Die Titanic Allegorie

Leave the informed sense in our wake / you be Christ on this package tour / –Money beats soul– / Last words, last words / out.”  Jim Morrison, Paris, Juli 1971

….Lasst die Vernunft zurück im Kielwasser…….

Knapp drei Stunden vergingen, drei Stunden, die unserer Generation vielfältig beschrieben werden und wurden, in Text, Film, Ton – ja weniger als drei Stunden vom Zusammenprall bis zu jenem Moment, da die See wieder schwarz und glatt vor dem Auge des Betrachters lag.

Es gab Betrachter, Überlebende in kleinen Booten, die auf jene Stelle starrten, vielleicht gingen ihnen Gedanken über den möglichen Sog, einen Strudel, oder über jene durch den Kopf, die nun nach Unten rauschten, gemeinsam mit dem Stahlkoloss.

Kolossal komisch ist für manche die Titanic, oder das Titanic Satiremagazin, ich kenne die Gründe für die Wahl des Titels nicht, passend ist er allemal!

Gerade rammte die Titanic wieder einen Eisberg, mit voller Kraft rauschten Spargroschen von Kleingiergeistern in einem virtuellem Konstrukt geparkt dagegen, schrammten gegen die verborgenen Kanten und Grade, rissen sich dort auf und schnell lief alles voll mit kaltem Nass, voll und voller, kalt und kälter, grurgelnd und blubbernd, ächzend und krarrend, krachend und schallend, schwupps – dahin – und weg.

Ja der Eisberg, man sieht ja nur den kleinsten Teil von seiner Masse, das meiste teibt unter der Oberfläche im Verborgenen, dort wo wir keine Luft zum atmen fänden, dort wo für uns kein Raum zum leben ist, wo die Fische sich herumtreiben, die wir ja gerade ganz schnell noch rausfischen.

Rausfischen, damit das Sushi global gefressen werden kann, in den „Windows of the World“ Lokalen, die hoch oben in den Topetagen einen grandiosen Ausblick gewähren, so man einen Fensterplatz erhält.

Laufkunden sitzen zentral, zahlen aber die gleichen Preise – die genauso hoch sind wie die Lage der Stühle und der Tische – das Personal ist extrem kultiviert, konditioniert, stilvoll, wie einst in der ersten Klasse der Titanic.

Jene die dort fressen, das sind die „Gewinner“ des Spiels, eines Spiels, wie es dümmer unmöglich darzustellen ist.

Genauso dumm und strunzdebil tödlich, wie es die Titanic war, grandios groß, schnell und luxuriös für die einen, ein stählernes Grab für die meisten Insassen – Passagiere – in Klassen aufgeteilt, waren die einen umsorgte Popatze , waren die anderen, die 99% nichts weiter als Transportgut – Menschmaschinenmaterial das an neue Porduktionsstätten verbracht werden sollte – abgesoffen, leicht ersetzbar.

Doch was bringt einen Menschen dazu, fruchtbares Land zu velassen, seine Heimat hinter sich zu lassen, sich in die Tiefen eines Sklavenschiffs freiwillig einsperren zu lassen, im gegensatz zu jenen Millionen die zwei – drei Jahrhunderte vorher in extra konstruierten Holzsärgen etwas weiter südlich den Atlantik überquerten – da waren noch Eisenkettenfesseln nötig – im 20. Jahrhundert verbrachten sich die Sklaven freiwillig  – ja die weissen Sklaven taten es auch früher schon – freiwillig – man könnte auch sagen aus gefühlter Not heraus.

Europa – fruchtbares Land, Afrika – fruchtbares Land, überall auf der Welt – fruchtbares Land.

Milliarden von Menschen, immer mehr Milliarden von Menschen die hungern, verhungern, getrieben werden, seit jeher, verfolgt, erschlagen, ausgehungert, ersoffen, verdorrt, ausgeblutet, ausgeweidet – jene die nicht starben und sterben, Hoffnung suchend auf der Flucht oder als Menschmaschinen in einer Fabrikgruft gefangen.

Warum?

Wieder sind wir bei der Titanic, eine Satirezeitung – ach nein ein kolossaler Witz, fast 40 Tausend Tonnen Stahl auf dem Grund des Atlantiks, langsam verrostend.

Der Mensch das Erzschmelzwesen, der Mensch das Fossilverfeuervieh, er versteht nicht die Idee des Lebens, er hat nie vestanden wozu man befähigt ist, hat nur eines angestrebt, sich über die Dinge zu heben und nach Oben zu streben, sowie mit Höchstgeschwindigkeit den Raum zu druchsteifen – man träumt sich durch die Zeit, man träumt sich durch die Unendlichkeit und vergisst dabei, ganz nebenbei , den Ort an dem man lebt.

So rasen wir in Stahlsärgen von endlicher Kraft befeuert immer schneller auf den Eisberg zu, kein „langsame Fahrt“, kein Kommando das uns zurück auf einen anderen Kurs brächte, manche prassend auf Deck die Aussicht genießend, das Gros unten im Eisenbauch in Dunkelheit harrend, hoffend und sehnsuchtsvoll träumend – vom Reichtum in einer neuen Welt.

Oh ich vergaß – das qualitative Wachstum wird uns retten – es werden keine Stahlsärge sein – nein  –  Karbonwaben – von unendlicher Kraft befeuert – ob es gelingt – so fortschrittlich gegen den Eisberg zu knallen – man könnte sich dies durchaus fragen.

Dabei haben gerade jene die dort unten kauern vergessen.

Sie haben vergessen, die Schönheit der Heimat, die Fruchbarkeit des Bodens, die grandiose Weite des Geistes, die friedliche Harmonie einer gemeinsamen Mahlzeit, das Glück der planlosen Liebe, sie haben vergessen ein Teil der Erde zu sein.

So lasst uns Facebook Aktien kaufen, lasst uns Einkommen auf uns konzentrieren, lasst uns die Welt verwalten, lasst uns den Krieg gestalten, lasst uns mehr von Allem produzieren, lasst und Schnelligkeit aggregieren, lasst uns ganz Mensch sein, im Sinne des Fortschritts, lasst uns Ausrotten, was wir nicht brauchen, lasst uns Ausrotten was wir gierig jetzt sofort wollen, lasst uns traurig sein, so wir arm sind, lasst uns glücklich sein so wir reich sind, lasst uns einfach grandios dumm sein, bald wird das Meer wieder glatt und ruhig sein – und der Mensch wird stumm sein.

 

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Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
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2 Antworten zu Die Titanic Allegorie

  1. AlterKnacker schreibt:

    Dieser Beitrag MUSS in den FIWUS und ich werde mich wie schon des öfteren einfach bedienen, natürlich mit den entsprechenden Hinweisen.

  2. Pingback: Gastbeitrag: … und wieder hat ‘unser’ Oberham zugeschlagen | Freies in Wort und Schrift

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