Überlegungen zum Begriff Gerechtigkeit

Alleine die Tatsache, dass ich hier, bequem im Bett liegend, die Beine hochgelagert, aus dem Kopfhörer die Musik die einst ein Herr Namens Bach komponierte hörend, über einen Begriff räsoniere, der auf unserer Ebene des Seins, wohl ausschließlich mit der Vorsilbe Un- halbwegs sinnhaft angewandt werden kann, ist nichts weiter als ein glückliches Privileg, gegenüber der Mehrheit der lebenden Menschen eine Ungerechtigkeit.

Man kann nun als Arbeitsloser mit Internetzugang und der nötigen Hardware einen der derzeit angesehensten Moralphilosophen via Bildschirm dabei zusehen und zuhören, wie er über Gerechtigkeit doziert.

Es ist eine Erfahrung, die ich jedem – so er seine Lebenszeit dafür erübrigen möchte – empfehle. Als gewöhnlicher Zeitgenosse trägt es zur Besinnung auf die eigene Existenz bei, man lässt sich nicht mehr von Hoffnungen täuschen, sondern realisiert, dass der Mensch niemals den Wunsch nach Gerechtigkeit verspürt, sobald er ein Privileg für sich gesichert hat.

So werden die Ärmsten nur aus ihrem Elend kommen, so ein privilegierter Artgenosse dies gönnerhaft befördert, sei es , dass ein besonderes Talent erkannt, sei es, dass man einem bramherzigem Menschen zufällig über den Weg gelaufen ist, der einen aus reinem Mitleid in eine andere Umgebung bringt.

Es gibt noch eine Dritte Möglichkeit, die des Nutzens, dort wo ein Privilegierter Nutzen aus dem kleinen Aufstieg der Ärmsten zieht, werden sie auch vom absolutem Elend befreit, doch hier ist der Preis die Rendite, die sie für ihren Wohltäter abzuwerfen haben. Sobald diese nicht mehr gegeben ist, werden sie wieder in ihre grauen Welten des Hungers gestoßen.

Micheal Sandel reflektiert darüber – Wie wir das Richtige tun. Seine Antworten sind so banal wie täuschend, seine Worte sind anmaßend und arrogant, seine Gedankengebäude widern mich an, sie sind so voller Lügen und kalkuliertem, menschenverachtendem Spiegelsinn, dass ich diesem Herrn so sehr wünschte, er möge eines Tages ohne all seine Privilegien aufwachen, an einem finsterem Ort, dort, wo jene vegetieren, die unter Menschen wie ihm so entsetzliche Leben zu fristen haben.

Wie kann sich ein Mensch anmaßen Gerechtigkeit zu interpretieren, wo es doch nirgends eine solche gibt. Alleine der Begriff ohne das UN- ist eine Schimäre! Gäbe es Gerechtigkeit , der Mensch hätte sich längst dafür entschieden – nur – es gibt sie nicht, vielleicht hat es sie nie gegeben, mag sein der Sinn unseres Daseins ist das exekutieren der Ungerechtigkeit, doch über diese Grenze hinaus, vermag doch niemand zu gehen – dort wo unsere Worte enden – endet auch unser Verstand, dort spätestens sollte jeder sein Nichtwissen akzeptieren.

Wir glauben zu wissen, nichts zu wissen, wissen wir doch nicht einmal dies. Wir sind nichts weiter als eine winzige Episode in einem unendlichen Kontinuum. Doch jeder von uns möchte lieber Glück als Leid empfinden!

Meine Überlegungen zum Begriff enden hier. Wozu über etwas nachdenken, was nicht existiert! Falls Gerechtigkeit doch existiert, bezeichnen wir damit wahrscheinlich den Moment, in dem ein jeder von uns wieder in den Zustand des elementaren zurückgeworfen wird, so wie ich die Physik begreife, sind Strings im winzigsten, so das winzigste Erscheinen überhaupt eine Dimension darstellt, egalitär, sie leben, da sie schwingen und dieses Schwingen ist vielleicht der schönste vorstellbare Zustand allen Seins.

Vielleicht ist daher die Musik der größte Trost den man dem Armen geben kann, daher empfehle ich lieber Bach zu hören, als Sandel.

Lieber Musik zu genießen, als sich das Leben mit Worten zu verdrießen, fürwahr – das Leben ist ungerecht, in einer Wolke von Musik jedoch ist die Wartezeit, eine angenehme.

So kommt am Ende alles auf die Wellenlänge an.

Stichwörter: Michael Sandel, Gerechtigkeit, Bach

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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4 Antworten zu Überlegungen zum Begriff Gerechtigkeit

  1. kahalla schreibt:

    Kleiner Lesetipp

    John Rawls: „Eine Theorie der Gerechtigkeit“, als Taschenbuch irgendwann in den 80ern erschienen bei Rohwolt wenn ich mich richtig erinnere.

    Rawls als amerikanischer Pragmatiker versucht sich dort experimentell der Gerechtigkeit zu nähern. Er hat zuerst eine Umfrage gemacht in der er Leute befragte, was sie als gerecht erachten, wie sie sich Gerechtigkeit vorstellen und so weiter.

    Die Ergebnisse dieser Umfrage hat er zusammengefasst und systematisiert um etwa 20 Leitsätze, die offensichtlich Teilaspekte von Gerechtigkeit beschreiben. Wenn ich mich richtig erinnere hat er nie gesagt, welche dieser Leitsätze notwendig zur Definition waren und welche eher obsolet.
    Jedenfalls hat er in einem Computer eine virtuelle Gemeinde erstellen lassen, die nach den aus der Umfrage erarbeiteten Leitsätzen Konflikte entschied.
    Unter den vielen Problemen die dabei zu tragen kamen waren solche wie der Streit zwischen Nachbarn um den zu lauten Rasenmäher, aber auch ernsthaftere Konflikte. Im Prinzip alles was einmal vor den Kadi kommt. Nun zum Ende des mehrere 100 Seiten starken Buches gab es keine finalen Konklusionen, keine endgültigen Ergebnisse und wahrscheinlich daddelt der x 86 er heute noch rum und schlichtet virtuelle Streitereien. Ob Rawls Ansatz ihn in der Sache weiter gebracht hat kann ich nicht sagen, aber alleine die Tatsache, dass er sich Gedanken um das Thema gemacht hat wird ihn bestimmt irgendwie weiter gebracht haben. Zumindest hatte er die zuvor geäußerte Ankündigung auf ähnliche Weise eine Theorie der Liebe und anderer Begriffe für menschliche Abgründe (die Logik und Analytik allenfalls zudecken, nie aber begreifen können) fallen gelassen. ich stelle mir vor dass eine beinahe rein geistiges Konstrukt wie die Gerechtigkeit noch etwas einfacher zu erfassen wäre als die symbolbeladene, gefühlsgeladene und völlig unlogische Liebe. Der Unterschied scheint aber ein rein theoretischer zu sein, weil beide Begriffe nicht in ein logisches Raster passen wollen. Und ob unsere Welt mit genauen Definitionen von geistigen Monaden, die jedes Individuum im eigenen Kosmos anders interpretiert besser funktionieren würde wage ich zu bezweifeln.
    Witzigerweise hat Wilhelm Reichs Orgasmustheorie, bzw. seine Orgonlehre dazu mehr zu sagen als dieses Experiment, obwohl er sich bestimmt nicht in diese Deutungsschiene gedrängelt hat.

    • kahalla schreibt:

      In sofern müsste ich diesen Lesetipp jetzt umleiten, aber reich zu lesen überlasse ich der eigenen Einschätzung der Kommentarleser, ist doch sein Werk durch Polarisierung so vorbelastet, das allein der Blick in eines seiner Bücher in ein Pro-Statement überinterpretiert wird. Ich frage mich nur wie die ganzen Reichgegner, die natürlich selbst dieses „Zeug“ nicht gelesen haben, gerechterweise gegen diesen Herrn sein können? Da es, wie weiter oben definiert wurde, Gerechtigkeit allenfalls als rätselhafte Blaupause für einen theoretischen Zustand gibt, muss man wohl davon ausgehen dass die Verurteilung zwar notwendigerweise ungerecht ist, aber dies vollends zu Recht.
      das wäre dann wohl eher eine Art „Gehrächdichhalt“…

      • oberham schreibt:

        Danke für die Hinweise.
        Sowol Rawls als auch Reich, habe ich noch nicht gelesen – ich werde gerne mal reinlesen – bei beiden!

        Es mag arrogant klingen, doch ich finde schon lang keine neuen Ansätze mehr.
        Mir kommte es ganz so vor, als wären wir immer noch auf dem Stand vor ca. 2500 Jahren – Nur – die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Frage nach der best möglichen aller menschlichen Sozietäten – sie ward gestellt vor langer Zeit – sie ward in mannigfaltiger Vielfalt probiert – doch diese Scheinbare Vielfalt offenbarte am Ende immer die gleiche Konsequenz.
        Der Mensch tendiert letztlich dazu ein simples Raubtier zu sein, ein Raubtier, dass sich aus der Symbiotik seines Lebensraum in dem Moment abtrennt, in dem es die Kraft es Feuers zum Schmelzen von Erzen nutzt – in just diesem Moment hat der Mensch es verpasst die soziale Entwicklung mit der technologischen zu koppeln.

        So werden wir wohl wie manch andere Arten vor uns, zum Opfer einer zu einseitig entwickelten speziellen Fähigkeit – letztlich ist unsger geniales Gehirn unser Untergang, da wir nur seinen Raubnutzen erkannten und nicht die unglaubliche Gabe, ednlich frei von Angst als Beute und frei von Angst als verhungerndes, da beuteloses Lebewesen, unsere Zeit in Harmonie und kluger Eintracht mit Natur und Artgenossen zu verbringen.

        Vor etwa 6000 Jahren ersann ein Ägypter die Sage von Osiris Ermordung – wahrscheinlich 1000 Jahre später ersann ein Bewohner der Ägäis den Mythos der Büchse der Pandora, andernort im Nahen Osten wurde Eva aus dem Paradies vertrieben.

        Sowohl bei Ägyptern, als auch in der griechischen Mythologie spielte das Feuer als Fanal, Erz eine entscheidende desaströse Rolle.

        Ich bin also ein völlig obsoleter Gedankenbrunnen.
        Nur – 6000 Jahre Philosophie (und die Mythologie der Sekten ist ein Teil davon – das Alte Testament, der Koran, die ganzen Glaubensmythen – sie sind nichts weiter als neu interpretierte Mythologie, die Götter abschafften, um Menschen an deren Stelle zu setzen – jedoch immer eine Überwesen im Petto haltend – auf den sich die irdischen Vertreter zu berufen vermochten – funktioniert bis heute – sogar in einer hochtechnisierten Kultur.

        Schon allein daran kann man erkennen, wie rudimentär wir noch in primitiven Denkmustern verhaftet sind.

        Die Naturwissenschaftler sind da viel weiter, nur deren Wissen wird von den primitven Artgenossen der Machtgewinnerfraktion aufs pervideste genutzt – insofern ist ein genialer Wissenschaftler das schlimmste was Natur und Mensch passieren kann – genial umgesetzt von Dürenmatt (die physiker) – aber auch von vielen anderen Autoren.

        Der Gerechtigkeitsbegriff ist in der Tat eine Schimäre, ein Begriff über den ebenso schon Jahrtausende räsoniert wird – ein Begriff der ein Ideal skizziert, dass eben nicht existiert.

        Hätten wir das Problem der Gerechtikeit gelöst, gäbe es also diesen Begriff in dem Sinne, das wir eine Entsprechung im realen Dasein dafür erkennen könnten – immanent in unserer sozialen Struktur, unserer Rolle als Lebewesen im Kontext zu unserer Umwelt – wir hätten eine simultane Entwicklung beschritten – Verhalten und Wissen wären Hand in Hand durch die Jahrtausende gegangen, wir würden jetzt wohl längst die Tage mit Meditation und tief empfundener Zufriedenheit verleben, wahrscheinlich längst durch Raum und Zeit reisen, längst frei von Herrschaft und Verbrechen leben.

        Ich fürchtge wir werden das nicht mehr schaffen – es sei den, die nächsten Kathastrophen lassen einige von uns übrig, die sich ihrer wunderbaren Möglichkeiten besinnen und die Büchse der Pandora schließen, Osiris aus dem Nil retten und einfach den Apfel von einem anderem Baum pflücken.

        Sie werden keine Mythen brauchen, da sie begreifen würden, was Gerechtigkeit bedeutet, wenn man sie nicht nur erdenkt, sondern lebt.

        Wer sagt er sei privilegiert (wie ich am Anfang des Textes) der hat schon verloren – da er den Klassenkampf dadurch etabliert. Klassen – Prvilegien – bedeuten immanente Ungerechtigkeit!

      • kahalla schreibt:

        Nicht so sehr aufgeben. immer wenn alles danach aussieht als ginge nichts mehr hat man garantiert etwas übersehen. Zum Beispiel habe ich vor kurzem in einem Nebensatz einer Fernsehdokumentation gehört, dass es ein Volk gibt, das in seiner Gesellschaft keinerlei Hierarchien aufbaut. In diesem Volk, das in einer sehr lebensfeindlichen Umgebung lebt ist es allgemeiner Usus, dass selbst kleine Kinder Entscheidungen frei und aufgrund ihres eigenen Erfahrungsschatzes auch lebensgefährliche Situationen für sich entscheiden. das Volk sind die im Norden Grönlands beheimateteten Polar Inuit. Ich verweise auch auf die Forschungsarbeiten eines Herrn Malinowski bei den sogenannten Trobriandern. Der Anthropologe bemerkte erstaunliche Unterschiede dieser Gesellschaft, die den Umstieg zum patriarchalen System nicht mit gemacht hatte. ich habe zum ersten Mal darüber bei einem Autoren namens Gregory Bateson gelesen Dieser, ein bester Freund von Margret Mead war ebenfalls Anthropologe mit der Konzentration auf die damals noch häufiger existierenden Naturgesellschaften, also Menschen wie gewachsen.mag die Menschheit sich auf einem 6000 Jahre währenden Irrweg befinden, sie ist so flexibel, dass sie auch umkehren kann. Allerdings sind unsere gesellschaften momentan so aufgebaut , dass die Führer ganz hinten auf einer Art Thronsessel sitzen, während der rest der gesellschaft vor ihnen weg geht, die Beamten die Arbeiter peitschend, die Bürger, die paar wenigen, die es noch gibt in einer Art Narrenfreiheit die Künste wie z.B. das Theater zu einer Art Affentheater umgestalten, ohne Aussage, dafür mit einer wunderbaren Möglichkeit Sinn und Tiefe in Plattheiten hinein zu geheimnissen. ganz vorne sind die Vorarbeiter , die Arbeiter selbst vor sich her treibend, und davor die Obdachlosen, Arbeitslosen Heimatlosen, wild flüchtend vor der wilden Jagd, die sich hochtrabend Zivilisation nennt. Ja, im Bild der wilden Jagd, das immer noch in mitteleuropäischen Sagen vorkommt, sehen wir das was wir nur noch zynisch unsere Zivilisation nennen, und zwar mit einem Blick von außen. das ist es, was Hoffnung gibt. Alleine die Niederlegung dieser Sichtweise in alten Geschichten belegt, dass auch Europäer und andere „Hochkulturen“ in der Lage sind, den Wahnsinn der in einer Gesellschaft herrscht, die einen Fortschritt definiert, den sogar der ADAC als ein „Mit Vollgas vor die Wand“ erkennen würde, ebenfalls zu erkennen und zu beschreiben. Batesons Buch, das ich meiner Leseliste anfügen will, nennt sich „Ökologie des Geistes“ und ist im gleichen Verlag erschienen wie Rawls Theorie der Gerechtigkeit. Dieses Buch war während meines Studiums ein wahrer Augenöffner für mich.

        Oh oberham, es gibt Hoffnung und es verbessert die Lage nicht, wenn man diese negiert, egal ob aus Unkenntnis oder aus Resignation. las dich inspirieren und gib deinem tiefen Schürfen nicht den Ruch von Schwerstarbeit, sondern das Flair von freier Suche nach Wahrheiten und finde die wenigen Goldkörnchen in den Massen von Trägermaterial. Weil wenn wir schon resignieren, was sollen dann die abertausende von Hungernden, Flüchtenden, denen gegenüber du dich mit deinem Sitzplatz in der Holzklasse so privilegiert fühlst, tun? Ein Massenselbstmord der Milliarde, die sowieso hungert? Vielleicht für unsere unterbelichteten Herrschenden eine praktische Lösung, für die Menschheit nicht. Schließlich würde sich der kreativste und stärkste teil der Menschheit zugunsten des dümmsten und faulsten von dieser Welt verabschieden. Dadurch wäre weder für die Menschheit, noch für den Rest dieser Welt etwas gewonnen. lieber werde ich die Hunderttausend Schmarotzer los, die die Peitschenschwinger mit Geraubtem bezahlen, als diejenigen die von alleine stehen bleiben würden, sobald die Peitsche aussetzt. Ja, es besteht Hoffnung eine unserer technischen Situation entsprechende naturkonforme Lebensweise zu finden, sobald wir alle einmal innehalten um herauszufinden was wir wirklich brauchen, ein Schritt, den du so viel ich weiß zumindest in Ansätzen schon gegangen bist. Selbst du, Hoffnungsloser bist, unter anderen Eigenschaften deiner Person, ein Zeichen der Hoffnung, zum Beispiel für mich..

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