Der Moment wiederholt sich!

Der Moment wiederholt sich, der Finger am Abzug krümmt sich, der Daumen drückt den Auslöser, die Kugel fliegt, die Rakete zündet, die Bombe fällt, irgendwo wartet ein Zielpunkt aufs Getroffenwerden.
Nette Kommentare scheinen ebenso zum Ornament dieser Rituale zu gehören, wie verkohlte Körper, teilzerstörte Gestalten, die jammern und schreien, undefinierbare Massebatzen, die an den unmöglichsten Stellen kleben.
„Good shot, good job, nice hit, well done, hey – look they are still moving – wait – ….“
Wir erleben dies alltäglichen globalisierten Episoden sehr abstrakt, via TV, via I-Net, via Radio oder Print, unsere Sinne tasten Bilder ab, Schallwellen sonst nichts, keine Gerüche (wo bleibt bloß das Geruchsrohr im Laptop – damit endlich auch dieser Sinn angesprochen werden kann), wir übersetzen die Signale in unseren entsprechenden Hirnregionen, die Elektronen pushen sich vorwärts, der ein oder andere ist kurz betroffen – zum Glück nicht getroffen.
Der Moment wiederholt sich, die Beine geben nach, keine Kraft mehr, kein Verbrennungsprozess mehr in den Muskeln, die Muskeln selbst sind nun auch verbrannt, die Knochen kann man selbst nicht verbrennen, man kann das brennen im Magen nicht benennen, man möchte es auch nicht, man will nicht so enden.
Der Moment wiederholt sich im Sekundentakt, die Hungeruhr schlägt rhytmisch und leise, ja sauber und brav, vielleicht noch ein leises Wimmern, ein letzter Atemzug, doch wozu ist der Sauerstoff ohne Fett, Eiweiß oder Kohlehydrate gut?
Ein letzter Blick zurück auf das Häuflein, keine Träne, wo kein Wasser ist, die trockenen Augen versinken im Leid, das uns nicht anrührt, es ist ja so weit
Entfernt, irgendwo, im schlecht regierten Land, wo eben das Volk nie die Verantwortung fand.
Wir , ja wir, wir sind gebildet und klug, wir sind fleißig und strebsam, kultiviert und reich, wir verachten den Scheich und liefern ihm nur den Pool, das Flug- Wasser – Land gerät mit in das er seine Mädels lädt.
Wir handeln mit jenen die bezahlen und fertigen brav den Bilderrahmen, notfalls auch das Panzerrohr, im Wüstenland reimt sich das nicht da keiner je dort erfrohr.
Da kommt mir doch die Nordostregion in den Sinn – dort friert es gar grimmig – doch wir müssen nicht hin, nur Gas kommt durch ein großes Rohr direkt in unsere Heizung geströmt, ach wie werden wir nur durch wohlige Wärme auch im Winter verwöhnt.
Verwöhnt, jetzt sollten wir uns anderen Dingen zuwenden, das ewige Gejammer beenden.

Der Moment wiederholt sich, im Jahres- oder Sonstwas-Takt, die Nullen reihen sich links vom Komma lang und länger, der Schmunzeln des Betrachters breit und breiter machend – tiefe Zufriedenheit.

In 1990 weltweit noch ca. ein Viertel vom Gewinn als Boni ausschüttend, etwa ein weiteres Viertel für das Personal, waren es 2007 schon fast 40% in 2009 gar teilweise mehr Boni als Gewinn – ja im Grunde flossen 2009 Staatshilfen für Banken direkt auf die Privatkonten der Bankmanager und der Golden People in den Handels- und Netzwerketagen.

Der Moment wiederholt sich, die Zahlen werden jedoch immer grandioser, die Namen der Umverteilungsschleusen ändern sich – Fakt ist:
Etwa 200.000 nennenswert profitierende Individuen im Finanzgewerbe haben in der letzten Dekade sogar offiziell eingeräumte 30 Bio U$ = 30.000.000.000.000,– das entspricht pro Erdenmensch etwa 4.300,– U$ aus der Summe aller Leistungen nur für Ihre sogenannten Boni abgeschöpft!
Das ist der Gipfel der Irrsinnsumverteilungspyramide! Diese Pyramide besteht jedoch aus tausenden von Blöcken, das dumme an der Sache, sie werden gigantisch, und gigantischer je höher sie oben zur Spitze hin platziert sind – mit dem vorgerechneten Topstein (oder sollte ich einen Zuckerberg, einen Sims dort sehen? – egal!)
An der Basis sind die Steine im Grunde dematerialisiert, dort findet sich eine physikalisch schwer zu beschreibende Stützkraft, es ist die Hoffnung von Milliarden Menschen eines Tages – in Ihrem Leben – in Stein gegossen zu sein – als Atom eines hoch Oben plazierten Pyramidenelementes.
Der Tag wird kommen, an dem die Hoffnung sich auflöst – sei es, da der Mensch seine Umwelt komplett vernichtet hat, sei es, da er seine sozialen Strukturen dermaßen mit Elend und Not durchdrungen hat, dass Hoffnung einfach nicht mehr möglich ist.
Das Grundproblem ist jedoch, der Mensch erhofft sich Wohlstand weit vor dem viel wichtigeren Gut, der sozialen Harmonie und des solidarischen Miteinander – der Mensch, eigentlich ein Gruppentier, hat die Fähigkeit verloren – gemeinsam für die Gemeinschaft zu wirken – er wirkt zwar gemeinsam, doch es gilt das so gelobte Leistungsprinzip, was bedeutet, der Gewinner bekommt alles, der Verlierer wird schlimmstenfalls verhungern – und – wer kurz vorm Hungertod steht, der träumt erst einmal nur noch von einem Stück Scheisse, dass er fressen kann.
Der Moment wiederholt sich.
In dem Augenblick wo einer in Moskau überlegt, ob er rosa oder schwarzen Kaviar in sein Maul stopft, leckt ein anderer mit letzter Kraft, das letzte Staubkorn von der Brust seiner verzweifelten Mutter.
Wo liegt der Unterschied zwischem dem KZ-Vorstand, der sich Chopin von einem Häftling vorspielen lässt, während einige Meter weiter völlig ausgemergelte Gestalten wie Schatten zum Schafott geführt werden und dies vielleicht sogar als Gnade empfinden und dem ach so gebildeten, kultiviertem Professor mit Gattin und Tochter, der in der Semper Oper ein Bach Oratorium genießt, während einige – zugegeben viele – Meter weiter ein kleiner Junge in einem Erdloch nach Diamanten wühlt, wenn es seinem Wächter zu langsam geht, knallt ein Schuss – und wieder eine Gnade.
Vielleicht ziert gerade ein Diamant aus jenem Loch die Gattin des von der wunderbaren Musik Angerührten.

Absurde Vergleiche – finden Sie? – geben sie mir ein Argument, ich folge ihnen nur zu gerne!
In meinem Kopf türmen sich allerdings die Kausalketten, ich könnte wohl einige Millionen ähnliche Vergleiche ziehen, Fäden die sich von den Ärmsten zu den Reichen ziehen, zu jenen die die Macht hätten die Dinge zu ändern, die sie jedoch nicht ändern möchten, da sie sie für sich so angenehm empfinden, so verdient, so gerecht, so unverrückbar.

Das einzig gerechte auf dieser Welt ist der Tod, den Ärmsten verhilft er zur Freiheit, den Reichen nimmt er die Fortsetzung Ihrer persönlichen Schuld ab – auf dass der Mensch verschwindet, bevor er den Jungbrunnen findet!

Advertisements

Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
Dieser Beitrag wurde unter Was Spatzen von den Dächern pfeiffen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Der Moment wiederholt sich!

  1. AlterKnacker schreibt:

    Du hast Dir wieder mal mehr als einen Gastbeitrag verdient.

  2. Pingback: Eine Kolumne: Oberham in Hochform “Der Moment wiederholt sich!” | Freies in Wort und Schrift

  3. oberham schreibt:

    Danke, ich seh das inzwischen wirklich nur mehr als therapeutisches Tippen, ich schreibe wohl viel zu „altmodisch“ – vielleicht sollte man einen „Sozial-Rap“ aus dem Text machen (vom Rhytmus wär das gar nicht so schwer….) – und irgend einem jungen Menschen vorschlagen das Teil zu singen.

    Was wirklich extrem ist – hierzulande sterben die Frühchen – da eine Schwester für das Geld einer halben (“ „) den Job von dreien machen muss – und eine Senatorin regt sich auf – ändern tut sich nix – einige Monate noch weniger Personal, noch mehr Aufregung – wieder gestorbene Babies.

    Aber macht nichts, das waren ja die Kinder von „Unterschichtlern“ ……

    Wie gesagt, man könnte Millionen solcher Bilder skizzieren….. die sozialen Minusgrade nähern sich dem absoluten Nullpunkt, die Wohlstandsorgien werden wohl bald im Orbit stattfinden – unser blauer Planet ist ja so wundervoll.

  4. Api schreibt:

    Zuerst einmal Danke für ihre Blogeinträge. Schon einige Zeit lese ich hier still mit und freue mich über jeden neue Eintrag. Wobei die beiden letzten nicht so gut bei mir ankamen, hatte ich doch das Gefühl, sie wären der absoluten Resignation schon sehr nahe. Aus diesem Grund wollte ich eigentlich einen langen Text schreiben mit einem Link zu einer Satire (qpress.de), die ich kürzlich fand, aber wie es der Zufall so will, musste ich gerade beim erneuten Lesen des Artikels und der Kommentare festsellen, dass sie dort schon aktiv waren.
    Und nun, nachdem ich ihren dortigen Kommentar gelesen habe musste ich (es tut mir leid, ich versuche mich zu zügeln) ziemlich herzlich lachen. Denn plötzlich wurde für mich aus dem sehr resignierten Blogschreiber, dem ich gerade gerne noch ein wenig Mut machen wollte, ein bayrischer? Sektenguru. Ich hoffe sie verzeihen mir meine Ehrlichkeit. Und bis zu ihrem nächsten Blogeintrag, auf den ich mich natürlich sehr freue, werde ich sicherlich auch die Bilder von dem vollbärtigen Herrn im weißen Gewand wieder aus dem Kopf haben.

  5. onesta2012 schreibt:

    Super! Würde ich auch gerne in meinem Blog mit Quellenangabe einstellen.
    http://anstaendigenaufstand.blogspot.com
    oder
    http://waechterauge.blogspot.com
    Bitte um Erlaubnis und Auswahl.
    Gruß – Domenico

  6. Oberham schreibt:

    @api …. bezog sich das auf mich – ?

    Ich wollt als 15 jähriger tatsächlich Guru werden – seit ich etwa 20 bin, vertrete ich „ideologisch“ jedoch ganz klar den Standpunkt der individuellen Anarchie mit dem Kernantrieb der solidarischen Cooperation. D.h. im Grunde eine andere Ausdrucksweise zum Kant´schen Imperativ – der auch bei Marx ähnlich zu finden ist. Also kein Mensch braucht einen Anführer, Vordenker oder Chefideologen – Kinder brauchen Liebe und Weisheit – sonst nichts – Neugierig sind sie selber und die Vorbilder prägen sie – das Problem von Huhn und Ei – das Problem, warum wir es nicht auf die Reihe kriegen werden.

    Mein Ansatz – glaub ich – wäre „freier“ – da ich die Moralethik weder eines Kant noch eines Marx befürworte.

    Natürlich habe ich längst resigniert – mein Blog ist lediglich ein abstrakter Autotherapeutischer Ansatz, sozusagen das Selbstgespräch des etwas verwirrten einsamen Spaziergängers.

    Sowohl kabarettistische als auch schriftstellerische Versuche sind gnadenlos (und sicher zu Recht – der Künste Tod ist das Mittelmaß)gescheitert – die zum Überleben notwendige materiellen Mittel verdien ich mir mit einer Halbtagesstelle – mehr als Grundrente werde ich kaum schaffen – wobei ich mir sicher bin, die wird es bis es bei mir soweit ist nicht mehr geben, d.h. gesund bleiben und bis zum Ableben die nötigen Mittel verdienen. (Hartz IV wäre wohl wesentlich stressiger als mein Halbtagsjob)….. ich bin mir nicht sicher, hätte ich tatsächlich Talente entwickelt, wäre ich dann konsequent geblieben ? d.h. hätte ich meinen Lebensstil ähnlich heute gestaltet – und mit den überschüssigen Mitteln soziale Projekte angestoßen? – Ich hoffe ja – leider muss ich den Beweis schuldig bleiben. (Übrigens wem meine Zeilen doch gefallen, der möge einfach dort etwas geben, wo es ihm sinnvoll erscheint. So er es kann.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s