Fortissimo vivacissiomo

Sergej lebt irgendwo östlich des Ural, dort wo im Winter die Kälte grimmig jedes Leben packt, sobald es aufhört sich ständig zu bewegen, sobald das letzte Holzscheid verbrannt ist, keine wärmende Hilfe mehr dein Herz vor seiner Kralle schützt.

Sergej ist immer in Bewegung, vor allem seine Arme, Hände und vor allem die Finger seiner linken Hand.

Sergej spielt wunderbar auf seiner Violine, er ist ein Virtuose, doch kaum ein Mensch hat ihn je wirklich glücklich gesehen, seine Augen sind traurig, ihm fehlt die Leichtigkeit der Grille, er lebt im Land der Libelle.

Die Grille ist obsolet, die Libelle alleine passt ins Bild, wer keine Ameise sein möchte, der hat nur diese Wahl.

Wir lieben das ganz Besondere, wobei wir wohl kaum unterscheiden könnten wo wirklich der Unterschied zu finden wäre – vielleicht einige ganz wenige – die glauben sie verfügten über die Erhabenheit.

Statt von tausend glücklichen  Grillen, lassen wir uns von einem einzigen Grillen- Star unterhalten – der Rest hat zu verrecken, statt von tausend klugen glücklichen Phantasten, lassen wir uns von einem Führer verwalten, die Phantasten dürfen träumen, aber bitte ganz alleine.

Statt mit 7 Milliarden Menschen gemeinsam, glücklich auf diesem Planeten zu existieren, sehnt sich der Mensch nach größtmöglicher Differenzierung, dabei verbietet er geradezu die ach so gepriesene Individualität.

Individualität war und ist auch heute, ein sehr guter Grund schon in jungen Jahren das Leben zu verlassen, durch Ausgrenzung, Hunger, Todschlag, Selbstmord.

Anpassung heisst die Devise, dabei ist es unglaublich wie global die Welt inzwischen geworden ist – daher ist auch der Hungertote in Somalia nicht minder unmittelbar, als jener arme Mensch der in diesem Winter auf der Parkbank in unserer Stadt erfor.

Der Reichtum von Tausenden wäre nicht möglich ohne die Armut von Milliarden.

Die meisten von uns glauben den Slogan, ohne die Reichen würden wir alle verhungern.

Viele von uns folgen der Argumentation von dem Russischen Oligarchen, der durch die Herstellung von Luxusyachten gut bezahlte Arbeitsplätze schafft, sozusagen hunderte von Menschen aus Not und Elend rettet – die wohl ohne die Produktion dieser Luxusyacht völlig hilflos und dem Tode geweiht durch die Zeit trudeln würden.

Sind wir wirklich so dumm, dass wir es nicht zustande bringen füreinander da zu sein, unsere Geisteskraft in den Dienst aller Menschen zu stellen, statt uns für einige ganz wenige zu versklaven, von denen wir glauben sie alleine seinen die Heilsbringer, die Retter unserer Zukunft?

Sind neben die Götter, die Manager getreten, haben sie die Heerführer ersetzt?

Trotteten wir einst noch einer Fahne hinterher – um uns irgendwo zu treffen und todzuschlagen, haben wir dieses Verfahren wohl modifiziert – aus dem einfachen Todschlagen ist ein extrem differnziertes sich gegenseitg morden geworden.

(Wobei wenn ich mir die Hooligans betrachte, scheinen tatsächlich Menschen dieses „Sich-Schlagen“ zu vermissen….)

Gewalt ist immer noch beliebt – vor allem im letzten Jahrhundert durften Millionen Menschen sogar ihre eigenen Gräber graben – bevor man sie erschoss.

Aber auch andere Formen werden immer wieder gerne verwendet, der Hunger ist eine beliebte, saubere Tötungsmehtode der Mächtigen.

Wir in Deutschland waren ja nicht zimperlich, Tod durch Arbeit (der Wohlstand den diese Arbeit geschaffen hat wird heute von den reichsten, Familien in Deutschland immer noch gerne individuell und sehr sehr selektiv genossen), Tod durch Transport, Tod durch Gas, Tod durch Todschlag, Tod durch Krieg, wir sind immer hinterhergelaufen, haben uns angepasst, damit wir nicht auf der falschen Seite des Lochs stehen, es musste immer einer dazwischen sein, nur so konnte man weiter leben – nur was für ein Leben?

Wir Deutschen sind jedoch nicht besonders phantasievoll oder emsig, was das Morden anbelangt. Überall auf der Welt laufen die gleichen Spiele ab, pass dich ja an, sonst bist du bald fort.

Einzig in den letzten Dekaden haben manche Nationen das Massenmorden exportiert, wir globalisieren und gründen Joint-Ventures um den Dreck vor der eigenen Haustüre zu vermeiden.

Es wäre doch wirklich hässlich – würde man hierzulande die Überflüssigen einfach in KZ – Lager sperren – so ein Niedrieglohnjob tuts auch – wenn man eine Kosten-Nutzen Rechnung aufmacht, ist der Hilfsarbeiter, der freiwillig den Dreck erledigt sogar nützlicher und billiger, als ein zu  Tode zu treibender Gulag-Genosse.

Doch letztlich lassen wir, die Ameisen es zu, dass wir alle Libellen, die sich dem Wahnsinn entgegenstellen immer und immer wieder ignorieren dass wir sie als Idioten, Spinner und einfach nur geistlose Utopisten in das soziale Nirvana senden, damit es in unseren Wohnzimmern weiter täglich blau von der Wand flimmert und ein „Multiplikator“, der auf einer Bühne wirklich dumme Reden hält, bestens unterhält.

Strömte der Leichengestank zu unseren Fenstern herein, der sekündlich in anderen Regionen das Grundfluidum für den Geruchssinn bildet, bliebe uns – vielleicht – das Lachen im Halse stecken.

Wir sind nur einen Millimeter vom neuerlichen Massenmorden auch gleich nebenan entfernt!

Wir wirken betroffen, wenn die Hoffnungslosen im Mittelmeer ertrinken, wir wirken betroffen, wenn zu Abwechslung statt einer Wulff Meldung über die verfehlten Ziele der Uno – was Hunger und Elend betrifft 20 Sekunden parliert wird – was sind schon Zahlen – was sind schon 35.000.000 Hungertote, bei einem Rettungsschirm von Milliarden oder Billionen – damit das private Wellnessschloss eines Bankmagnaten nicht plötzlich aufhört zu blubbern.

Aber wie gesagt, Anpassung lautet die Devise – da die Alternative der Tod ist. (Ok – in Europa gibt es – noch – und aus vorgenannten Gründen – Sozialleistungen statt KZ-Lager)

So irrsinnig das auch klingen mag, so einfach wäre die Lösung, meiner Meinung nach die einzige Chance für unsere Nachkommen – ohne Massenmord endlich miteinander zu leben.

Wir müssten einfach nur endlich aufhören zu glauben, ein Mensch wäre tausendfach wertvoller als der andere, wir müssten nicht davon träumen alle völlig gleich zu sein, den gerade das praktizieren wir doch ohne Ende – darum heben wir aus unserer grauen Masse wohl auch immer einige so extrem hervor, um die Illusion von der Vielfalt zu schaffen.

Oder bedeutet, dass wir alle den gleichen „Wert“ besitzen für Sie, dass auch alle gleich sind?  Da sehe ich eben keinerlei Zusammenhang – der Bauer der sein Feld bestellt ist völlig anders, als der Nobelpreisträger in Physik – nur ist Letzterer deswegen mehr wert?

Beide könnten glücklich sein – nur der Bauer wird gerade von dem Investor vertrieben, der das Preisgeld vom Nobelpreisträger in effizienzoptimiertes Ökoengeniering leitet.

Morgen hat der Bauer nichts mehr – nur die Hoffnung, mit „Glück“ irgendwo für 0,30 Cent am Tag giftige Brühe versprühen zu dürfen – die Gnade der Ausbeutung, welch grandioses Lebensprinzip!

Aber schaut euch doch um, wir , die Massen sind so uniform wie die Ameisen in den Hügeln der Wälder – und wir sind gehässig, wir haben kein Mitleid mit der Libelle.

Jeder Mensch liebt es zu arbeiten, aber er liebt es dies frei und ungebunden, zu tun – ich bin überzeugt, würden wir aufhören das Talent des einen gegen das des anderen auszuspielen und diesen hämischen Sprüchen von der „Anreizgesellschaft“, der „Leistungsgesellschaft“, der sozialen Hängematten die rote Karte zeigen, wir könnten die

Wende vielleicht noch hinbekommen – und dann würde aus der Libelle die Grille – die Ameise hätte ein gütiges Herz und sie würde begreiffen, dass genug für alle da ist, egal wer was gemacht hat.

Manchmal fürchte ich, wir Menschen trauen uns einfach nicht, es scheint wir haben alle so wahnsinnig viel Angst vor der Bestie in uns, dass wir – zumindest die meisten von uns – wirklich überzeugt davon sind, diese Welt sei die bestmögliche.

Wacht endlich auf, sie ist es nicht, vertraut euren Herzen und vertraut Eurer eigenen Kraft, schreit zurück, wenn man Euch entwürdigt, geht, und lasst die Ausbeuter alleine vor Ihren Maschinen stehen, – hört endlich auf Euch ständig anzupassen, –

oder seid ihr etwa alle glücklich? Ficht Euch das Elend von Milliarden nicht an? Habt ihr nur Mitgefühl für Eure Haustiere?  (Eure Kinder scheint ihr nicht zu lieben, da auf sie eine noch Irrsinnigere Arena des Verteilungskampfs wartet)

Sind Eure Herzen schon so kalt?

Seid ihr dann nicht schon längst Maschinen?

Advertisements

Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
Dieser Beitrag wurde unter Was Spatzen von den Dächern pfeiffen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s