Von der Realität gefressen!

Ideenwelten Vor 5000 Jahren und seither im Sekundentakt, erdenkt ein Mensch das Paradies auf Erden, einzig 1000 denken sich lieber die Hölle im gleichen Rhythmus.

Es geht hier nicht um Wirtschaft, es geht hier nicht um Ideologie, es geht hier nicht um Philosophie, es geht hier schlicht um die Möglichkeit zu überleben.

Mehr als die halbe Menschheit steht täglich vor nichts anderem als dieser einen Frage.

Gutes Wirtschaften, eine gute Ideologie, eine gute Philosophie würden eine Welt schaffen, die eine Realität bedingten, welche allen Menschen die leben, ermöglichte, sowohl über Wirtschaft, Ideologie als auch Philosophie zu reflektieren.

Diese Gedankengebilde würden wohl eine unglaubliche Entwicklung bedingen, eine Entwicklung die vielleicht tatsächlich den Menschen durch die Zeit tragen könnte.

Das scheint jedoch,  politisch nicht gewollt zu sein!

Seit es Menschen gibt, behaupte ich, denkt jeder Mensch mehr oder weniger über diese Dinge nach, sobald er satt ist, sich der nächsten Mahlzeiten sicher ist, sieht er seinen Platz in der Gesellschaft und  der Umwelt, errichtet er eigene Gedankengebäude.

Warum also ist es politisch gewollt, möglicht viele Menschen davon abzuhalten?

In einem Teil praktiziert man dies durch tatsächlichen Nahrungsentzug, in anderen Teilen der Welt hat man die Menschen so konditioniert, dass zur Nahrung noch der Konsum verschiedenster völlig irrwitziger Gegenstände nötig ist – um den Sattheitsgrad zu erreichen, somit die Denkfähigkeit freizuschalten – sprich nirgends wird der Mensch mehr satt -ständig plagt ihn der Hunger – ob nun ein schmerzender Magen, oder eine Werbebotschaft, die das Hirn vollstopft und die Synapsen blockiert.

Eine beliebte Frage von Moralphilosophen an ihre Studenten ist die Entscheidung zwischen einem und mehreren Leben zu treffen.

Beispiel: Man fährt einen Betonmischer mit defekten Bremsen, aber intakter Lenkung – die Entscheidung eines vorzeitigen Chrashes gegen eine Begrenzung entfällt – man hat nur die Wahl Trak 1 zu wählen – was den sicheren Tod von 5 Bauarbeitern bedeutet, dazu muss man gar nichts tun – es ist der Weg den das Fahrzeug schon eingeschlagen hat, oder man steuert den Wagen auf Trak 2 und greift insofern ein, als dass nur noch ein Bauarbeiter sterben wird.

Eine sehr große Mehrheit wählt in der Regel Möglichkeit 2, sprich, man wird eingreifen, die Möglichkeit zum Lenken nutzen und nur einem Arbeiter den Tod bringen – dafür aber fünf retten.

Wir sind in dieser Situation determiniert, es gibt keine andere Wahl – auch der Suizid ist keine Wahl, nur entweder fünf oder einer!

Doch was geschieht in der Realität?

Wir haben eine ganze Fülle von Wahlmöglichkeiten – ich behaupte dies, zumindest nehme ich die Situation eines mitteleuropäischen Individuums so wahr.

Wir sind weder vom Tod in einem Konzentrationslager unmittelbar bedroht, so wir nicht bedingungslos opportunistisch agieren, noch vom Hungertod.

Tatsache ist jedoch – der Opportunismus ist immanent, wenn nicht gar das dominante Lebensprinzip der Mehrheit.

In den meisten Regionen der Erde ist dies keinesfalls so – dort sind die Menschen Spieler im archaischen Überlebenskampf, sie haben praktisch nur die Wahl zwischen völliger Unterordnung oder direktem bzw. indirektem Suizid.

Nur, sind diese Menschen nicht die Bauarbeiter aus dem obigem Beispiel, sind wir nicht die inzwischen in dem Betonmischfahrzeug eingeschlossenen und rasen auf die anderen zu?

Haben wir überhaupt noch eine Wahl, die nicht wenigstens in einer kleinen Kathastrophe endet – und – sind wir nicht bis dato alle noch nicht einmal dazu bereit, das Lenkrad zu drehen und die Fünf gegen den Einen zu retten?

Wer sich mit den Naturwissenschaften beschäftigt, wer sich mit Moralphilosophie beschäftigt, wer sich mit Sozialwissenschaft und Kultur auseinander setzt, der weiß sehr wohl, wir haben eine Wahl, der weiß, eine gerechte und nachhaltige globale Sozietät aller lebenden Menschen wäre möglich.

Nur – wir – zumindest behaupte ich – die Mehrheit – wünschen uns diese Welt zwar, doch wir sind nicht bereit dafür am Lenkrad zu drehen – da der Weg dorthin durchaus Opfer fordern würde – nur wir wählen den Tod der Fünf um den  Einen zu schonen – welche Macht doch der Eine zu haben scheint, welche Ohnmacht die Fünf.

Konkrete Vorschläge für eine nachhaltige, gerechte und vor allem global gerechte Welt gibt es zuhauf, sowohl eine bessere Infrastruktur, eine sicherere und auch bequemer Individualmobilität, bessere, gesündere Ernhährung für alle Menschen, eine ruhige, behagliche Privatspähre für jedes Indidviduum bei gleichzeitiger Möchkeit zu sozialer und kultureller Interaktion wären allesamt relativ leicht möglich.

Meiner Meinung nach würde Wettbewerb den Fortschritt nur dann wirklich fördern, wäre der Martk völlig transparent und würde emotionale Werbung verboten.

In Zeiten von Oligopolen und Monopolen verdorren die Ideen der Ingenieure oft in den Archiven oder sie werden gar völlig ignoriert.

Einzig wir müssten den Betonmischer in jene Spur lenken wo der hemmungslose, gierige, in krankhaftem Überfluss lebende Raubmensch lebt – ihn sollten wir anstatt der fünf anderen plattwalzen – doch er scheint sich die Kraft zu bewahren, er scheint unantastbar und ihm opfern letztendlich alle anderen Menschen sowohl die Zukunft ihrer Nachkommen, als auch oftmals ihr eigenes Leben.

Dabei übersehen wir, dass durch kluges und gemeinschaftliches Handeln wahrscheinlich sogar die bestbezahlten Individuen letztlich ein schöneres Dasein hätten, als sie es derzeit fristen – da Neid, Mißgunst und Rivalität eben kein Antrieb sind, sondern Bremsen – Fortschritt entsteht im Miteinander – nicht im Gegeneinander und so absurd es klingen mag – der Krieg ist deshalb der Vater vieler Dinge, da gerade im Krieg oft nicht der kurzfristige Profit, sondern das möglichst effizinete Ergebnis zählt und jene gewinnen, die die wenigstens Intrigen und internen Querelen zu beklagen haben. Leider nutzt der Mensch diese Phasen der relativ solidarischen Interaktion nur, wenn es gilt sich in Gruppen gegenseitig den Tod zu bringen.

(… und in anderen Phasen größter Not – wenn es ebenfalls um das Überleben schlechthin geht – nur wollen wir warten bis dieser Punkt erreicht ist – ist er nicht gar schon längst erreicht?)

Wir wissen dies alles, doch wir wollen es uns nicht eingestehen, wir wollen es aus Bequemlichkeit ignorieren, letztlich sind wir einfach zu faul die Dinge auf die richtige Bahn zu bringen, da gerade jene, die die Möglichkeit zur Tat hätten, noch immer keinen Handlungszwang verspüren.

Wir haben nicht das Problem der Unwissenheit – wir haben einzig das Problem der Trägheit.

Wir akzeptieren die Ungleichheit, vor dem Gesetz zuallererst.

Dies führte dazu, dass in der Gegenwart eine kleine Gruppe von Menschen praktisch die Erntegenehmigung zur materiellen Enteignung auch der letzten noch vorhanden Inseln einer aufkeimenden Egalitarität erhält und die sozialen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte in den Boden stampft.

Wir akzeptieren, dass nicht mehr der Kampf um Gerechtigkeit die Agenda bestimmt, sondern die Restauration einer feudalen Klassengesellschaft, ähnlich der des tiefsten Mittelalters.

Wir betrachten die Teile dieser Erde, in denen dieses asoziale Gefälle längst gelebte Realität ist, wir kämpfen nicht dagegen an – gut – man mag sagen, wir mussten erst unsere Wohnung in Ordnung bringen.

Nur – seit mehr als einer Dekade kippen auch wir wieder zurück in die Vergangenheit.

Maßloser Reichtum einzelner Menschen frisst die Lebensgrundlage von Milliarden.

Unsere Träume werden gerade wieder von der Realität gefressen – wir in Europa hatten die Freiheit zu träumen, ja – wir waren auf einem guten Weg – doch unsere Trägheit, unsere Gier, sie hat uns vergessen lassen, was das Ziel war.

Aus Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit wurde das Auto (möglichst groß und schnell), das Haus (möglichst groß und luxuriös) und die Karriere (möglichst hohes Gehalt und möglichst hohe „Kompetenz“ = Fachidiotie) – so wurden aus aufgeklärten Menschen wieder Untertanen, derzeit Konsumtrottel bald wohl wieder Parias – wobei – ein viertel der europäischen Bevölkerung ist praktisch schon wieder im Slum gelandet, ohne Perspektive, ohne echte Freiheit, ohne Recht und ohne Träume!

Die Realität sind wir alle zusammen – es ist unsere gemeinsame Schuld.

So sitzen wir im Betonmischer, wir lassen das Ding geradeaus rollen, wir lenken nicht – nur vor uns sind nicht 5 sondern wohl 440 Millionen und auf dem Seitenweg steht nicht einer sondern vielleicht einige Tausend.

Der Wagen rollt in Nordamerika wohl ähnlich, in Europa und in anderen Regionen dieser Welt sind mittelalterliche soziale Hackordnungen ohnehin längst Realität – dort kam es erst gar nicht zum Frühling der Träume.

(auch Australien, Neuseeland, Japan ….. auch sie werden wieder zurückfallen – …..)

Es gibt ungezählte  Antworten auf die Frage – warum?

Es ist die Realität die zählt, mein Glückwunsch an jeden, der sich nicht als ihr Fressen sieht!

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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7 Antworten zu Von der Realität gefressen!

  1. DDR Bürger schreibt:

    Glück auf
    mein guter-oder bist du es nicht?
    wieder eine tolle beschreibung unseres daseins! meine rechtschreibung und mein (i-q)sind zu schlecht um auf fehler hinzuweisen
    oh! ich seh es auch so und mir, schwan-hild, das böse am horizont kommt näher
    doch es fehlen: die mutigen, die schlauen, regerosen, auch die durchsetzungsfähigen ,die die massen dovon überzeugen
    -es geht nicht so weiter-
    gib dir nen ruck -mach bei meiner truppe
    – berater sind wichtig-und es wir gut
    es gibt nicht richtig oder falsch -sondern nur gut und böse
    denk an trotzki ( UDSSR)

    mfg aus erzgeb.

    • oberham schreibt:

      …. :-))) ja mir schwan-hild es ebenso.(wolltest du rigorosen tippen – also bei mir ist es abwechselnd wirklich die ausgeleierte Tastatur – jedoch leider ebenso – meine katastrophale Orthografie – die meine Texte für manche zu inakzeptablen Verstazstücken, dilletantischen Geistes verkommen lassen – nur – meiner Meinung nach ist mangelnde Form kein Grund den Inhalt per se zu verdammen.

      Grüß Dich

  2. Olaf schreibt:

    Liebe Leute,

    aus irgendeinem Grund habe ich Ihr/ Euer blog über diesen Post erst heute entdeckt…:

    https://oberham.wordpress.com/2011/09/30/ein-brief-hilflosigkeit/

    …(irgendwo auf SPON verlinkt) und werde die Posts etc. demnächst gern durchackern und wohl auch ggf. sehr gern kommentieren,
    Wahrscheinlich haben wir recht ähnliche Ansichten, Sinnphilosophien/ -vorstellungen und Biografien. Ich selber bin kinderloser Single, 56 Jahre alt, war 16/ 17 Jahre lang Rechtsanwalt (+ ca. sieben Jahre Ausblidung), habe den ganzen Kram also seit Anfang meiner dreißiger Lebensjahre betrieben. Das ökonomische Ergebnis war in 2010 wiederholt nach etlichen Jahren eher unergiebig, vor allem das „ethische“ Erleben in der Hamburgischen „Rechtspflege“ eine Katastrophe (was in dieser „Rechtspflege“ geschieht, halte ich nach wie vor für grenzwertig kriminell, deutlicher kann ich es nicht sagen, ohne daß es problematisch wird – „beweisbar“ wäre es ohnehin nicht). Darum habe ich zum Ende 2010 Schluß gemacht, meine Juristenexistenz beendet und werde jetzt – nach burn out/ mit mittelgradiger Depression (über Jahre 12-14 Stundentage Wochenendarbeit, seit 1996 nur noch Auszeit, kein „Urlaub“, Psychotherapie läuft, hoffentlich schreckt das nicht ab, denn ver-rückt mag ich vielleicht sein, aber nicht krank im Hirn, notorischer Querulant oder dergleichen) – als „Hartzer“ von einer privaten Förderungsfirma bespaßt und orientiere mich neu… Daß ich mich so sehr habe „verlieren“ können, konnte ich mir damals nicht vorstellen und habe es deshalb viel zu spät bemerkt.
    Was immer da noch kommen bzw. zu finden sein mag, ich weiß es nicht.
    Well on – here I go.

    Beste Grüße aus Hamburg
    von
    Olaf

    • oberham schreibt:

      Hallo Olaf,

      ich hoffe die Wiedereingliederungsmaßnahmen, die man dir verschreibt, sind nicht allzu schlimm.
      Freue mich immer über Resonanz – schreiben ist übrigens meine Therapie (nenne es öfter ja auch Therapietippen….)

      Gesundheit und eine dicke Haut – wünscht ich Dir

  3. Henning schreibt:

    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.

    Weiter so!

  4. Renate schreibt:

    Danke! Die Beschreibung der Realität trifft absolut zu.

    Auf der einen Seite werde ich wütend, auf der anderen Seite fühle ich mich hilflos. Ein kleines Tröpfen Öl im Getriebe. Wen oder was interessiert es schon, dass ich meine Probleme habe. Dieses kranke System muss weiter funktionieren. Warum, das fragen die wenigsten Menschen. Die Scheuklappen werden notfalls ganztägig getragen.

    Ich wünschte, ich hätte ein „dickeres Fell“. Könnte meine Mitmenschen ohne Gewissensbisse zu meinem Vorteil ausnutzen und wäre nur noch mit angespitzten Ellenbogen unterwegs. Das bin ich aber nicht und habe auch nicht vor, zu so einem Ungeheuer zu mutieren.
    Meine Teilzeitbeschäftigung schützt mich vor zu viel Ungemach im Job.

    Früher fand ich es sehr wichtig, welches Auto ich fuhr, dass mein Gehalt möglichst koninuierlich stieg und der Vorgartenrasen im rechten Winkel lag. Was war ich doch für eine Idiotin….
    Heute praktiziere ich einen Konsumverzicht in der Form, dass ich nur noch das am Markt erwerbe, was zwingend erforderlich ist.

    Vom Öltropfen zum Sandkörnchen im Getriebe. Immerhin….

    Liebe Grüße
    Renate

    • oberham schreibt:

      …. bitte – freu dich darüber, dass du kein so dickes Fell hast!

      … und Danke, dass Du hier gelesen und kommentiert hast – freue mich immer sehr über Besucher.

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