Die Konditionierungsfolter nach der Lotterie!

Ganz dünne, zartgliedrige Arme halten einen zerfledderten Korb, als wär er ein Baby, oder wär ein Baby darin, sie wiegen ihn, hin und wiegen ihn her, dazu halten anderer Arme Hände zwei Steine, einer für die linke, einer für die rechte Hand, im Rhytmus werden sie aneinandergeschlagen, so gibt es eine Musik, eine beruhigende Melodie, den aus zwei Lippenpaaren dringt ein Summen dazu, das Bild ist nicht komplett.

Alima ist ein intelligentes, hübsches, empathisches, neugieriges, junges Menschenkind, sie hat, da sie in Darfur den 24.12.2008 geboren wurde, schon überdurchschnittlich viel Glück gehabt, Glück, dass sie das Datum des 6. April 2012 erlebt, heute, da sie mit Ihren zwei noch lebenden Geschwistern und Ihrer Großmutter in einem Verschlag des Flüchtlingslagers Dabaab, in Somalia – auf der Flucht aus dem Sudan starben vier ihrer Geschwister, ihre Mutter und ihr Großvater.

Alina hätte wohl – wäre sie aus dem Leib einer Eleonore Bachmeier, wohnhaft München, Grünwald, Hubertusstraße 34 in diese Welt geboren worden, heute einen etwas anderen Tagesaublauf zu erwarten, als sie ihn tatsächlich erlebt.

Ihre Großmutter ist früh am Morgen, Alina schlief noch, losgegangen, in der Hoffnung am Verteilplatz etwas Nahrung und Trinkwasser beschaffen zu können, jetzt da es um die Mittagszeit ist, sind Alima, Acai und Aisha auf dem Platz vor Ihrem Unterstand, sie sind hungrig, trotzdem spielen sie ein uns unbekanntes Spiel, ja sie lachen dabei, sie versuchen zu nicht daran zu denken, was, wenn Omosede nicht mehr zurückkommt, wenn sie von Milizen ermordet wurde, oder andere sie erschlugen, als sie ihr das Wasser, den Reis, die Hirse raubten?

Omosede hat ihnen das Spiel gezeigt, sie spielte es früher gerne mit ihnen, auch ihre Mutter Mandisa spielte dann oft mit – Alima kann sich noch erinnern, ein Lächeln formen ihre vollen Lippen und ihre dunklen Augen leuchten wie zwei Sterne in der Nacht, ihre viel zu großen Augen, die das Leid im Sudan und Somalia sahen und in die Erinnerung brannten.

Anernorts streiten Erwachsene darüber, wie sie die kognitive Konditionierung ihrer Brut am besten organisieren – auf die simple Idee, endlich auch sozial – global zu denken – und die Sinnfrage mal wieder völlig neu zu stellen, kommen nur greise Idealisten, die kraftlos Tasten behämmern, mit gichtigen krummen Fingern.

Das smarte Volk der „gebildeten“ mobbt sich derweil schon in sozialen Netzwerken mittels Touchscreen in den Suizid.

Das Elend hat nur ein anderes Gesicht – doch wir begreiffen es nicht.

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