Ist wirklich nur ein toter Mensch ein guter Mensch?

Am Samstag bei wundervollem Oktoberwetter passierte ich eine Unfallstelle, der Rettungshubschrauber stand mitten auf der Hauptstraße – der Verkehr wurde direkt daneben auf der ehemaligen BS vorbeigeleitet, ein Rettungswagen stand dort, Feuerwehr, Polizei, die Autoschlangen begegneten sich und krochen langsam aneinander vorbei.

Ich verkniff mir den genaueren Blick zur Seite – mein Beifahrer nicht – ein Helm, auf der Straße….

Sonntag Abend fuhr ich erneut diese Strecke, es ist der Weg von der Wohnung zur Arbeit – es waren noch Dinge zu erledigen, es brannte ein rotes Grablicht an der Unfallstelle – also tod ist er – oder sie!

In diesem Augenblickf, überkam mich ein flaues Gefühl, stellte ich mir vor, es stünde Meter für Meter ein rotes Grablicht am Straßenrand.

Wir könnten jeden Tag, jeden Meter neben unsere Straße ein solches Licht aufstellen, sofern unser Weg zur Arbeit nicht länger als 80 Kilometer ist – mir wurde flau im Magen – es überfiel mich eine tiefe Traurigkeit, ich habe wirklich keine Ahnung wer oder was ich bin!

Mag sein der ein oder andere klebt mir die Melancholie als Selbstmitleid ans Hirn, mag sein er hat damit genau den Punkt getroffen, mag aber auch sein, dass in jedem Hirn auf dieser Welt ein Kosmos an Gefühlen steckt, der sich keinem Normativ zu beugen hat, der für sich selbst existiert in der Abgeschiedenheit eines Schädels, unendlich weit wie die Spielwiese des Sternenstaubs, unendlich eng, wie das Zimmer eines Elektrons.

Vielleicht werden wir es irgendwann erfahren, in jedem Fall werden uns die Fragen niemals ausgehen!

Warum tolerieren wir in einer Demokratie immer noch, dass sich wenige hemmungslos bereichern und wir vom Hungertod der Massen profitierend, deren dreistes Treiben als Leistung respektieren?

Würden wir einen Fair-Trade Warenkorb benennen, könnte man ad hoc für seinen Euro nur noch etwas mehr als 60 % der Kaufkraft erreichen!

Aber wir profitieren, wir profitieren von der Ausblendung ökologischer Kosten, die wir künftige Generationen bezahlen lassen.

Wir profitieren von der Sklavenarbeit in den Elendszonen dieser Welt, da wir einerseits die Sklavenprodukte günstig erwerben, andererseits den Sklavenhaltern teure Exportgüter produzieren. (Von der dortigen Umweltignoranz – die deren Produkte ja auch noch billiger macht – eigentlich unbilliger – ganz zu schweigen!)

Wir profitieren von der Not der Anderen!

Wollen wir dies? Gestehen wir uns dies ein? Nein!

Wir wollen es nicht, wir gestehen es uns am Rande ein, wir vergessen es – im nächsten Augenblick!

Niemand kann sich damit entschuldigen, er unterliege einem permanentem propagandistischem Sperrfeuer, er kann sich vielleicht persönlich dahinter verstecken, ähnlich einem depressivem Säufer, der Weltschmerz hat uns gepackt, doch wir können ja nichts – aber auch gar nichts – daran ändern.

Das ist falsch!

Jeder könnte etwas ändern! Nur jene, die wie dieser junge Mensch am Straßenrand, aus unserer Mitte oder von den Rändern aus dem Leben gerissen wurden, die können nichts mehr ändern!

Erst mit dem Tod, verlieren wir unsere kollektive Schuld!

Doch leider ist unser Land, sind all die anderen Länder, von seelenlosen, willigen Wesen belebt, die immer und immer wieder den widerlichsten Kreaturen brav im Kielwasser der Gier und des hemmungslosen Egoismus folgen, dabei tappen sie von einer Katastrophe in die nächste, dabei maulen manche, dabei verbrennen sich manche, dabei erhängen sich manche, dabei morden und rauben manche ganz offen, ohne den Schein eines Rechts – die meisten jedoch dienen jenen, die im Schein des Rechts ihre Geschäfte betreiben, im Schatten jedoch ihre Seelen längst verloren haben.

Entweder der Mensch ist nicht mehr und nicht weniger als ein instinktgetriebenes Wesen, dann sind wir eben Familienmitglieder der Nasenaffen, oder aber, wir haben die Transzendenz nicht nur als Unterhaltungsprogramm erfunden, sondern wir sind in der Lage ein übergeordnetes ethisches Empfinden tatsächlich zu etablieren.

Ein Empfinden, das über den unmittelbaren Austausch mit der Umwelt hinausgeht und sich der Verantwortung Teil eines Ganzen zu sein bewusst wird.

Wie könnten wir in Deutschland hoffen, das Volk würde aufbegehren, wo doch mehr als die Hälfte der Menschen hochzufrieden durch die Zeit treibt?

Wer nach Griechenland sieht, wer dort beobachtet wie nun fast vier Jahre lang die Sozialsysteme geschliffen wurden, die breiten Schichten ins Elend getrieben, die Armen zu völlig Verarmten, die Ehrlichen zu den komplett Dummen, die Betrüger zu absoluten Ausbeutern und die Herrscher zu offenem, gelebtem Zynismus bereit wurden, der hat keinen Anlass zur Hoffnung mehr.

Der Blick nach Portugal, nach Irland, nach Spanien, nach Frankreich er zeigt uns, in anderen Phasen der Entwicklung zwar, das gleiche Bild.

Nirgends gibt es nur den Hauch einer Kraft, die die Spaltung der Menschen in immer mehr Arme und ganz wenige immer mehr Besitzende behinderte, sich ihr entgegen stemmte.

Die etablierten Intellektuellen formulieren eherne Ziele, sie thematisieren, sie veröffentlichen, sie warnen, sie mahnen, sie debattieren, doch sie wandeln eitel durch die pompösen Hallen im arroganten Glauben, den Massen bliebe ohnehin jede Einsicht verwehrt.

Es ekelt mich am meisten vor jenen, die ähnlich schreiben und argumentieren wie ich, sich jedoch genau von den Leuten bezahlen, hoch bezahlen lassen, die sie so affektiert kritisieren – für mich sind es die Hofnarren an des Kaisers Stuhlbein, sie kauern dort, fressen den Abfall seiner Tafel und schwingen eloquent den verbalen Bogen der bissigen Witzelei – dabei lacht der Kaiser aus vollem Magen, wie treffend, wie treffend er doch heute wieder ist – der liebe Narr – hier komm – ein Leckerli!

Diese klugen Frauen und Männer, sie lassen sich fast durchweg von ihrer Eitelkeit korrumpieren. (Mein Eremitendasein erlaubt mir nicht den unmittelbaren Kontakt, auf  e-mails reagieren sie nicht – nun – ein unbedeutender Spinner mehr im Milliardenheer der Menschen – Spam- delete…..)

Ich bin mir meiner Bedeutungslosigkeit sehr wohl bewusst, es hält mich allerdings nicht davon ab, zu tippen, zu tippen und wieder zu tippen .

Es gibt keinen Anspruch auf die Einzigartigkeit eines Gedankens – wohl kaum ein Gedanke, der nicht schon wenigstens tausendfach in anderen Axonen geleitet wurde,durch andere Synapsen diffundierte.

 

Die Arbeitslosen sind verzweifelt, die in Arbeit stehenden sind verängstigt, die Streikenden sind wütend, doch kaum ein Streikender wird seine Arbeit riskieren.

Nun, eben, auch kaum ein Intellektueller riskiert seinen Job.

Die Menschen in wichtigen Positionen sind absolut angepasst, sie sind die Bütten des Kapitals, der Plutokraten, sie betrachten das Spiel aus den Augen von dummen, espritlosen Fachidioten, oder mit dem Blick eines Zynikers und Misantrophen.

Das  Volk sieht den Wahnsinn, es versteht den Wahnsinn, aber es hat nicht die Kraft, sich aufzulehnen gegen den Wahnsinn, wie grauer Mehltau legt sich die Bequemlichkeit, der kleine Wohlstand, das bisschen Besitz, die erhoffte Altersversorgung, die kleinbürgerliche Freiheit, legen sich all die vermeintlichen Errungenschaften der Vergangenheit auf unser Gemüt, lähmen sie die Kraft, aufzustehen und sich unisono den wenigen Tausend – die mit jedem Tag reicher werden – noch ein Euro weniger Lohn bei 100.000 Angestellten pro Stunde – pro Tag noch mal mehr Gewinn, mehr Milliarden in der privaten Schatulle.

Überall schallt es von den Podien, von den Bühnen, laut und hörbar, doch ohne jeden Effekt – „DIE VERLUSTE WERDEN SOZIALISIERT, DIE GEWINNE PRIVATISIERT!“

Überall gilt dieses Prinzip – die Regierungen sind willige Dienstsklaven der obersten  O,1 % – doch die 99,9 % arbeiten für diese Lakaien, sie heben sie auf ein Schild, auf dass sie pro Forma, doch bitte ihre Interessen vertreten möchten – dabei erkennt jeder die Wahrheit – die verraten die Menschen an die wirklich Mächtigen.

Dabei ist die Ohnmacht der 99,9 % die Macht der 0,1%, dabei ist die Willenlosigkeit, diese scheinlebende längst tote Masse, das unheimlichste Übel dieser Welt – eine gigantische Herde, die sich von der Hoffnung auf Reichtum korrumpieren lässt, dabei alles vergisst, alles verdrängt und jeden Tag aufs Neue für die Horrorintendanten dieses elende Stück genannt „das menschliche Leben“ aufführt.

Was lästern wir über Merkels und Steinbrücks, was lästern wir über die Bilderberger, was beschweren wir uns über indische Milliardäre, russische Oligarchen, Despoten, Diktatoren, Massenmörder auf Präsidentensesseln, Kinderfresser die in Palästen ihre Orgien treiben?

Wir sind das Volk, schreien wir laut,

ja – wir sind das Volk, wir plärren auf Plätzen,

um am Montag brav auf dem Arbeitsplatz zu sitzen und für diese 0,1% stündlich deren Reichtum zu mehren –

am widerlichsten sind wir, die wir uns selbst gegen einen Judaspfennig verraten, uns und vor allem die Jugend, die nach uns in einem noch größerem Irrsinn Ihre Dienstbarkeit dem monströsem Spiel zu widmen haben wird.

Wir haben nur noch eine Chance, wir brauchen die globale Solidarität der Massen, den globalen Generalstreik aller, der Beamten, der Soldaten, der Arbeiter, der Intellektuellen – nur wenn sich der Müllmann mit dem Professor einig ist, der Kämmerer mit dem Gefreiten, der Oberstaatsanwalt mit dem Sachbearbeiter, die Kundenberaterin mit der Managerin, die Zahnärztin mit der Hilfspflegerin – erst wenn wir kapieren, dass uns der Wettbewerb jede Sekunde weiter auseinander treibt, dass es nur in einer grandiosen Katastrophe enden kann, die keinesfalls den heutigen bequemen Tag, den Luxus Urlaub am Traumstrand, die Yacht auf den Wellen, die sublime Unterhaltung am Abend in der Oper rechtfertigt, werden wir vielleicht durch das Tal der Bescheidenheit gehend, die Freude am Miteinander entdecken – den Milliardären bleibt dann die Wahl, sich anzuschließen, oder als Halbgötter im Olymp ihre Schätze leerzuleben.

Derzeit verrecken in etwa alle zwei Stunden soviele Menschen auf dieser Welt, an Hunger und Elend – wie es Superreiche gibt, die prinzipiell – von sich aus dieses Sterben beenden könnten – sie tun es nicht, sie hatten nun fast sieben Dekaden Zeit, die Dinge zum Besseren zu wenden – sie taten es nicht. (Natürlich hatten sie prinzipiell schon Jahrtausende Zeit…. – genau wie das Volk seit Jahrtausenden eine andere soziale Ordnung hätte etablieren können..)

Nein, im Gegenteil mit jedem Tag treiben sie uns näher an den Abgrund heran,

lassen wir es nicht mehr zu!

Lasst die Arbeit ruhen, pflegt zwar die Kranken, bestellt die Felder, löscht die Feuer, doch tut einen Teufel die Fabriken zu beleben, die Verwaltung zu bedienen – die Züge müssen stehen, die LKW´s parken, die Maschinen ruhen – es ist unsere einzige Chance!

Warum nur sind wir so willenlos, so schwach, so unglaublich leicht zu manipulieren?

Was steckt in uns, dass diese Chance praktisch unmöglich macht?

Es kann nicht unser Ego sein, da wir ja gegen unsere Interessen agieren!

Wer die Verhältnisse – die Stimmung – das Leben – in einer Milliardärsvilla einmal erlebt hat, der weiß – der Reichtum macht das Leben letztlich kein bisschen schöner.

Nach einigen Jahren ist auch der Privat-Jumbo-Jet Gewohnheitssache!

Ich behaupte ein glas klares Wasser bereitet einem kleinen Menschen in Darfur  mehr unmittelbare Freude, als das Luxusplanschen in einer goldenen Badewanne in 30000 Fuß Höhe es einem Feudalsack bereitete. (Ein Privileg, das sich auch der deutsche Normalmillionär nicht gewohnheitsmäßig leisten kann – von der schier bodenlosen Dummheit solcher Realitäten einmal völlig abgesehen.)

Man mag mich für verrückt halten – ich genieße den Reichtum Trinkwasser aus der Leitung zu erhalten täglich mit großer Freude und Demut – ich könnte den Hass der Elenden verstehen, vergifteten sie unsere Brunnen uns schauten sie uns dabei zu wie wir langsam unsere Leben aushauchen.

Doch in unserer Gesellschaft scheinen ganz andere Dinge von Belang – Dinge die sich mir nicht mehr erschließen – viele werden daher das hier Geschriebene als völlig lächerlich ansehen, sie reflektieren das Leben wohl schon in einer anderen psychologischen Dimension.

Gehässig würde ich sagen, sie sind perfekt konditionierte Konsumfauna!

Mich würden sie wohl als utopischen Naivling titulieren.

Die Freude am Leben kommt aus dem Herzen, würde ich nicht an dieser Kerze vorbeifahren müssen, würde ich nicht an die Millionen sinnlos brennender Kerzen denken müssen, würde ich nicht an den Wahnsinn des Krieges, den Wahnsinn der in baufälligen Fabriken verbrennenden Kinder, Frauen und Männer, den Wahnsinn der in dunklen Löchern erstickenden Bergarbeiter, den Wahnsinn vergifteter Dörfer und Städte, den Wahnsinn der uns in immer größerem Ausmaß aus der Zukunft entgegenlacht denken müssen, es stünde mir keine Traurigkeit im Sinn.

Stattdessen denke ich an das neue I-Phone X, die nächste Botox-Party, den erheiternden Kabarett Abend mit Georg Schramm, Max Uthoff, u.v.a. – lachend sitzen wir im Saal und funktionieren unsere Zukunft in die Tonne.

Doch genau dies wäre unsere Pflicht, nicht unseren kleinen Paradiesen zu frönen, unsere kleine Welt bis zum letzten Moment auskosten, das Prinzip Hoffnung nur darauf zu beschränken, es möge bitte bei mir alles gut und schön bleiben, sondern inne zu halten, Stop zu schreien und die Maschinerie anzuhalten.

Wir werden es in Masse nicht tun!

Ich danke all jenen, die es trotzdem versuchen!

Zuletzt nur eines – Gewalt,wird immer nur jenen dienen, die diese Maschinerie bewundern – durch Gewalt tauscht man lediglich die Spitzenbesatzung der Pyramiden aus!

Der Soldat, der gewaltbereite Revoluzzer ist die niedrigste Stufe menschlicher Existenz, er ist in dem Moment da er seine Hand gegen den Nächsten erhebt zurückgestiegen ins Reich der Affen – einzig aus dem Knüppel wurde eine Atombombe – dieser Schauder wird uns nie mehr verlassen.

Es sei den, das Wunder der solidarischen Passivität gegenüber dem Konsumirrsinn tritt ein und die solidarische, soziale,  friedliche, gemeinschaftliche,Wettbewerbs freie, jedoch Neugier getriebene, Sozietät der Milliarden spült die Horrorherrschaft von einigen Tausend hinweg.

Verweigert Euch dem Profit, dem Massenkonsum, bringt Euch mit Eurer ganzen Kraft im Streben nach einer egalitären, sozialen und anarchischen Gemeinschaft ein – sagt NEIN, wenn ihr NEIN denkt – noch agiert Ihr täglich dutzende male diese verfluchte angepasste JA – JA zum Wahnsinn, JA zum Massenelend, JA ich will auch reich sein.

Stellt Euch endlich die Frage: Was ist Reichtum, was ist Freiheit, was ist Friede!

Derzeit leben wir meist in Armut (auch der Zahnarzt mit Villa und Millionen!)

Derzeit leben wir meist in Unfreiheit (wer kann in seinem Beruf sinnvoll und selbstbestimmt agieren?)

Derzeit leben wir fast alle im Krieg (oder ist es etwa Frieden, wenn ich täglich die Botschaft erhalte – „friss oder stirb“)

Ich fürchte, der gruselige Spruch, den der weiße Mann in Amerika gegenüber einem Indianer       so verächtlich prägte, der liegt manchem Plutokraten schon als geflügeltes Wort auf den Lippen, statt Indianer, setzt er einfach Mensch.

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