Bei Nacht und Nebel – Im Lichterglanz der Leuchtreklame

…leise gleiten die Töne durch den Saal, das Nocturne rührt an so manches Herz, wie sanft die Musik auch klingen mag, wie erhaben Ihr Trost, wie dringend Ihr Moll – der letzte Ton erklingt jedoch – und mit ihm entschwinden die Gefühle, das Wort folgt, gesprochen und hier nun geschrieben –

Die Eingangsfloskeln – sie beziehen sich auf Chopin, die Rede selbst schon führt im ersten Satz die Dummheit unserer Existenz ins Feld – da kann auch nichts und niemand mehr den Rest noch loben.

Darum sei der Bundestag vergessen, ich überlasse Euch die Wahl – mein Rat schaut Nacht und Nebel.http://www.youtube.com/watch?v=eZQi47SzzsA

Angesichts der Gräuel – wie kann man da eine Parallele ziehen – zur Leuchtreklame?

Nur soviel – die Shoah kostete etwa 10 Millionen Menschen das Leben, die Shoah war möglich, dank der Ignoranz und völligen emotionalen Verkümmerung der Mehrheit, der großen Mehrheit der Deutschen – heute ist es möglich, dass auf ähnlich grausame Weise wie die Menschen in den vollgestopften Viehwaggons der 1940er Jahre verdursteten, alle ein bis zwei Sekunden ein Kind auf dieser Welt verhungert – warum?

Natürlich der einzelne konnte die Shoah nicht verhindern – er konnte nur individuell helfen – sein Leben geben – heute dient er den Ignoranten als Feigenblatt.

Genauso kann der einzelne Mensch heute das Verhungern von Millionen nicht verhindern, er kann nur individuell helfen, der ein oder andere dient bereits heute als Feigenblatt.

Ich stelle die Frage: Was hat die Mehrheit aus der Geschichte gelernt?

Ich stelle die Frage: Sind wir nicht genauso Ignorant und sind wir nicht genauso verkümmerte Geister, wie die große Mehrheit der Deutschen zu Zeiten des herrschenden Nationalsozialismus?

Advertisements

Über oberham

Einsiedler in Hinterwald
Dieser Beitrag wurde unter Was Spatzen von den Dächern pfeiffen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Bei Nacht und Nebel – Im Lichterglanz der Leuchtreklame

  1. AlterKnacker schreibt:

    Deine Fragen sind mehr als berechtigt und bei 25% der Bevölkerung sind diese Fragen völlig daneben, denn kackbraun ist in zu vielen Köpfen.

  2. oberham schreibt:

    … ja – und das Schlimmste – es ist kein nationales Phänomen – sondern ein globales!
    Aber – würde man z.B. auf die Mitschuld der Nachbarstaaten Frankreich, England – ja auch Polen, Tschechei, Holland, Belgien, Schweiz – die enorme Mitschuld der Kirche (da war die Ökumene vollkommen) – hinweisen, man fände sich selbst sofort in eine rechte Ecke verfrachtet – von den vielen ach so zeitgeistkonditionierten Intellektuellen.

    Das Prinzip der willigen Beihilfe – es ist grenzüberschreitend und allumfassend – letzt konnte RR ja auch nur überleben, da er mit den SS-Leuten kollaborierte – er hat es heute im DBT wunderbar beschrieben – nur waage es einer diese Tatsache aus seiner Tagesskizze herauszufiltern.

    Das mag ich ihm nicht zum Vorwurf machen, der Überlebenstrieb ist oft stärker als die ethische Verpflichtung – er hätte sich als Alternative an dem Tag verweigern und praktisch den Selbstmord durch SS-Hand wählen müssen – hätt ich an seiner Stelle sicher auch nicht gemacht – hätte genauso ein Protokoll geführt und mich zum Schergen der Schlächter gemacht – leider – den wär ich nicht so – ich würde hier nicht bloggen, sondern irgendwo in Afrika versuchen wenigstens eine Dorfgemeinschaft zu retten – was wohl auch sowas wie Selbstmord wäre.

    Unser Dilemma ist das gleiche – nur – unsere Kollaboration gestaltet sich wesentlich bequemer und eleganter – wir müssen einfach nur ruhig sein – unsere Steuern zahlen – ja – wir dürfen sogar ungestraft subversiv sein (solage es sich in Grenzen hält – sprich man nicht die Kraft entwickelt eine Bewegung auszulösen – möchte nicht wissen, was mit dem Blog hier wäre, würde ich eine solche beschreibende Kraft entwickeln, dass mein Wort sich durch einen wie auch immer gearteten Schneeballeffekt ausbreitet und die Leute plötzlich alle zu Konsumverweigerern und Dienstverweigerern in Punkto Umverteilungsmechanik machte.).

    Ich schreibe ja im Grund jetzt ein Jahr immer das Gleiche – die Fakten ähneln sich – die Personengruppen sind die selben – die Geschichte wird nicht neu geschrieben – die Zukunft bleibt meiner Meinung nach eine unerfreuliche Angelegenheit für immer mehr Menschen.

    Aber – fast niemand mag glauben, dass die Überbevölkerung eine tolle Sache für die Despoten in den Konzernzentralen ist!
    Fast niemand mag glauben, dass jeder von uns Konsequenzen ziehen könnte, die ohne Gewalt einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel möglich machten.
    Fast niemand hielte es für möglich, dass die Gesellschaft sich ohne Geld organisieren könnte.
    Fast niemand teilt meine Meinung, dass es keiner Hierachien in einer intelligenten Gemeinschaft bedürfte.

    Wäre der Mensch nicht so verzweifelt, dass er seinen Egoismus zum Ausschlusskriterium einer friedlichen, menschlich koexistenten Welt erklärt, so hätter er längst bemerkt, dass er sich am wohlsten fühlt, wenn er eben diesen Egoismus nicht auslebt, sondern sich solidarisch unter anderen – nicht berechnend agierenden Menschen bewegt – ein Erlebniss, dass so selten ist wie ein Diamant in den Tiefen Südafrikanischer Minen – ein Erlebniss, dass nur dort häufiger wird, wo die menschliche Not einen extremen Grad erreicht.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass nach wenigen Dekaden – selbst die egomansten Karaktere
    ihre Lebensart ändern würden, stünden sie völlig alleine da mit ihrem Reichtum und ihrer Macht – doch sie schwimmen wie Fische im Wasser und das Wasser sind die sie bewundernden und umspühlenden Massen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s