemmen die Investoren mit Liquidität, Investoren, die ohnehin in Liquidität schwimmen, seit Jahren schon, Investoren, die seit Jahren drastischer den je die Kosten für Arbeit und Produktion reduzieren, nicht etwa um den Effekt an die Menschen im Allgemeinen weiterzugeben, sondern einzig zu dem Zweck wenige Privatvermögen immer weiter ins Gigantische zu mehren.

Diese Investoren sind seit einigen Dekaden schon dabei, den Kapitalfeudalismus global zu installieren, sie haben längst etwa zwei Drittel der Wirtschaftsräume so aufbereitet.

Einst hing das Volk von der Klugheit des Königs und dem Mut seiner Berater ab, heute ist es nicht anders. Die Unterschiede liegen einzig darin, dass heute die globale Welt selbst den größten Grad an Dummheit in einer privilegierten Zone dieser Erde über einen gewissen Zeitraum toleriert und die dort lebenden Menschen selbst dann noch glauben, es ginge ihnen gut, wenn sie auf direktem Weg zum Schafott trotten.

Die Aktienbörsen weltweit steigen an, nur weil die Investoren nicht wissen, was sie mit Ihrem geschenktem Geld machen sollten – diese Investoren wissen – in die klassischen Geschäftsfelder zu investieren lohnt nicht, da für die Güter die man produziert keine ausreichende Nachfrage besteht – schon heute wird der Großteil des Konsums auf Kredit bezahlt, sind die nicht privilegierten Haushalte verschuldet, überschuldet.

Dies bezieht sich nur auf ein knappes Viertel der Menschen, der Rest lebt ohnehin längst als marginalisierte Masse von der Hand in den Mund – fast 20 % der Menschen leiden Hunger oder sie sind von den Verteilungskämpfen der oligarchischen Blöcke von Krieg und Vertreibung betroffen.

Nun, dieses Viertel hätte jedoch die Macht die bestehenden Strukturen noch umzukippen, hätte die Macht tatsächlich freiheitliche und demokratische Strukturen zu erzwingen – nur – diese Viertel träumt vom Reichtum, es blickt treudoof in die Villen der Ausbeuter und Menschenschinder, träumt sich an deren Stelle, träumt der Scheich in der Oase sein zu dürfen.

Diesem Scheich pumpen die Notenbanken das Geld in den Arsch, dieser Scheich ersäuft im Überfluss,  der Kameltreiber hingegen, der letztlich auch die Oase mit dem Nötigen versorgt, erhält immer weniger zu trinken.

Es wird wohl bald enden, dieses Spiel der Teilung – entweder durch die Vernunft die Einhalt gebietet, oder durch die Konsequenzen die dieses Tun immer deutlicher aus dem Schatten treten lässt.

Es genügte nicht, dem Kameltreiber das Wasser zu geben, er müsste es auch in Maßen trinken, so, dass er bald nicht mehr davon abhängt, ob ihm der Scheich einen Schluck überlässt, so, dass es bald keinen Scheich mehr gibt, so, dass die Oase ein Ort der Erholung und des Lebens und nicht eine Tankstation für den Treck des Wahnsinns ist.

Wir werden nur eine Chance auf Gerechtigkeit und Freiheit erhalten, so wir lernen einen neuen Lebenssinn zu definieren – bleiben wir beim Prinzip Wettbewerb und Gewinn, werden wenige in den Oasen ersaufen und die Mehrheit wird in den Wüsten verdursten.

Noch lautet die Devise – pumpt den Investoren das Geld in sämtliche Löcher hinein – doch dort in diesen fetten, dummen Zonen, pumpt es nur den scheinbaren Wert ihrer Konzerne auf – es bewirkt faktisch nichts, es stellt lediglich die Fiktion dar, man könnte die Menschen eines Tages doch mit noch mehr Kaufkraft zu noch mehr Konsum – in allen Regionen dieser Welt , noch schneller ihre Lebensräume vernichten lassen.

Der reale Effekt wird sein, die Blasen platzen, den Profiteuren gehen Buchgewinne verloren, was sie nicht anficht, doch der Masse der Menschen gehen die letzten Rücklagen, die kleinen Sicherheiten verloren, was bleibt ist noch mehr Ungleichheit, noch mehr Marginaliserte und eine kleine Gruppe noch reicherer Popatze.

 

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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10 Antworten zu Noch ein Tröpfchen ins Gröpfchen

  1. AlterKnacker schreibt:

    Denk bitte an den FIWUS … 😉

  2. kahalla schreibt:

    Wunderbar geschrieben und könnte so in die bittere Sammlung der „Märchen aus einer Welt“

  3. kahalla schreibt:

    Und so nebenbei bemerkt, am Samstag den 8. Juni eröffnet mein philosophischer Laden „Freunde von Sophia“ in Köln, Hansaring 21, ab 16:00. Wer von euch in der Nähe wohnt oder zufällig vor Ort ist, ist herzlich eingeladen.

    • oberham schreibt:

      Ich wünsche Dir ganz viele interessierte und liebenswerte, neugierige und kritische, aufgeschlossene und freiheitsliebende, mitfühlende und großzügige Besucher – Freunde.

      • kahalla schreibt:

        Danke, ich bin gespannt und werde dir berichten. wenn der laden halbwegs läuft werde ich mich über die Hotline machen. Du erinnerst dich vielleicht.

    • Stefan Notter schreibt:

      auch ich wünsche einen freudevollen start und sinnstiftende erträge für alle.
      sn

  4. Steve Geshwister schreibt:

    Der Vergleich von Wasser und Geld ist schlicht genial, aber uralt.
    Wer sich überzeugen möchte, lese die Genesis in der Bibel.
    Oder was glauben Sie, was mit der Sintflut gemeint ist?
    Richtig ist: Das Geld ist das Problem. Es verursacht alle in Ihrem Text beschriebenen Probleme.
    Man muss aber NOCH weiter denken, wenn man die Probleme lösen will. Bescheidenheit und Verzicht ist nicht die Lösung. Wer sich mit dem Geld umfassend beschäftigt, wird es erkennen.
    Neben Helmut Creutz kenn ich persönlich nur noch einen, der das Geld wirklich kennt:
    Stefan Wehmeier
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

    • oberham schreibt:

      Sorry – vielleicht landete er wegen der Links im Spam…..
      Ich „zensiere“ nur die Roboterkomments – und die lauten immer – wonderfull….. blablabla

      Wer selber tippt, der tippt hier nicht umsonst!

    • oberham schreibt:

      … und ja – meine Ideen sind nicht neu – ja – sie sind uralt – desto mehr man ließt, desto mehr erkennt man wie oft schon, der Wahnsinn entlarvt wurde, nur – letztlich scheint er immanent zu sein – und die Vernunft hat keine Chance.
      (das drücken auch die Kommentare von K. hier sehr oft aus…… – und der Bezug auf das alte Testament – auch das Neue – ist durchaus legitim – nur – die Geschichten sind ja noch viel älter….)
      (Allerdings gab es damals noch kein Zinsgeld – ….. sehr wohl aber Individualvermögen und Ungleichheit…. – und hier passt dann der Vergleich)

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