Im September kommen endlich die Bagger!

Mobilitätsidioten        Fast 40 Jahre lang musste sich der Bayerische Staat quälen, bis er endlich die letzten Hürden genommen und ein völlig debiles Projekt in die Tat umsetzen durfte.

Längst sind die letzten Klänge der Musikanten im endlosen Grundschall aufgegangen, haben auch die beharrlichsten Naturromantiker resigniert ihr Tagwerk – nicht selten auch im Dienst des Wahnsinns – wieder aufgenommen und ist der letzte Hoffnungsfunke verglimmt.

Eine kurze Zeit des Atemholens folgte – jetzt im September endlich – beginnt man in der Mitte eine Brücke zu bauen – über drei Jahre wird es dauern – dann steht zumindest dieses imposante Bauwerk – die letzte Möglichkeit wäre eine Totalpleite der öffentlichen Hände – ein materielles Armageddon – nur leider wird das nicht eintreten.

Wer erinnert sich noch an den glorreichen Bau des Rhein-Main-Donau Kanals?

Jenen wunderbaren Durchstich, jene phantastische Umgestaltung eines ach so kleinnodigen Altmühltals – längst haben sich die Bewohner daran gewöhnt – auch an die Überbauung des Isentals werden sie sich gewöhnen.

Der Mensch ist ein phantastisches Wesen, er macht letztlich alles mit – da sind solche Kleinigkeiten wie umfassende Landschaftszerstörung und langfristige Verschmutzung mit noch mehr Lärm und Abgasen nur ein winziges Episödchen.

Nun – wer kennt in Berlin oder Hamburg, Rostock oder Köln schon das Isental?

Wer kennt noch die alternative Liste der 80er Jahre?

Nur Landschaftszerstörung ist so immanent wie die Dummheit der Herrschenden – jeden Tag eine weitere Episode, immer weiter – nur zu – mir ist es egal ob meine Heimat durch die Gier, die Eitelkeit, den Größenwahn oder einfach die schiere Blödheit vernichtet wird, mich ekelt im Grunde vor mir selber, dass ich nicht dagegen aufstehe – nur – ich schreibe seit Jahren dagegen an, stapfe stumm und brav bei den verschiedensten Demos mit, trag mein Transparent und das wars dann aber auch.

Als junger Mensch glaubte ich, mit Wackersdorf etwas verhindert zu haben, nur um anschließend zu kapieren, dass wir uns als Blendgranaten missbrauchen ließen in deren Schatten der Kanal schleunigst durchgebrochen wurde – die Wiederaufarbeitung war längst mit den Franzosen verhandelt und beschlossen.

In meinem ganzen Leben habe ich nie irgendwo einen Sieg der Vernunft über die Idiotie erlebt – da wo Macht im Spiel war, siegte immer der Wahnsinn.

Gäbe es nicht die kleinen Nischen in die man sich verkriechen kann, was bliebe uns noch?

Nur – letztlich – was bleibt uns, wenn das Verkriechen der einzige Ausweg ist – eines Tages kommen wir aus den Ritzen und es wird wirklich gar nichts mehr da sein, wofür es sich zu kämpfen lohnte.

Sollten wir vielleicht nicht doch – zumindest versuchen – diesem Wahnsinn mit unserer Ohnmacht entgegenzutreten – so wie einst die Bauern mit Dreschflegeln gegen die Bajonette rannten?

Ich fürchte ich gehöre zu einer Generation der Feiglinge und Jammerlappen, der selbstmitleidigen Besserwisser, die letztlich doch immer nur maulen und jaulen, am Ende aber willig weiter ihren Dienst verrichten – mir bleiben noch einige Dekaden dies zu ändern – um Himmels Willen sagt mein Umfeld – tu ja nichts Unüberlegtes!

Doch das Wohlüberlegte ist letztlich zum kotzen!

So geht es mir gut im Garten, so geht es mir gut auf der Frühstücksterasse, so geht es mir gut im Theater, so geht es mir gut auf der Piazza, so geht es mir gut auf der Alm, so geht es mir gut in meiner Hängematte des Wohlstands – im Schatten liegen die Isen unter der Brücke, die Altmühl neben dem Damm, das Erdinger Moos – bald ganz verbaut, der Bayerwald eine umgewühlte Asphaltlandschaft, das Bayernvolk eine brave Herde von obrigkeitstreuen Idioten – die Staatsstraßen wie Bundesstraßen, die Bundesstraßen mindestens dreispurig, ja wir brauchen die Infrastruktur – ohne sie gäbe es den Fortschritt nicht – welchen Fortschritt will ich lieber gar nicht mehr raten.

Der Rinderwahn ist nie von uns gewichen – ob ein Rind im Stall steht oder in der Staatskanzlei, ein (Dob)Rind(t) im Parteibüro oder sonstwo – bei uns sind die Rinder im Stall wohl klüger als die im Wohnzimmer – hoffentlich beruhige ich mich gleich wieder – damit mein Kunde keinen schlechten Eindruck bekommt.

Der CSU Kugelschreiber steckt in der Brusttasche, der Parteilöwe prangt am Revers – jetzt bloß nicht durchdrehen – ich möchte ja eine Rechnung stellen – und zahlen tut der Mann gut.

Irgendwie geht es mir grad gut – mir fällt ein, dass jetzt endlich eine Ruh ist mit den Protesten, die nächsten Jahre wird wohl in Bereich östliches Oberbayern das Isental überbaut, die Donau wird erst in einigen Jahren wieder ins Visier genommen – es scheint doch der Landesbankchrash hat ein bisserl die kapitale Feuerkraft geschmählert – wenn die nächste Bauwelle über unsere Heimat schwappt – steh ich nah am Grab, dann wär der Dreschflegel ohnehin schon zu schwer, ich könnt wohl nur noch mit dem Stock wild herumfuchteln.

Als ich kelin und jung war, gabs nicht wenige Alte, die haben ständig wutig mit ihren Stöcken gewedelt – mag sein, ich ende genau so!

 

Auf der B12 starben in den letzten 40 Jahren über 400 Menschen in einem Abschnitt der in den 70ern dreispurig hätte ausgebaut werden können und eine vernünftige Lösung ergeben hätte – genauso wie die Elektrifizierung einer parallel verlaufenden Bahnstrecke – beides wurde unterdrückt – damit man die Maximallösung Isental realisieren konnte – diese Toten dienen sinnigerweise bis heute mit als Argument für die gräßliche, stumpfe Borniertheit der CSU Schranzen.

Die Bahnstrecke wird übrigens bis heute von einer Oberleitung verschont – es lebe die Diesellok – auf einspurigem Gleise – zumal Chemieindustrie schon immer ein kleinstückiges Just-In-Time Geschäft ist – (sprich schnelle flexible Kleinlaster benötigt und keine Güterzüge….) – waaaaaaaaaaaaa – sorry – ähmmm –

(Natürlich möchte man eine Pendlerstrecke, damit der normale Angestellte aus dem gentrifizierten münchner S-Bahn Bereich vertrieben und mit der Belchbüchse einstauen kann – äh – einpendeln – siehe Münchern Norden……)

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