Barcamp Beitrag von ganz Unten

Parlamentarische Arbeit könnte durchaus anders gestaltet werden – leider fehlt auch bei den Piraten der unbedingte Wille dazu. Stattdessen verliert man sich in konventionellen Mustern!

Der Anspruch die parlamentarische Arbeit verändern zu wollen, schein im Augenblick des Mandatsgewinns bei den piratigen Abgeordneten in Lichtgeschwindigkeit in die Weiten des Alls zu entschwinden.

Man möchte doch lieber von den Etablierten lernen wie es funktioniert, bewundert rasch die Profis – kurz – es geht zu wie in jedem Club, die Neuankömmlinge versuchen sich schnellstmöglich einzugliedern – es lebt sich viel angenehmer mit dem Strom, als dagegen zu schwimmen.

Dabei kann man, solange man machtlos ist, durchaus einige kontroverse Statments kundtun, die Ideen kommen meist aus den Tiefen der Basis, schön – nur wie lange werden die Idealisten ihre Zeit verbraten, um den wichtigen Sitzplatzinhabern Futter für Ihr Mundwerk zu liefern?

Geschenkt, der Ideenfundus ist unermesslich, man braucht dazu tatsächlich niemanden mehr – das Netz und etwas persönliche Phantasie genügen wohl locker, um täglich eine neue Welt zu erschaffen.

Sicher möchte man Fraktion und Basis miteinander verschränken – wie Herr Paul (NRW) formuliert – was wäre auch eine Fraktion ohne Basis ?

Oder beseht gar die Möglichkeit, das man als Fraktion einfach abhebt in die höheren Sphären eines luxuriösen Marionettenstadls, dessen Puppen eifrigst daran arbeiten, mit immer mehr Fäden an die Stippenzieher gebunden zu werden – somit das wichtige Netzwerk vor allem nach Oben nachhaltig gewoben, man ein fester Bestandteil des Ensembles wird?

Beispiel das Treffen in Essen – wo man über das theoretisch mögliche Abgeordnetendasein im BT räsoniert.

Herr Hilberer beklagt die Fülle der Arbeit, erklärt gar, ein Abgeordneter könne sich unmöglich fachlich tiefer in Themenbereiche einarbeiten..

Nur mit einem persönlichen Referenten, der die Dinge aufschlüsselt und mundgerecht präsentiert, sei gute parlamentarische Arbeit möglich.

Schon das kleine Saarland ist einfach viel zu komplex – mein kommender Vorschlag könnte doch auch hier greifen – der Referent wird wohl vom Landeshaushalt bezahlt.

Man träumt von wissenschaftlichen Mitarbeitern, die Akkademisierung des Brainstormings – als höchste Stufe des politischen Denkens – ist die Basis einfach doch zu dämlich?

Bitte – was ist das Wesentliche?

Auch im Saarland dürften den Abgeordneten vielfältige Informationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wer zu dumm ist Informationen zu filtern, der sollte sich nicht um ein Mandat bemühen!

Im Bundestag stehen jedem Abgeordneten über 16.000,– Euro zur Verfügung, die er als Bruttogehalt verteilen kann!

Ein Abgeordneter kann sich also entweder einen Spitzenverdiener halten – oder er beschäftigt 32 Praktikanten auf 400 Euro Basis – zusätzlich erhält er seine Unkostenpauschale, ein perfekt eingerichtetes Büro (das gratis zur Verfügung steht – jährlicher Aufwand für den Steuerzahler etwa 20.000 Euro – Technik auf dem neuesten Stand – gewartet – und upgedatet auf Staatskosten….)

Die meisten Abgeordneten unterhalten noch in ihren Wahlkreisen Büros – die meist die Parteien finanzieren – die UK schieben sie vor – wegen der nötigen Mitarbeiter – die Bruttolohnsumme von 16.000 Euro verschweigen alle geflissentlich.

In Summe erhält ein Abgeordneter in etwa 30.000 Euro an Geldleistungen, Bruttolohnsumme die er auf angemeldete Beschäftigte verteilen muss (das darf auch nicht die Ehefrau sein….) und Sachleistungen.

Vorschlag an die Piraten – auf jedes gewonnene Mandat bildet ihre ein 10 Personenteam – das sollte doch dann in der Lage sein perfekt informiert zu sein, die Themen gemeinsam sauber aufzuarbeiten und vielleicht auch gengenüber den Lobbiisten neutral zu werden (man müsste ja 10 Leute zahlen – ob das dann klappt? – die 10 überwachen sich ja in Bezug auf Korruption gegenseitig)

Dann macht auch Lobbyarbeit Sinn, da nicht die zahlungskräftigste Einfluss ausübt, sondern die mit den besten Sachargumenten.

Im Übrigen würden so aus 30 Mandaten – 300 Interessenvertreter für die Ideen der Parteien – und vor allem auch für die Vielschichtigkeit der Priaten (so sie dies weiter pflegen möchten….).

Wahlrechtlich wäre dies kein Problem – der Wähler wüsste, der Name auf der Liste steht für 10 gleichberechtigte Mandatsvertreter.

Nebenjobs sind ja nicht verboten – die Mandatsträger der etablierten Parteien haben zwar tatsächlich oft keine Ahnung von den Themen die zur Abstimmung stehen – für etliche andere bezahlte Tätigkeiten reicht die Human-Power aber durchaus.

Sollten in diesen 10 Personen Teams ca. 2500 Euro Monatsgage nicht ausreichen – dürften durchaus Zeitkontingente für andere bezahlte Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Das Mandat selbst kann man durchrotieren – oder auch nicht – Abstimmungsvarianten wären wohl mannigfaltig vorhanden.

Politik sollte eben nicht immer berechenbar sein!

Das Prinzip aber lautet, ein Mandat ist keine feudaler Fahrstuhl ins oben beschriebene Theater, sondern die Verpflichtung für das Volk politisch engagiert zu arbeiten und bestmögliche Lösungen für die breite Bevölkerung zu erarbeiten!

Wer die Arbeit in den AG´s verfolgt, der kann dort wirklich sehr viele gute Ideen finden – dabei sind die Netzwerke noch lose – doch sie sind eher nach Unten den nach Oben geküpft – es liegt an den Piraten, ob sie dieses Prinzip beibehalten wollen – oder ob sie abheben möchten.

Die Presse, der politische Mainstream wäre sicher froh, würden die Piraten abheben – dann gönnt man ihnen gerne auch die 5+X Prozent – nur – bitte – zerstört nicht unsere ach so gut austarierte politische Kultur.

Das konferieren und reisen, das sich abgrenzen durch Mobilität und das Clustern ist trotz Piraten-Pad und Liquid Democraci in vollem Gange – in den Chats wird zwar gestritten, nur die etablierten können das locker durchwinken – Argumente sind da gar nicht mehr nötig.

Veränderung sieht anders aus – nur – wollen wir überhaupt Veränderung?

Haben wir Angst, es würde noch übler?

Die Realität ist tatsächlich vom Oben geschaffen, eine wahrhaftig kluge und ausgewogene, nachhaltige Welt, die da erdacht und regiert wird – finden wir – oder?

Im Unten kursieren seit jeher andere Gedanken, andere Visionen. Es gäbe in der Tat die Möglichkeit dort zu fischen, den machtlosen endlich eine Stimme zu geben, indem man sich selbst nicht von ihnen entfernt.

Die Arroganz des Oben, die Arroganz jedweder sozialer Hierachie, sie ist nicht einfach zu überwinden – habt ihr den Versuch schon aufgegeben?

Ja, plötzlich würde vielleicht die Macht nach Unten dringen!

Einzig es gäbe nicht den feudalversorgten Mandatsgewinner – und – so leid es mir tut – letztlich geht es doch nur darum.

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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7 Antworten zu Barcamp Beitrag von ganz Unten

  1. Karsvo schreibt:

    URSACHE UND WIRKUNG

    Ich begrüße diesen Beitrag. Er zeigt Probleme auf und bietet Lösungsvorschläge. Ich bin allerdings der Meinung, daß man bei der Analyse den Ursachen tiefer auf den Grund gehen sollte. Warum ist es überhaupt möglich, daß sich im Laufe der Zeit ein Küngel bildet, der dazu führt, daß Entscheidungen von oben nach unten getroffen werden und die Basis nur noch passiv abnickt, sodaß ein Einfallstor für Lobbyisten entsteht? Dazu ist z.B. die Lektüre „Psychologie der Massen“ von Le Bon hilfreich. Das Buch beschreibt die Manipulierbarkeit großer Gruppen. Die dort beschriebenen Phänomene erklären sich damit, daß praktisch alle Menschen in innerer Trennung von Wunsch und Wahrheit leben. Das bedeutet: Sie vertrauen anderen mehr als ihrem eigenen Verstand (wahrheitssuchend). Das hat z.B. folgende Auswirkungen:

    – Orientierung an Idolen (Michael Schumacher macht Werbung für …)
    – Man vertraut „Experten“ mehr als sich selbst. Wer bezahlt die „Experten“. Wessen Lied singen die? Warum ist die Quelle („renomiert“) wichtiger wie der Inhalt der Nachricht („Eigenes Nachvollziehen der Experten-Meinung“)?
    – Die Lautstärke und Wiederholung einer Nachricht wird wichtiger als ihr Inhalt. Etwas lautes, was „alle“ sagen, wirkt also vertrauenserweckend. Wenn Inhalte unwichtiger werden als Lautstärke, dann setzen sich diejenigen durch, die am Lautstärkeregler sitzen. Und das kostet (Werbung, Propaganda, Massenmedien, …). Wieder ein Einfallstor für Lobbyisten.
    – Man wird empfänglich für Schmeichelein (Leuten das erzählen, was sie hören wollen) und Heuchelei („gutes reden aber das Gegenteil tun“) und falsche Versprechen.

    Auf solchen beispielhaft aufgezählten Kriterien beruhen Propaganda, Werbung und Manipulation. Ein Politiker, der erfolgreich sein will, muß da mitspielen. Wie kann man das ändern? Indem man erkennt, daß alles zwei Seiten hat. Diejenigen, die Macht durch Manipulation ausüben und diejenigen, die sich manipulieren lassen und daher: indem man sich selbst ändert. Wenn Menschen lernen, sich selbst zu vertrauen und im Inneren bei unangenehmen Wahrheiten nicht länger wegschauen, dann wird diese Form der Manipulation nicht länger funktionieren. Und dann aber erst dann wird das Prinzip der Volkssouveränität Realität sein: Politiker, die dienen statt sich selbst zum Herren zu machen …

  2. icke schreibt:

    Die Idee als Schnellschuss an sich ist nicht schlecht. Definitiv interessant. Zwar stimmen die Zahlen nicht, aber der Ansatz hat was.

    Nur kurz zu den Zahlen: Der Unterschied zwischen brutto und netto müsste bekannt sein. Hier trennt sich die Hälfte. Darüber hinaus steigt mit erhöhter Anzahl von Mitarbeitern auch der Organisationsaufwand, d.h. aus den thematischen Stellen werden auch schnell 1-2 organisatorische (also Büroleiter*in und Sekretär*in).

    Ich habe nur ein ernsthaftes Problem bei dem Vorschlag: Praktikanten(!) auf 400,- bzw. 450,- Euro-Basis(!)? Das soll das neue soziale Bild sein, dass dort vermittelt wird? Und die Partei hat ja schon genau eine(1) 400,- Euro-Stelle mit einer bestimmten Anzahl an Stunden. Am Ende bekommt man immer das, was man bezahlt… Als Vorreiter für Lohndumping, unbezahlte Überstunden und Ausbeutung von Mitarbeitern will ich diese Partei aber nie sehen. Insbesondere nicht die Mitarbeiter im Bundestag dann. Da ist es schon zuviel, dass das Sicherheitspersonal über Zeitarbeitsfirmen unterhalb des Branchenlohns arbeitet. *würg*

    Und was du leider vergessen hast: Ein ordentlicher Teil der Gelder, die ein Abgeordneter bekommt, gehen auch an die Partei als Spende. In der Regel sind sie damit über den 1%, die in der Satzung stehen und die fast niemand zahlt… Wenn also demnächst mal die Arbeitsmedien Wiki, Pad, Mailingliste oder das Abstimmungstool oder oder oder nicht läuft, einfach mal über diese Aspekte nachdenken.

    Die Einbindung bei anderen Parteien erfolgt im Übrigen auch größtenteils ehrenamtlich. Gut, die SPD hat eine ganze Menge Medienunternehmen an der Hand und andere bekommen ordentlich „Spenden“ von Unternehmen oder machen im Umfeld ihrer Parteitage „Messen“. Hier machen die Piraten immerhin 1 Schritt. Wie der andere erfolgt, werden wir sehen.

    • oberham schreibt:

      Stichwort Praktikanten – das sollte nicht die Lösung sein, sondern zeigen wielviele Personen maximal (nach durchaus gängigen Ausbeutungsmustern) mit diesem Budget beschäftigt werden könnten.

      Mein Ansatz ist das 10er Team – bzw. 5er Team – so man Nebenbeschäftigungen ausschließt – dabei – bin ich persönlich sehr für Teilzeitarbeit und Mitglidschaft im 10er Team.

      Natürlich ist das Ehrenamt immer noch die Basis einer Partei, nur – es geht darum:

      Möchte ich Politokraten die mich vertreten, oder lieber engagierte Mitbürger, welche einen Beruf ausüben und gleichzeitig in einem Mandatsteam konkrete parlamentarische Arbeit leisten.

      Mir ist definitiv die zweite Möglichkeit lieber.

      Danke für Ihren Beitrag

      (Soweit mir bekannt stimmen die Zahlen…)

      • icke schreibt:

        Die Daten stimmen dann, wenn brutto und netto gleich gesetzt werden und nichts zu versteuern ist. Eben das ist aber falsch! Und durch die Pauschalen fliegen alle Möglichkeiten raus, das Einkommen „runterzurechnen“ wie es ein normaler Arbeitnehmer kann. Die Summen der Diäte+Pauschalen+X reduzieren sich halt extrem schnell und weiterhin ist die Thematik dauerhafte Beschäftigung problematisch. Nimmst den (per Vorurteil) Standardberuf ITler, dann heißt das aber auch: 4 Jahre raus aus dem Geschäft. Jetzt denk mal 4 Jahre zurück und ob da ein Soforteinstieg überhaupt möglich gewesen wäre… Und es trifft auch viele andere Berufe, die sich weiterentwickeln bzw. halt nicht eben einfach zu erlernen sind. D.h. am Ende das Einkommen muss auch noch eine Weile danach reichen oder alternativ bleiben die Abgeordneten in ihrem Beruf weiter aktiv. Es ist im Übrigen nicht nur die IT, sondern alle anderen Jobs auch. Variante 1 spricht gegen deine Zahlen, Variante 2 ist ja grad gesellschaftliche Diskussion und lässt die Frage offen, ob Zeit durch andere Tätigkeiten draufgehen soll…

        Mir ist an der Stelle jemand lieber, der seine volle Zeit und seine gesamte Energie da rein steckt und es halt nicht „nur so nebenbei“ macht. Gerade was die Zusammenhänge angeht, was das angeht, was das Durchlesen der Anträge, Gesetzesvorlagen und Haushaltszahlen angeht. Ich will lieber Menschen dort sitzen haben, die einzelne Haushaltsposten (jedes Ressort!) kennen und ggf. anzweifeln können, als das was man aus Interviews nach(!) der Abstimmung des ESM im TV gesehen hat… „Ähhh“ „Weiß ich nicht“ „Ich glaube“ „Ich schätz mal“ usw. Grusel

        Und um da bestimmte Dinge mal mit Zahlen zu hinterlegen: Der Haushalt vom Land Berlin umfasst etwa 3500 Seiten (in 11 Bänden). Dazu kommen 12 Bezirke mit jeweils etwa 500 Seiten. Und dann kommt ein Nachtragshaushalt hinterher, der die bisherigen Zahlen in Relation setzt und kreuz&quer Dinge ändert. Selbstverständlich alles im „Fachchinesisch“, denn wer kann schon aus der Hüfte sagen, was „globale Minderausgaben“ sind. Neine, jetzt googeln zählt nicht. Und das ist noch etwas total simples in allen Fachgebieten. Oder was einfaches thematischer: Daneben müssen die Menschen auch wissen, wie hoch z.B. der Anteil am Budget sein muss, um die Vorgahen des KJHG (Kinderjugendhilfegesetz) einzuhalten. Na? Aus der Hüfte bekannt? 😉 An dieser Stelle kann man weitermachen, aber ich denke es wird klar, dass eine bestimmte Fachkompetenz eben nicht fehlen sollte und „jede*r“ das mal so eben machen kann. So, und jetzt übertrgen wir das klitzekleine mal von der kleinen Stadt Berlin auf 15 andere Bundesländer und den Bund, inkl. Verpflichtungen in Europa… Und das mit Ehrenamtlichen „nebenbei“?

        Bestimmte Daten sortieren, visualisieren, etc. kann über „die Masse“ gemacht werden. Aber der Einstieg tief hinein? Und dabei sind die Haushaltsbertungen nur so ein 1/4 Jahr-Ding. Nebenbei und den Großteil der Zeit beschäftigen sich die Abgeordneten mit anderen Dingen… Die Ansätze in den AGs/AKs sind hilfreich. Aber was macht man daraus? Für die parlamentarische Arbeit sind sie a) viel zu wenig und b) nicht geeignet. Nimm einen x-beliebigen Antrag/Ansatz und übersetz den ins „parlamentarische“. Entweder du hast ne Mehrheit (eher nicht z.Z. 😉 ) oder du musst versuchen mit Anfragen erst die Situation herauszufinden (DU sitz eben nicht im Amt und Zugriff auf die Daten, sondern kannst es nur erfragen und bekommst Antwort nach 3 Monaten) und dann mit weiteren Anfragen die Regierung „vor dir her treiben“, möglichst in deine Richtung. Oder anders: Nagel einen Pudding an die Wand. 😉

      • icke schreibt:

        Ich will nicht sagen das die Basis zu dämlich ist, aber es macht denn doch einen Unterschied ob du dich ausführlich mit Dingen beschäftigst oder das Abends 30 min nach der Arbeit vorm Essen nebenbei im Mumble bequatscht. Völlig unerheblich ob Akademiker oder nicht!

        Und der nächste Punkt wären dann die Wahlkreisbüros. Diesind ja nicht Selbstbeschäftigung. Die sind für „das Volk“, dass sie letztendlich bezahlt. Oder möchtest du Oma und Opa irgendwo aus der „Bergischen Land“ oder vom „Bodensee“ erst eine Fahrt nach Berlin aufzwingen? Die Dinger sind Teil des Parlaments und der Abgeordnete hat da gefälligst auch Zeit zu verbringen und mit Menschen zu reden. Aber soll das Büro 45 Wochen im Jahr unbenutzt rumstehen und nur ein paar Tage im Jahr offen sein? Nein? Ok, wer betriebt es denn in der Zeit? und betreiben heißt nicht rumsitzen und Bleibstifte anspitzen, sondern eben genau politisch arbeiten.

        Der durchschnittliche Abgeordnete hat im Übrigen 10 Angestellt, allerdings geht das nur mit einer gewissen Anzahl „studentischer Mitarbeiter“ o.ä. Das ist für diese natürlich positiv, andererseits siehe oben auch ein Problem…

        Wie gesagt, klingt die Idee erst mal gut, aber die Problematik ist eben nicht ganz so einfach. Genau wie „Pauschalsteuer für alle“ ein Problem darstellt (Familien, Konsum,…) aber leicht gesagt ist, ist die Idee nur ein erster Vorschlag. Quasi der abgeschlagene Baum, aus dem mal irgendwann eine funktionierende filligrane Weihnachtspyramide wird. 😉

  3. oberham schreibt:

    ups… das war jetzt ne ganze Menge. Klingt fast so als hätte sich ein MD irgend eines Parlaments gerechtfertigt.
    Niemand behauptet die Problematik sei einfach. Niemand behauptet, Volksvertreter sollten die gesamten Haushalte von Seite 1 bis Seite xtausend jährlich lesen – ich behaupte – das tut wohl kaum einer!
    Würde parlamentarische Arbeit als anspruchsvolle, sachorientierte Entscheidungsfindung betrachtet, die das bestmögiche Ziel für alle Menschen und die Zukunftsfähigkeit derselben, verfolgt, wäre in der Tat eine Menge Zeit und Mühe für Wichtiges eingesetzt.
    Leider ist sie das nicht!
    Leider sind die Abgeordneten nicht die bürgernahen, zwischen Wahlkreisbüro und Parlament pendelnden, gut informierten und interessierten Vertreter der Wählerinteressen.
    Sie sind überwiegend Netzwerker, die vor allem Ihre ureigenen Interessen in Sachen Mandatssicherung verfolgen!
    Solange ein Mandat einem kleinen Wohlstandsbassin ähnelt, solange man die Würde und den sozialen Status eines Politikers genauso über das Materielle definiert wie in der dem Verteilungskampf fröhnenden Gesellschaft, wird von dieser Seite niemals Veränderung zu erwarten sein, da dort nichts weiter als das personifizierte Wettbewerbsmodell anzutreffen ist.
    Effizient im Erreichen persönlicher Ziele, gewissenlos in der Durchsetzung, perspektivlos in sämtlichen nicht materiellen Spähren.

    Sie haben oben gut geschildert wie parlamentarische Arbeit aussehen sollte – nur – warum bitte sollen studentische Hilfskräfte die Meomranden verfassen und jener der sie – ohne selber richtig zu reflektieren was da eigentlich verfasst wurde – am Ende vorliest dafür fürstlich belohnt werden?

    Der Lohn ist das Amt, nicht die Diät!

    Politik muss im Grunde die Basis gestalten, die Vertreter in den Parlamenten sind doch nur die Sprachrohre – kein einzelner kann die Gedanken von tausenden generieren, die Ideen und das Brainstorming – hier hätten die Piraten einen guten Ansatz gehabt – leider jedoch ist am Ende doch wieder die Arroganz des Individuums als Sieger aus diesem Versuch hervorgegangen.

    Es ist einfach nur anmaßend sich einbilden zu können, man würde ein Land regieren.

    Entweder man macht sich zum Bütten der bestbezahlenden Interessen, oder man schafft gemeinsam mit den Menschen Gegenwart und Zukunft – und als Sprecher, ist man ein Teil des Teams, nicht mehr und nicht weniger – insofern – falls Politik etwas kostet, dann darf sie nicht am Vergütungssystem eines Strukturvertriebs ihre ethische Verteilungssystematik ausrichgten.

    Wer dort etwas leistet, der bekommt die gleiche Erstattung in Dingen oder in Geld.

    Ein Mandat wird sicher auch heute zehn oder mehr Handelnde generieren – nur – davon bekommt der Mandatsbesitzer in allen Belangen zu viel, hingegen leistet er wohl eher weniger den mehr als der Durchschnitt dieses Teams.

    Bezüglich der Zahlen – natürlich gehe ich von Bruttobeträgen aus, wie sie selber schreiben, man kann unmöglich konkret das jeweilige Netto darstellen.

    …. und ich möchte nicht wissen, wieviele Piraten oder auch andere nichtorganisierte, politisch interessierte Menschen im Land zig Stunden in der Woche für Informationsbeschaffung und Analyse aufbringen, eigene Ideen entwickeln und – oft sicher sehr gute – sicher auch tausendfach parallel erdacht und – trotzdem nicht minder wertvoll – ohne auch nur einen Cent von irgend jemandem dafür erhalten zu haben – ja – die meisten wenden auch ihre Spargroschen dafür auf.
    Nur – gerade jene die das materielle im Focus haben, die klettern in der Regel die Leiter der Parteihierarchie hinauf – es sind die falschen!
    Kappt man die Anrzeize , bzw. verändert man diese – kämen die, die nicht sich, sondern die Sache an sich verfolgen.

    Dann kann man nur hoffen, dass es eine Sache ist, die die Menschen in eine lebenswerte Zukunft für alle und nicht nur für Gewinner führt und dabei die Lebesgrundlagen achtet.

    So wie ich die Politiker in den Medien wahrnehme, sind sie erschreckend schlecht informiert und unglaublich uniform – arme Piraten, die ihr glaubt das Rhetorik-Seminar sei das wichtigste Instrument, sobald man sich ins Parlament vorgekämpft hat.

    Die wahren Piraten, werden doch längst in ihren eigenen Reihen als Spinner und realitätsferne Utopisten ins Abseits gedrängt (und damit beziehe ich mich nicht auf Zeitreisen ;-)….)

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